Hamburg spricht von „Jahrhundertchance“ und plant dieses krasse Bauprojekt

Robin Grützmacher
Hamburg: Der A7-Elbtunnel (oben links), die Elbbrücken (oben mitte) und die A1-Norderelbbrücke (oben rechts) führen über die Norderelbe. Die Harburger/Süderelbbrücke (unten links) und eine weitere Elbbrücke (unten rechts) verlaufen über die Süderelbe.
Hamburg: Der A7-Elbtunnel (oben links), die Elbbrücken (oben mitte) und die A1-Norderelbbrücke (oben rechts) führen über die Norderelbe. Die Harburger/Süderelbbrücke (unten links) und eine weitere Elbbrücke (unten rechts) verlaufen über die Süderelbe.
Foto: Screenshot Google Maps / Imago / dpa

Große Projekte gibt es in Hamburg wie Sand am Meer. Ob Bau der Linie U5, der Wolkenkratzer Elbtower, der neue Fernbahnhof Diebsteich, die Quartiere Holsten Areal und Grasbrook oder das neue Univiertel am Geomatikum – Hamburg wird in einigen Jahren völlig anders aussehen. Jedes Projekt hat sein Pro und Contra, sicher ist aber: Vieles wird so kommen, wie es derzeit in Planung ist.

Auch im vergleichsweise Kleinen wagt sich die Stadt an neue Projekte heran. Eine „Jahrhundertchance“ nennt der Senat das, was er sich nun mit der Deutschen Bahn in den Kopf gesetzt hat: Eine neue Brücke über die Elbe. „Das Bundesverkehrsministerium, die Stadt Hamburg und die Deutsche Bahn bringen eine Machbarkeitsstudie auf den Weg“, heißt es aus der Verkehrsbehörde.

So geht es in Hamburg über die Elbe

In Hamburg gibt es eigentlich drei große Möglichkeiten, um über die Elbe zu kommen: Die meistgenutzte durch den A7-Elbtunnel, außerdem über die Elbbrücken an der A255 und die nahegelegene Norderelbbrücke der A1.

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Da sich die Elbe in Hamburg zweiteilt, muss der Verkehr dann im Südosten auch nochmal über die Harburger/Süderelbbrücken sowie eine weitere Elbbrücke fließen.

Der A7-Elbtunnel und die A1-Norderelbbrücke sind ausschließlich für Autos gebaut. Für Züge gibt es nur die Elbbrücken. Sie bringen ICEs, Regionalzüge und S-Bahnen über den Fluss in Hamburg. Jeder, der am Hauptbahnhof oder in Altona in einen Zug nach Süden steigt, fährt mit diesem über die Elbbrücken. Und das über gerade einmal vier Gleise, die es hier für den Fernverkehr gibt, sowie zwei weitere für S-Bahnen.

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Die Verkehrsbehörde in Hamburg nennt die Elbbrücken deswegen einen zentralen Engpass im deutschen Schienenverkehr. Die alten Brücken werden extrem belastet und der S-Bahn-Verkehr ist mit Überfüllung, Verspätungen und Zugausfällen eine Katastrophe.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Hamburg: Zwei Gleise mehr an den Elbbrücken

Zwei Gleise mehr wären ganz nett, finden die Stadt und die Deutsche Bahn. Und sparen dabei nicht mit Superlativen: Es wird gar von einer „Jarhundertchance für Hamburg und Norddeutschland“ gesprochen. „Sechs statt vier Gleise über die Norderelbe für den Fern-, Regional und Güterverkehr wären ein echter Schub für die Mobilitätswende“, sagt Verkehrssenator Anjes Tjarks.

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Das große Problem: An den Elbbrücken laufen sowieso schon viele Projekte, der Platz ist knapp.

Hier wurde zuletzt die U- und S-Bahn-Station Elbbrücken fertiggestellt, deren U-Bahn-Gleise sollen eines Tages auch mal eine Brücke über die Elbe Richung Grasbrook und Harburg bekommen. Zudem sollen die alte Freihafenbrücke und die Fernzug-Brücken direkt daneben saniert werden. Ebenso wird in der Nähe der riesige Elbtower-Wolkenkratzer gebaut und noch ein Stück weiter steht der Neubau der A1-Norderelbbrücke an.

In dem Ganzen Kuddelmuddel auch nochmal zwei zusätzliche Gleise für den Fernverkehr über die Elbe zu bauen, könnte ganz schön eng werden. Das Ergebnis der Machbarkeitsstudie wird spannend.

Da der Zugverkehr ein Stück weiter südlich der Elbbrücken zudem erneut auf die Elbe trifft, müsste dort auch die Süderelbbrücke neben der schicken alten Harburger Elbbrücke (nur für Fußgänger zugänglich) einen Neubau mit zwei Gleisen bekommen.

Hamburg: Erste Fernbahnbrücke seit fast 100 Jahren

Laut Anjes Tjarks werde man nun die Sanierung der Freihafenbrücke, die sich direkt neben den Elbbrücken für die Züge befindet, verschieben, um den notwendigen Platz für die Realisierung einer weiteren Fernverkehrs-Brücke über die Elbe nicht zu verbauen. Es wäre die erste Kapazitätserweiterung der Fernbahn in Hamburg über die Elbe seit fast 100 Jahren.

Um diese ganzen Projekte zu synchronisieren, hat die Behörde eine Arbeitsgemeinschaft ins Leben gerufen. Viele Menschen haben Angst, dass mit den Sanierungen und (eventuellen) Neubauten der Charakter der liebgewonnen Elbbrücken verändert wird. Die stadtbildprägende Funktion der Brücken werde man aber berücksichtigen, so Tjarks.

Hamburg: Auch eine Alternative wird geprüft

Dass Hamburg weitere Gleise über die Elbe benötigt, ist weitgängig unumstritten. Ob sie so wie oben beschrieben aber wirklich kommen werden, ist wegen der Enge und den vielen Projekten an den Elbbrücken im Osten der Stadt fraglich.

Die Initiative Prellbock-Altona, bekannt aus ihrem Kampf gegen den Fernbahnhof Diebsteich und für den Verbleib der Fernzüge in Altona, hält eine Überquerung der Elbe im Westen von Hamburg für wirkungsvoller und nachhaltiger. Laut des parlamentarischen Staatssekretärs beim Bundesministerium für Verkehr, Enak Ferlemann, werde in der Machbarkeitsstudie auch eine solche westliche Elbquerung geprüft.

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Die Züge könnten dann beispielweise in Waltershof in der Nähe des Elbtunnels die Elbe überqueren. Für einen S-Bahn-Tunnel in dem Gebiet kämpft bereits seit Jahren der Harburger SPD-Bundestagsabgeordnete Metin Hakverdi, der wie die Initiative gerne eine Ringbahn zwischen Harburg, Altona und dem Hauptbahnhof sehen würde.