Hamburg: Hacker stand schon mit einem Bein im Gefängnis – kaum zu glauben, was er heute macht

Bea Swietczak
Hacker bleiben meist im Verborgenen (Symbolbild).
Hacker bleiben meist im Verborgenen (Symbolbild).
Foto: IMAGO / Westend61

Seine Karriere begann, als er elf Jahre alt war und setzte sich später in der Hacker-Szene fort. Heute ist Tom Ruge (34) aus Hamburg ein gefragter IT-Spezialist, der von Privatleuten, Banken oder Dax-Unternehmen beauftragt wird und auf den sogar staatliche Organe zurückgreifen.

Tom Ruge ist nicht sein richtiger Name. Den hält er lieber geheim. Denn Leute wie er agieren meistens eher im Dunklen. Bei seinen spannenden Tätigkeiten bewegt er sich oft in Grauzonen. Manchmal steht der Mann aus Hamburg mit einem Bein sogar im Gefängnis.

Hamburg: Hacker arbeitet für Ermittlungsbehörden

Straffällig geworden ist Tom Ruge nicht nur einmal. Aber einmal wurde es eng. Da wäre er fast in den Knast gewandert. Das war vor mehr als zehn Jahren. Damals bekam er Bewährung. Dadurch wurden Ermittlungsbehörden auf das Computer-Genie aufmerksam, die seither seine Dienste gern nutzen.

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Ein durchaus gängiges Prozedere, das zum Beispiel auch der Verfassungsschutz beansprucht, wenn er innerhalb seiner gesetzlichen Vorgaben zielführende Ermittlungstaktiken nicht anwenden darf, da sie sich mit dem Gesetz nicht vereinbaren ließen.

Deshalb werden Aufträge an externe Experten vergeben, die unter der Hand gegen Honorar die nötigen Informationen beschaffen, um zum Beispiel Extremismus zu bekämpfen oder Anschläge zu verhindern. „Dafür gebe ich mein Können gern her“, sagt Tom Ruge. „Wenn ich durch meine Fähigkeiten Gutes bewirken und die Bevölkerung schützen kann, habe ich keine Skrupel, Daten auf nicht ganz legalem Weg zu beschaffen.“

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Hamburg: Mit neun Jahren lernt er das Programmieren

Doch das war nicht immer so. „Als ich in der Pubertät war, habe ich viel Blödsinn angestellt“, erzählt Tom Ruge, der nicht mal eine abgeschlossene Ausbildung hat, aber immer ein Mathe-Einser war. Sein Vater ist ebenfalls IT-Spezialist. Als der mal ein Rechner-Problem nach stundenlanger Tüftelei nicht lösen konnte, schaute sich sein damals elfjähriger Sohn das mal an. Er fand die Lösung binnen kurzer Zeit.

„Schon als Neunjähriger hat mir mein Dad das Programmieren beigebracht“, sagt er. Als er zwei Jahre später seinem Vater das Wasser reichen konnte, stand für ihn fest, was er mal werden will: ein Computer-Nerd. Fortan saß er nur noch am Bildschirm. In der Schule galt er als Besserwisser, wenn es um technische Aufgaben ging. Freunde und Mädchen hatte er kaum. Auch heute ist keine Frau an seiner Seite.

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Hamburg: Verstoß beim Chaos Computer Club

Ruge trat dem Chaos Computer Club bei. Dort wollten seine Gleichgesinnten bald nichts mehr mit ihm zu tun haben, weil er die Existenz dieser Hacker-Vereinigung gefährdet hatte, nachdem er sich einfach in das System eines Nachrichtensenders eingehackt hatte.

Damals lernte er auch den Internet-Unternehmer Kim Schmitz, alias Kim Dotcom, kennen, der oft in Hamburg war. Der machte vor allem Schlagzeilen, als ein SWAT-Team 2012 seine Villa in Neuseeland gestürmt hatte, nachdem das FBI gegen ihn ermittelte. Der Vorwurf: er soll mit seiner Internet-Firma gegen das amerikanische Copyright-Gesetz verstoßen haben.


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„Kim ist ein cooler Typ“, sagt Tom Ruge. „Aber in Wahrheit kann er fachlich nicht all das, was die Öffentlichkeit glaubt, dass er es kann. In meiner Szene nennen wir solche Leute Schwätzer. Wenn er zum Beispiel den Auftrag hatte, einen anderen Computer zu knacken, gelang ihm das nicht allein. Dann griff er auf jemanden von uns zurück und gab den Erfolg als seinen aus.“

Dennoch hat er große Hochachtung vor Kim Dotcom. „Er ist ideenreich. Sein wahres Talent besteht darin, Menschen zu begeistern und zu beeinflussen. Und er ist ein Top-Verkäufer.“

Warum Firmen lieber Tom Ruge unter der Hand beauftragen als sich an renommierte Sicherheitsfirmen zu wenden, erfährst du morgen im zweiten Teil.