HVV in Hamburg: Busfahrer muss alleine drei Kinder großziehen – was sein Arbeitgeber macht, geht gar nicht

HVV: Viel Ärger für einen Busfahrer im Raum Hamburg (Symbolfoto).
HVV: Viel Ärger für einen Busfahrer im Raum Hamburg (Symbolfoto).
Foto: IMAGO / Hanno Bode

Wenn der Traumjob zum Stressfaktor wird: Schon seit einem Jahrzehnt ist Cüneyt Yildiz Busfahrer im HVV in Hamburg und liebt seinen Beruf. Eigentlich.

Denn seit zwei Jahren ist nicht mehr alles so, wie es mal war. Als alleinerziehender Vater von drei Kindern hat der Busfahrer im HVV in Hamburg nämlich so seine Probleme mit seinem Arbeitgeber, den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH).

HVV in Hamburg: Darum geht der Streit

Der große Streitpunkt: Es wird versucht, Cüneyt Yildiz die familienfreundlichere Tagesschicht zu verwehren. Darüber berichtet das „Hamburger Abendblatt“.

In mehreren Instanzen hat der Pinneberger Busfahrer laut des Berichts zwar vorläufig Recht bekommen und auch in einem Eilverfahren durchsetzen können, dass er eine tägliche Buslinie von 8 bis 16.30 Uhr bedienen kann. Doch die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein wollen das nicht akzeptieren.

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Die Frau von Cüneyt Yildiz war 2019 von heute auf morgen in die Türkei gegangen. Plötzlich war der Schenefelder alleinerziehend, dazu kam noch der Job mit den Nachtschichten.

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Daten und Fakten zum HVV:

  • wurde am 29. November 1965 gegründet
  • umfasst das Hamburger Stadtgebiet und umliegende Gebiete in Schleswig-Holstein und Niedersachsen
  • zum Angebot im HVV zählen vier U-Bahn-Linien (betrieben von der Hamburger Hochbahn AG) und sechs S-Bahn-Linien (betrieben von der S-Bahn Hamburg GmbH)
  • Busse im HVV werden unter anderem betrieben von der Hochbahn und den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein (VHH)
  • insgesamt sind rund 4.500 Fahrzeugen im Einsatz
  • es gibt 10.184 Haltestellen im Verbundgebiet
  • 763 Linien werden betrieben

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HVV in Hamburg: Vorläufiger Erfolg mit der Linie 488

Wer nachts Bus fährt, kann natürlich nicht mal eben so seine Kinder morgens in die Schule bringen. Laut „Hamburger Abendblatt“ beantragte der Busfahrer deswegen bei seinem Arbeitgeber, nur noch von 8 bis 16 Uhr eingesetzt zu werden und in Teilzeit zu gehen.

Bei einem Bruttoverdienst von 2.800 Euro ein monatlicher Verlust von 110 Euro. Immerhin könnte Cüneyt Yildiz seine Kinder so aber morgens in Schule und Kita abgeben und abends wieder abholen.

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Gegenüber der Zeitung wollten sich die Verkehrsbetriebe nicht konkret zu dem Fall äußern. „Die Kernaufgabe der VHH ist die Sicherung eines attraktiven öffentlichen Personennahverkehrs in Hamburg und der angrenzenden Region im Bereich Bus“, deshalb müsse das Unternehmen dafür sorgen, dass stets ausreichend Busse im Einsatz sind, so Sprecherin Sluga zum „Hamburger Abendblatt“.

„Das fordert naturgemäß eine hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität der Mitarbeitenden und schränkt die Möglichkeiten ein, Einsatzzeiten nach den individuellen Wünschen der Mitarbeitenden festzusetzen.“

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Man wolle zwar wo es möglich sei auf individuelle Bedürfnisse Rücksicht nehmen, doch anscheinend nicht im Fall von Cüneyt Yildiz. Im Eilverfahren erreichte er dann, eine Tagesschicht-Tour zu erhalten – die Linie 488 in Blankenese.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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HVV in Hamburg: Irritierende Werbung

Besonders brisant: Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein warben einst auf ihrer Internetseite dafür, auf zeitliche Wünsche von Alleinerziehenden Rücksicht zu nehmen. So argumentierte auch der Busfahrer, eine Kammer des Landesarbeitsgerichts gab ihm zunächst recht.

Doch weil der Arbeitgeber von Cüneyt Yildiz keine Ruhe gibt, ist ungewiss, ob der Busfahrer weiter tagsüber die Linie 488 in Blankenese fahren darf und so auch seinen Familienalltag gewuppt kriegt. (rg)