Hamburg: Stadtteil in Aufregung! Was hier früh morgens für Lärm sorgt, hat ein Promi auf dem Gewissen

Bea Swietczak
Luftaufnahme der Alster in Hamburg
Luftaufnahme der Alster in Hamburg
Foto: imago

In Pöseldorf, dem feinen Stadtteil von Hamburg, wohnen viele feine Leute. Mittendrin in einer schönen Gründerzeit-Villa lebt Deutschlands berühmtester Pianist und Dirigent Professor Justus Frantz (77), Gründer des Schleswig-Holstein Musikfestivals und Chefdirigent des israelischen Orchesters Sinfonietta Beer Sheva.

Einen Steinwurf entfernt residieren namhafte TV-Talker, einige Schauspieler, Banker und Staranwälte. Es ist ein ruhiges, beschauliches Viertel von Hamburg, in dem einer den anderen kennt, aber man sich höflich und mit hanseatischer Zurückhaltung begegnet.

Hamburg: Schluss mit der Ruhe – Justus Frantz ist schuld

Doch kürzlich versetzten frühmorgendliche, laute Fremd-Geräusche einige dieser feinen Leute in ihrem idyllischen Viertel in große Aufregung. Sie dachten, sie trauten ihren Ohren nicht. Denn es klang wie das Krähen eines Hahns. Kann das sein? Mitten in der Stadt? Laut und kompromisslos schallten die Töne

Als sich das täglich wiederholte, machten sich einige der feinen Herrschaften ebenfalls früh morgens auf die Suche. Sie wollten das Rätsel lösen, wo denn das herkommt. Die Nachbarn wurden schnell fündig und machten den Schuldigen aus. Ein wunderschöner, aber leider sehr lauter Hahn, krähte im Garten von Justus Frantz.

Es kam, wie’s kommen musste. Sie beschwerten sich bei seinem feingeistigen Besitzer. Der hatte eigentlich gar kein Ohr für solche weltlichen Probleme, war er doch gerade mit Etüden an seinem Steinway-Flügel beschäftigt. Und mit Konzert-Vorbereitungen. Große Chopin-Abende stehen an in Athen, Moskau, St. Petersburg und nächstes Jahr wohl auch in Hamburg.

+++ Judith Rakers kommt nachts nicht zur Ruhe – „Unglaublich anstrengend“ +++

Aber weltoffen und tolerant wie Justus Frantz ja nun mal ist, hatte er ein Einsehen. Und das, obwohl er seinen 13 Hennen in seinem Garten doch eigentlich nur Gutes tun wollte. Denn er steht ihnen sehr nahe.

Sie haben sogar eigene Namen wie Elsa, Mimi oder Desdemona. „Das sind alles Namen aus Opern“, erzählt Justus Frantz und fügt schmunzelnd hinzu: „Die Hennen sind quasi meine eigenen Solistinnen.“ Den Hahn nannte er Giovanni. Benannt nach der Mozart-Oper Don Giovanni, versteht sich.

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Das ist Justus Frantz:

  • Professor Justus Frantz wurde im Mai 1944 in Hohensalza/Polen geboren.
  • Sein Vater Richard war Oberstaatsanwalt in Breslau, die Mutter Dorothea von Goßler, eine Adlige.
  • Im Alter von zehn Jahren begann er mit dem Klavierspielen.
  • Als 23-Jähriger gewann er den zweiten Preis beim internationalen Musikwettbewerb der ARD.
  • Er zog nach Hamburg und besuchte Meisterkurse.
  • 1970 gelang ihm der internationale Durchbruch als Pianist. Er spielte mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung von Herbert von Karajan.
  • 1975 gab er sein Debütkonzert in den USA.
  • 1986 wurde er Professor an der Hamburger Musikhochschule.
  • Frantz war einer der engsten Freunde von Helmut Schmidt.
  • Frantz hat zwei Söhne von zwei Frauen. Christopher ist 46 und Pianist, Justus Konstantin ist 16 und besucht ein Musik-Internat in England.

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Mit Giovanni wollte er Elsa, Mimi, Destemona und Co. doch nur eine kleine Freude machen. Weil sie schon seit zwei Jahren ohne männliche Gesellschaft in ihrem Garten-Freilaufgehege leben, hatte er den Hahn zur Bespaßung angeschafft. Da Justus Frantz aber auch seine Nachbarschaft liebgewonnen hat und sie nicht weiter vergraulen wollte, schritt er zur Tat.

Jetzt ist wieder Ruhe in Hamburgs schickem Stadtteil

Einige Telefonate später, die er mit Freunden auf dem Land geführt hatte, erklärte sich ein adliger Gutsbesitzer dazu bereit, dem wunderschönen, aber lauten Giovanni Asyl zu gewähren. Der bespaßt nun dessen Hennen und muss sich keine Sorgen über Beschwerden machen. Denn weit und breit gibt es dort keine Nachbarn, die sich an seinem Krähen stören könnten.

Doch ein bisschen traurig ist Justus Frantz schon. Auf die Hennen will er aber auf keinen Fall verzichten, auch wenn sie ihm viel Arbeit machen. Denn sein Motto lautet: „Zu einem guten Leben gehört neben anderen Dingen auch ein Glas Rotwein und ein frisches Ei.“

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Und weiter: „Darauf mag ich ungern verzichten. Ich würde nämlich nie auf die Idee kommen, im Supermarkt Eier zu kaufen, denn die sind ja nicht ganz frisch gelegt worden und schmecken deshalb nicht so gut.“ Die Sache mit Giovanni hat natürlich wie alles im Leben ihren Preis. Um die Nachbarn zu beschwichtigen, kommen nun auch sie in den täglichen Genuss von frisch gelegten Eiern. So sind nun alle wieder glücklich und zufrieden im feinen Pöseldorf.