Hamburg: Kreuzfahrt-Drama! Im Hafen ahnte niemand, was auf der Nordsee passieren würde

Unternehmer Kai Wünsche aus Hamburg starb im August einen tragischen Tod (Symbolbild).
Unternehmer Kai Wünsche aus Hamburg starb im August einen tragischen Tod (Symbolbild).
Foto: picture alliance/dpa & picture-alliance / dpa

Als die „MS Europa“ am 15. August 2021 den Hafen von Hamburg verließ, ahnte noch keiner, dass sich nur wenige Stunden später eine Tragödie auf dem Kreuzfahrtschiff abspielen würde.

Multi-Millionär Kai Wünsche, der mit dem Dampfer von Hamburg nach Bordeaux reisen wollte, ging über Bord und starb. Ein dramatischer Vorfall, in dem wohl niemals vollständige Klarheit herrschen wird.

Hamburg: Kai Wünsche stürzt von Bord

Bereits 16 Stunden nachdem der Mode-Mogul mit seinem Ehemann an Bord gegangen war, meldete dieser seinen Partner als vermisst. Er befürchtete bereits das Schlimmste. Seiner Vorahnung folgte wenige Tage später die traurige Gewissheit.

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Der 81-Jährige stürzte nahe der niederländischen Inseln Vlieland und Texel von der „MS Europa“ 27 Meter in die Tiefe. Fünf Meter hohe Wellen schlug das Meer, die Wassertemperatur lag bei 19 Grad.

Die niederländische Küstenwache rückte sofort aus. Fünf Rettungsboote, zwei Search-and-Rescue-Hubschrauber, ein Schiff der Küstenwache sowie ein Suchflugzeug waren im Einsatz und durchkämmten ein 20 Quadratkilometer großes Gebiet auf der Nordsee.

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Unternehmer aus Hamburg hatte keine Überlebenschancen

Allerdings bestand bereits während der Suche kaum Hoffnung. Die Aktion musste erfolglos abgebrochen werden. Wie die Behörden im Anschluss mitteilten, habe es aufgrund der Wetterverhältnisse zu diesem Zeitpunkt keine Chance mehr gegeben, dass der Mann noch lebte.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Sie sollten Recht behalten. Nur einen Tag später wurde die Leiche des Mode-Millionärs an den Strand der niederländischen Insel Terschelling angespült. Ein Todesfall, der für Erschütterung sorgte.

Erfolgereicher Großkonzern in Hamburg

Der Hamburger hatte sich in der Mode -und Immobilienbranche einen Namen gemacht. Sein Vater gründete die Wünsche Group, die im Jahre 1934 als Getreide- und Futtermittelunternehmen startete. Daraus entwickelte sich ein erfolgreicher Großkonzern.

Nach und nach stieg nach Unternehmen in den internationalen Lebensmittelhandel ein und erweiterte sein Portfolio um Non-Food Produkte wie Technik und Mode. Unter anderem agierte die Wünsche Group als Zulieferer internationaler Bekleidungsketten von Aldi bis hin zu C&A.

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1998 übernahm die Wünsche Group sogar eine Beteiligung von 95 Prozent an dem Modelabel Joop! Stolzer Kaufpreis damals: 150 Millionen Mark. Kai Wünsche war im Unternehmen lange Zeit als Vorstandsvorsitzender tätig.

Trauer in Hamburg

„Ich schätzte an ihm seine Fähigkeit als erfolgreicher Unternehmer einen kollegialen Umfang mit seinem 2000 Mitarbeitern zu pflegen“, sagte sein langjähriger Mitarbeiter und Weggefährte Johann Graf Villavicencio im Gespräch mit MOIN.DE.

Daneben engagierte sich Kai Wünsche jahrelang in der FDP. „Selbst als er sich später aufgrund seines Alters von allem zurückzog, blieb er der Partei immer treu“, berichtete Villavicencio. Er sei ein geselliger Mensch gewesen, der das Rampenlicht zwar gemieden habe, aber gesellschaftlich gut aufgestellt war.

Wie genau es zu dem tragischen Vorfall kam, ist bis heute nicht klar. Nur eines scheint mit Sicherheit festzustehen: Es handelt sich nicht um eine Straftat. Das teilte die niederländische Polizei kurz nach dem Fund der Leiche via Twitter mit. Damit seien die Ermittlungen beendet.

Ähnliches ließ die Reederei verlauten. Nach Auswertungen der Videoaufzeichnungen verkündete Hapag Lloyd Cruises, dass es keine Hinweise auf einen Unfall oder Fremdverschulden gebe. Handelt es sich um einen Suizid? Der Unternehmer litt jahrelang an Depressionen.

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Die Fragen bleiben – ebenso wie die Trauer über den Verlust. „Wir im engen Kreis können alle noch nicht fassen, dass Kai nicht mehr da ist“, sagt Johann Graf Villavicencio. (lh)