Hamburg: Fahrlehrer erinnert sich an Horrorfahrt zurück – „Hatte Angst um mein Leben“

Fahrlehrer Oliver Selck aus Hamburg erlebte einst eine Horrorfahrt mit einer Fahrschülerin.
Fahrlehrer Oliver Selck aus Hamburg erlebte einst eine Horrorfahrt mit einer Fahrschülerin.
Foto: IMAGO / Sämmer & Privat (Montage MOIN.DE)

Oliver Selck aus Hamburg war 32 Jahre lang bei der Bundeswehr. Bis er 2019 beschloss, Fahrlehrer zu werden.

Seitdem arbeitet der heute 52-Jährige in der „Academy Fahrschule Wetjen“ in Hamburg-Sasel und konnte vielen jungen Menschen zu einem Führerschein verhelfen. Im Gespräch mit MOIN.DE erzählt Oliver Selck, was ihn dazu bewegte, Fahrlehrer zu werden und was ihm im Straßenverkehr am meisten auf die Nerven geht. Und er erzählt von einer Fahrstunde, bei der er Angst um sein Leben hatte.

Hamburg: Erst bei der Bundeswehr, jetzt Fahrlehrer

Neben jungen Schülern zu sitzen, die zuvor noch nie gefahren sind und dabei die ganze Zeit konzentriert bleiben. Eine ganz schön anstrengende und gefährliche Arbeit. Aber Oliver Selck wollte das schon immer machen.

„Leider konnte ich damals bei der Bundeswehr kein Fahrlehrer werden, weil ich Marinesoldat war und es in meinem Dienst keine Fahrlehrerstellen gab. Deswegen habe ich es aufgeschoben und viele wirre Dinge in meinem Leben gemacht. Schlussendlich bin ich dann aber doch Fahrlehrer geworden“, sagt Oliver Selck.

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Besonders das Arbeiten mit jungen Menschen regte ihn dazu an, Fahrlehrer zu werden. Ihm ist es wichtig, den Schülern so viel wie möglich beizubringen und ihren Traum vom Führerschein zu erfüllen. „Das hat mich immer gereizt. Das ist auch mein Motor: das Zusammenarbeiten mit vielen verschiedenen Menschen.“

Hamburg: DAS macht den Schülern am meisten Probleme beim Fahren

Der Tag fängt bei Selck relativ früh an – meistens schon gegen 6 Uhr morgens. „Man hat bis zu zehn Fahrschüler am Tag. Dazu kommt auch noch Theorieunterricht. Aktuell findet das aber alles online statt, da wir keinen Präsenzunterricht machen dürfen. Mit 20 Fahrschülern vor dem Rechner ist das dann alles ganz anders, als man es zuvor gelernt hat“, sagt der Fahrlehrer der „Academy Fahrschule Wetjen“.

Mehrere Stunden am Tag im Straßenverkehr mit jungen Fahrschülern, die unbedingt so schnell wie möglich ihren Führerschein machen wollen. Was macht den Schülern dabei am meisten Probleme beim Fahren?

„Da sind es nicht die Fahrschüler selbst, sondern die anderen Verkehrsteilnehmer. Deren Ungeduld bereitet ihnen leider die meisten Probleme. Sobald die Ampel auf Grün schaltet, hupen schon die ersten Fahrer meine Fahrschüler an, obwohl unsere Autos alle gekennzeichnet sind – allein schon von der farblichen Markierung und mit dem Zusatzschild ,Fahrschule'. Aber es gibt dann halt leider viele Menschen, die das nicht lesen und verstehen können und der Meinung sind, sie sind mit dem Führerschein auf die Welt gekommen“, zeigt sich der Fahrlehrer verärgert.

Hamburg: Fahrlehrer erinnert sich an Horrorfahrt zurück

Doch in solchen Momenten ist Selck sehr ruhig, und das auch aus gutem Grund. Schließlich sitzt neben ihm ein noch unerfahrener Schüler, der in dem Augenblick auch noch sehr angespannt und nervös ist. „Ich muss meine Emotionen unter Kontrolle halten, damit der Fahrschüler auch ruhig bleibt. Da helfen nur beruhigende Worte. Wirkliche Emotionen führen dann zu weiteren Reaktionen.“

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Doch bei einer Fahrschülerin konnten scheinbar auch beruhigende Worte nicht helfen. Während einer Fahrstunde, bekam der Fahrlehrer Todesangst. „Sie hatte wirklich kein Gefühl fürs Fahren. Einmal sind wir am Höltigbaum in Hamburg auf die Brücke gefahren. Die Fahrstreifen sind wirklich extrem breit. Hinter uns war ein Lkw. Dort sind 60 km/h erlaubt. Sowohl sie, als auch der LKW beschleunigten in dem Augenblick“, erzählt Selck.

Auf der Spitze der Brücke sei ihnen ein Lkw entgegengekommen – auf seiner eigenen Spur. Dazwischen zwei freie Fahrspuren – also genügend Platz. „Meine Fahrschülerin sieht dann den Lkw und drückt volle Kanne auf die Bremse. Von 60 auf null. Ich hörte hinter mir nur das Quietschen der Reifen des Lkw“, erinnert sich Selck zurück, der daraufhin versucht hat, Vollgas zu geben. Doch seine Fahrschülerin ließ die Bremse nicht los.

Fahrlehrer aus Hamburg: „Hatte in dem Augenblick Angst um mein Leben“

„Sie hat nicht reagiert und war wie versteinert. Ich habe es dann doch noch schnell geschafft, Vollgas zu geben. Da wo wir gestanden haben, kam auch der Lkw zum Stehen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich erheblich in die Hose gemacht hat, der muss wirklich Panik gehabt haben. Ich hatte in dem Augenblick Angst um mein Leben.“

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Wer hätte das nicht in so einer Situation? Trotz so mancher lebensgefährlichen Fahrstunde übt Oliver Selck seine Arbeit mit Begeisterung aus: „Solange meine Schüler etwas von mir lernen, bin ich glücklich.“