Hamburg: „Säurefassmörder“ sitzt in Santa Fu – jetzt gibt es diese krasse Idee für seine Horror-Geschichte

Bea Swietczak
Seit vielen Jahren sitzt Lutz Reinstrom, auch bekannt als der „Säurefassmörder“ im Santa Fu-Gefängnis in Hamburg.
Seit vielen Jahren sitzt Lutz Reinstrom, auch bekannt als der „Säurefassmörder“ im Santa Fu-Gefängnis in Hamburg.
Foto: picture-alliance/ dpa | Jens Ressing & picture alliance / rtn - radio tele nord | rtn, peter wuest

Hamburg. Was er den Frauen angetan hat, ist unfassbar grausam. Seine Taten gehören zu den widerwärtigsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte in Hamburg.

Der gelernte Kürschner Lutz Reinstrom (72) beraubte, verschleppte, quälte und vergewaltigte Frauen, die er teils wochenlang gefangen hielt. Dann zerstückelte der Sadist ihre Leichen und löste die Teile in Säure auf.

Die Medien verliehen ihm den Namen „Säurefassmörder“. Jetzt sollen die Taten des Mannes hochkarätig verfilmt werden, wie MOIN.DE erfuhr. Geplant ist eine sechsteilige Amazon-Serie, die den Titel „German Crime Story - Gefesselt“ tragen soll. Gedreht wird Ende Juli bis Ende Oktober in Hamburg und München.

Hamburg: Oliver Masucci in der Hauptrolle

Davon fallen 23 Drehtage in der Hansestadt an. Die Hauptrolle soll von Oliver Masucci (52) verkörpert werden. Ein Charakterdarsteller, der schon in schrägen Rollen wie in „Er ist wieder da“ oder „Dark“ zu sehen war.

Für die Besetzung weiterer Rollen hat eine Münchner Casting-Agentur bereits in der Hansestadt bei Schauspielern angefragt, ob sie für so einen Film zur Verfügung stünden. Scheinbar gibt es einen Markt für das Grusel-Genre.

Das zeigte sich schon bei „Der Goldene Handschuh“. Der Film feierte 2019 Premiere und ist aktuell auf Netflix zu sehen. Er dokumentiert die bestialischen Verbrechen und die sozialen Abgründe von Kiez-Mörder Fritz Honka (†53).

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„Gefesselt“ wird von der Filmförderung Hamburg mit 350.000 Euro bezuschusst. Und darum geht es: Lutz Reinstrom lebt unauffällig mit Ehefrau und Tochter in einem gepflegten Reihenhaus am Dompfaffenweg in Rahlstedt. Freunde und Nachbarn beschreiben ihn als ruhig und sehr freundlich. Ein liebevoller Ehemann und Vater, ein guter Gastgeber, der die Geselligkeit unter Freunden schätzt.

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Hamburg: Vita und Chronologie

  • Lutz Reinstrom wurde am 29. März 1948 in Saßnitz geboren.
  • Er ist gelernter Kürschner, war verheiratet und hat eine Tochter.
  • Die Familie wohnte am Dompfaffenweg in Hamburg-Rahlstedt.
  • 1983 errichtete er auf seinem Grundstück einen unterirdischen Bunker.
  • Am 12.3.1986 verschleppte er dorthin Hildegard K. (†61), Ehefrau seines Lehrherren.
  • Er fesselte und foltere sie, tötete und zerstückelte sie nach einer Woche.
  • Am 5.10.1988 verschleppte er Annegret B. (†31), quälte sie auf dieselbe Weise und tötete sie nach vier Wochen.
  • Am 6.9.1991 entführte er Christa S. (†53), die neue Lebensgefährtin seines Ex-Chefs.
  • Am 13.9.1991 entkam sie ihrem Peiniger.
  • Am 17.9.1991 wurde Reinstrom verhaftet.
  • Die Hauptverhandlung begann am 10.1.1995 vor dem Hamburger Schwurgericht.
  • Sie dauerte in 15 Monaten 93 Verhandlungstage lang.
  • Urteilsverkündung: 22.5.1996. Lebenslange Haft, anschließende Sicherungsverwahrung.

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Hamburg: Reinstrom lockt Frauen zu sich nach Hause

Doch wenn seine Frau verreist, explodiert seine dunkle Seite. In den 80ern und 90ern machte sich Reinstrom an Frauen heran, die er bereits kennt und lockt sie zu sich nach Hause. Dort überwältigt er diese und sperrt sie oft wochenlang in einen unterirdischen Bunker hinter seinem Garten ein, den er errichtet hat.

Dort beginnt für die Opfer ein unbeschreibliches Martyrium. Zuvor räumt Reinstrom noch die Wohnungen und die Konten der Frauen leer. Bevor er sie tötet, lässt er sie Abschiedsbriefe und Postkarten an ihre Familien schreiben. Man solle nicht nach ihnen suchen, weil sie angeblich im Ausland ein neues Leben anfangen wollen.

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Einmal allerdings geht der Plan des perversen Verbrechers schief und er fliegt auf. Im September 1991 verschleppt Reinstrom Christa S. (53), die Lebensgefährtin seines ehemaligen Kürschner-Lehrmeisters, in seinen Bunker. Er fordert 300.000 D-Mark Lösegeld, fesselt sie und zeigt ihr Folterfotos einer anderen Frau. „Die hing nackt an einem Haken, die Beine weit gespreizt“, gibt sein neues Opfer später zu Protokoll.

Hamburg: Opfer flieht zur Polizei

Weil die Ehefrau von Reinstrom unerwartet von einer Reise früher nach Hause kommt, lässt er Christa S. frei. Sie flieht sofort in eine Polizeiwache.

Nach der Verhaftung Reinstroms, der damals 44 Jahre alt war, folgten Hausdurchsuchungen. Vermisstenmeldungen anderer Frauen wurden bei den Ermittlungen hinzugezogen. Dabei wurde das unfassbar grausame Ausmaß seiner Verbrechen deutlich.

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Hamburg: Medien-Schlagzeilen damals

  • „Er mordete nur, wenn seine Frau im Urlaub war“
  • „Wie viele Leichen hat er im Keller?“
  • „Sex und Salzsäure“
  • „Domina Marianne: Er winselte um Schläge“
  • „Zersägte er die Frauen im Atom-Bunker?“
  • „ Kripo spricht von Jahrhundertfall“

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Er hatte seine Folter auf Fotos und Tonbändern festgehalten, die Leichenteile in Säurefässer geworfen und die Fässer zur Vertuschung seiner Taten zum Teil einbetoniert. Auch in seinem Wochenendhaus in Basedow wurden die Beamten fündig. Ein forensischer Psychiater attestierte Lutz Reinstrom eine „sadomasochistische Fehlentwicklung und eine schwere seelische Abartigkeit“.

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Der Verbrecher hatte zwischen seinen Taten auch masochistische Auffälligkeiten gezeigt. Trotzt seiner Perversitäten sei er aber „steuerungsfähig“ gewesen. Vor dem Schwurgericht leugnete Reinstrom und sprach von einvernehmlichem Sex und Unfällen. Der Frauenmörder wurde von den Staranwälten Klaus Martini, Uwe Maeffert und Leonore Gottschalk-Solger (†80) vertreten.

Lebenslang in Hamburg

Er wurde „wegen Mordes an zwei Frauen, versuchten schweren Raubes, Freiheitsberaubung und erpresserischen Menschenraubs“ zu lebenslanger Freiheitsstrafe und wegen der „besonderen Schwere der Schuld“ mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das ist das höchste Strafmaß, das bei einem deutschen Gericht verhängt werden kann.

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Ob es womöglich noch weitere Opfer gibt, konnte nicht ermittelt werden. Kriminologen beschrieben ihn als Jahrhundertfall. Reinstrom ging als „Sadomaso-Kürschner von Rahlstedt“ in die Annalen ein. Er sitzt im Gefängnis Santa Fu. Für immer.