Hamburg: Schädlingsbefall in Flüchtlingsheim – „Die Situation ist sehr belastend“

Die Situation ist angespannt im Flüchtlingsheim Hamburg-Wandsbek.
Die Situation ist angespannt im Flüchtlingsheim Hamburg-Wandsbek.
Foto: imago images/Jürgen Ritter / privat

Nein, sie sei nicht zufrieden mit der Antwort des Senats, sagt Carola Ensslen, Abgeordnete (Die Linke) in Hamburg. Aber wann sei man schon wirklich zufrieden mit einer Antwort des Senats? Ensslen hatte eine Schriftliche Kleine Anfrage eingereicht mit dem Titel: „Befall mit Schädlingen – wie ist der aktuelle Stand in der Folgeunterkunft Walddörferstraße?“

Der aktuelle Stand lässt sich so zusammenfassen: nicht gut. Denn es gibt noch immer Kakerlaken in der Flüchtlingsunterkunft in Hamburg-Wandsbek.

Hamburg: „Angst, dass in der Schule plötzlich eine Kakerlake aus ihrem Schulranzen krabbeln könnte“

„Die Situation ist für die Bewohner sehr belastend“, sagt Axel Limberg im Gespräch mit MOIN.DE. Als Pate unterstützt er in seiner Freizeit junge Geflüchtete. Er hilft ihnen bei der Jobsuche und bei Fragen im Alltag. Limberg hat daher auch Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern der Folgeunterkunft an der Walddörferstraße und kennt deren Situation.

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„Gerade für die Kinder war es im Sommer und Herbst, als sie noch zur Schule gingen, schlimm. Sie hatten dann Angst, dass in der Schule plötzlich eine Kakerlake aus ihrem Schulranzen krabbeln könnte. Sie hatten Angst vor Stigmatisierung und Mobbing.“

Das Problem mit Schädlingen an der Walddörferstraße besteht schon länger. Das wissen auch die Regierung und der Betreiber der Unterkunft „Fördern und Wohnen“, ein Sozialunternehmen der Hansestadt. Seit November 2018 findet laut Auskunft des Senats ein Schädlingsmonitoring in den Einrichtungen von „Fördern und Wohnen“ statt.

Hamburg: 19 Fälle in einem Jahr

„Fördern und Wohnen“ hatte im Jahr 2020 Kenntnis von 19 Fällen von Schädlingsbefall in der Flüchtlingsunterkunft an der Walddörferstraße. Das geht aus der Antwort des Senats auf Carola Ensslens Anfrage hervor. In elf Fällen hat es sich demnach um Schaben und in acht Fällen um Nager gehandelt.

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Kommt es zu einem Schädlingsbefall, folgen die Betreiber der Unterkünfte einem festgelegten Verfahren. Sie ziehen dann Profis heran, die den Schädlingen den Garaus machen sollen. In 17 von 19 Fällen hat „Fördern und Wohnen“ im Jahr 2020 eine Schädlingsbekämpfungsfirma für die Unterkunft an der Walddörferstraße beauftragt. Zwei weitere Fälle seien im Rahmen der beauftragten Einsätze erledigt worden.

Bis einschließlich Ende Februar, als Ensslen ihre Anfrage eingereicht hat, ist dieses Jahr bereits in drei Fällen eine Schädlingsbekämpfungsfirma beauftragt worden. Endgültig gelöst war das Problem allerdings auch damit nicht. „Mit Stand 25. Februar 2021 ist ein Schabenbefall nicht vollständig beseitigt worden“, schreibt der Senat.

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Auch heute, einige Wochen später, sagt Axel Limberg im Gespräch mit MOIN.DE, dass die Unterkunft von Schädlingen befallen sei. Wie viele Einheiten aktuell betroffen sind, könne er nicht sagen. Aufgrund der hohen Inzidenzen und Vorsichtsmaßnahmen sei er in den vergangenen Tagen nicht mehr dort gewesen.

Hamburg: „Ein ganz großer Fehler in der Antwort des Senats“

Der Senat schreibt in seiner Antwort von einer Begehung der Unterkunft Mitte Februar, es hätten Lebensmittel auf alten Teppichen gelegen, Müll sei nicht ordentlich entsorgt worden und in der Küche hätten offene Lebensmittel gestanden. Sowohl Axel Limberg als auch Carola Ensslen betonen vehement, es sei ganz klar nicht das Verhalten der Bewohner Schuld am Schädlingsbefall, auch wenn die Antwort des Senats das suggeriere.

Carola Ensslen bemängelt, dass die Bauart der Unterkunft förderlich sei für die Schädlinge, ebenso die alten Teppiche und die beengten Verhältnisse. Sie fordert bessere Bedingungen für die Geflüchteten. Gemeinsam mit Axel Limberg kritisiert sie zudem, dass die Schuld einer Familie in die Schuhe geschoben werde. „Ein ganz großer Fehler in der Antwort des Senats ist, dass nur eine Wohneinheit betroffen sei“, sagt Axel Limberg.

Hamburg: Pate macht Vorschlag für Lösung des Problems

„Fördern und Wohnen“ äußert sich auf Anfrage von MOIN.DE nur knapp. In der Antwort des Senats stehe alles Wichtige. Was Axel Limberg freut: Das Sozialunternehmen habe seinen Umgang mit den Bewohnern geändert. Die Hilfsbereitschaft sei nun größer und der Ton freundlicher.

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Die Lösung wäre für ihn: „Die Unterkunft muss komplett gereinigt werden.“ Dass die Schädlinge immer nur punktuell bekämpft werden, sei ein Problem. „Alle Bewohner müssten für einige Wochen woanders hin, Schädlingsbekämpfer müssten die komplette Unterkunft reinigen und erst dann sollten die Bewohner zurückkehren“, so Limbergs Vorschlag.

Solange Kinder Angst haben müssen, dass Kakerlaken aus ihren Schulranzen krabbeln könnten, ist das Problem jedenfalls nicht behoben.

Der NDR hat Axel Limberg bei seinem Engagement als Pate begleitet. Die Nordreportage über den Hamburger kannst du >>> hier in der Mediathek anschauen.