Hamburg: Polizist Zeuge in Raserprozess – nach diesem Satz der Angeklagten gerät er plötzlich selbst unter Druck

Eine junge Frau ist wegen Raserei in Hamburg angeklagt. (Symbolbild)
Eine junge Frau ist wegen Raserei in Hamburg angeklagt. (Symbolbild)
Foto: imago stock&people

Hamburg. Der Vorwurf ist hart: In Hamburg soll eine junge Frau rücksichtslos durch die Innenstadt gerast sein. Dabei gefährdete sie zahlreiche andere Autofahrer.

Am Montagmorgen stand sie nun in Hamburg vor Gericht. In einer früheren Verhandlung waren ihr 60 Tagessätze Geldstrafe aufgebrummt worden. Dagegen hatte die 23-Jährige Berufung eingelegt. Denn sie beteuert ihre Unschuld!

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Hamburg: 23-Jährige vor Gericht

Die Angeklagte ist die Letzte, die zur Verhandlung erscheint. Erst als ihr Anwalt auf dem Flur nachsieht, ob sie sich vielleicht verlaufen hatte, eilt sie in den Gerichtssaal. Meryem K. ist klein, kompakt, blond - und wirkt überhaupt nicht wie jemand, der auf schnelle Autos und rücksichtsloses Verhalten abfährt. Aber das heißt natürlich nichts.

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Offen, fast treuherzig, beantwortet sie alle Fragen der Richterin. Sie fahre in der Regel immer 60 km/h, sagt sie. Und an jenem Tag im Januar sei sie am Neuen Jungfernstieg vielleicht etwas zu schnell an der Ampel angefahren, aber das sei auch alles gewesen.

Junge Frau soll durch Hamburg gerast sein

Der Vorwurf hingegen lautet, dass die 23-Jährige in der dortigen 50er-Zone teils 124 km/h gefahren sei, dazu oft waghalsig die Spur gewechselt habe, andere Verkehrsteilnehmer bedrängt und rücksichtslos überholt habe.

Meryem K. hingegen pocht auf eine Verwechslung. Sehr ernsthaft zeigt sie der Richterin auf einer Karte, wo sie langgefahren sei und wann sie - einmal - die Spur gewechselt habe. Sie berichtet, dass sie schon früh an einer Ampel gesehen habe, dass ein Polizeiwagen hinter ihr steht. Stimmt das, wäre es idiotisch, wenn sie danach trotzdem weitergerast wäre.

Hamburg: Gab es eine Verwechslung?

Dieses Polizeiauto führt später zu einem überraschenden Moment, der sogar die Richterin zum Lachen bringt. Als Zeuge wurde nämlich der Polizist aufgerufen, der die junge Frau und ihren Begleiter damals angehalten hatte. Der berichtet, dass er und seine Kollegin in einem Zivilfahrzeug unterwegs waren.

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„Und Sie wollen trotzdem erkannt haben, dass da Polizei hinter Ihnen steht?“, fragt die Richterin die Angeklagte überrascht. „Ja klar, ich kenn' ihn ja!“, antwortet die offenherzig, ohne zu zögern. „Ich hab an der Jet-Tankstelle gearbeitet, wo er und seine Kollegen vom PK 16 immer getankt haben!“

Auch der junge Polizist bestätigt, dass die Angeklagte ihm direkt bekannt vorgekommen sei.

Vermeintliche Raserin aus Hamburg und Polizist kennen sich

Der Moment ist so unerwartet witzig, dass wäre dies ein Film und kein ganz realer Prozess die Sache auf jeden Fall mit einer Romanze der beiden hätte enden müssen. Fast ist es ein bisschen traurig, dass Meryem K. den Tankstellen-Job dann nach der Kontrolle durch ihren alten Tankstellen-Kumpel, wegen der Anklage, verloren hat. Stimmen die Vorwürfe, war das aber natürlich absolut selbstverschuldet.

Und von Romantik ist auch absolut nichts zu spüren. Vielmehr missfällt dem Polizeibeamten sichtlich, dass seine Angaben derart in Frage gestellt werden. Er bittet darum, den weiteren Prozess als Zuschauer verfolgen zu dürfen.

Prozess in Hamburg: Wie soll es weitergehen?

Der Anwalt von Meryem K. scheint ähnlich ratlos, wie er mit diesem Fall umgehen soll, wie die Richterin. Einerseits scheint die Sachlage klar der Polizist gibt an, das Fahrzeug von Meryem K. ab dem Neuen Jungfernstieg bis hin zum Hauptbahnhof nicht aus den Augen verloren zu haben. Stimmt das, ist eine Verwechslung nicht möglich.

Andererseits wirkt auch die 23-Jährige durchaus glaubwürdig, wenn sie so ernsthaft von der Fahrt und der anschließenden Kontrolle („Er hat zu mir gesagt: Ich muss dir überhaupt nichts beweisen!“) berichtet.

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Der Anwalt bittet um eine kurze Unterredung allein mit der Richterin und dem Staatsanwalt. Gut zehn Minuten verhandeln die drei, dann nimmt er die 23-Jährige noch einmal kurz beiseite. Man ahnt, dass er ihr rät, die Vorwürfe zu bestätigen und auf eine Einigung zu hoffen, mit der alle leben können.

Frau aus Hamburg bleibt bei ihrer Aussage

Doch er kommt zurück in den Saal und schüttelt sacht den Kopf: Die junge Frau will nicht einknicken, sie bleibt bei ihrer Version der Geschichte. Und so wird ein weiterer Verhandlungstag angesetzt, an dem die Kollegin des Polizisten und möglichst auch der Beifahrer von Meryem K. als Zeugen geladen werden sollen.

Der habe sich allerdings geweigert, seine Adresse anzugeben und sich inzwischen in der Türkei verlobt, so der Verteidiger der Angeklagten. Die Richterin will trotzdem versuchen, ihn ausfindig zu machen. Bis dahin erkennen die vermeintliche Raserin und der gewissenhafte Polizist ja vielleicht auch, dass sie aus dramaturgischen Gründen dringend mal einen Kaffee zusammen trinken sollten.