Hamburg: Stadt lockert für Großveranstaltungen und Clubs – UKE-Arzt rät jetzt DAS

Johannes Knobloch, Leiter der Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE)
Johannes Knobloch, Leiter der Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE)
Foto: picture alliance/dpa/dpa/Pool | Axel Heimken

Hamburg lockert die Corona-Regeln. Ab dem Wochenende können in der Hansestadt Fußballstadien unter 2G-Bedingungen wieder bis zum letzten Platz besetzt werden. Auch in den Clubs dürfen Geimpfte und Genesene ab Samstag 0 Uhr wieder ohne Maske und abstandslos tanzen. Der Senat hat auch beschlossen, dass 12- bis 17-Jährige Ungeimpfte „bis auf weiteres“ an 2G-Veranstaltungen teilnehmen dürfen.

Wie sinnvoll oder bedenklich ist das aus medizinischer Sicht? MOIN.DE hat bei Johannes Knobloch, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) nachgefragt. Er ist dort auch Leiter der Krankenhaushygiene.

Hamburg: „Ein vernünftiger kleiner Schritt“

Herr Knobloch, was halten Sie von den neuen Corona-Lockerungen in Hamburg?

Es ist ein gangbarer Weg. Ein vernünftiger kleiner Schritt hin zu ein bisschen mehr Normalität, der durchaus gerechtfertigt ist. Wir bewegen uns schließlich im Bereich der Genesenen und Geimpften. Ein Superspreader-Event mit Genesenen und Geimpften ist extrem selten. Genesene und Geimpfte haben eine geringere Viruslast.

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Bei einigen großen Veranstaltungen können aber auch 12- bis 17-Jährige dabei sein, die nicht geimpft sind. Was halten Sie davon?

Wir müssen verschiedene Aspekte aufwiegen. Es geht um Sicherheit, aber auch um Gerechtigkeit. Für Kinder ist der Impfstoff noch gar nicht zugelassen, für Jugendliche erst seit Kurzem. Wir sollten ihnen trotzdem gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. Zudem haben Kinder und Jugendliche seltener einen schweren Krankheitsverlauf. Und das dürfen wir nicht vergessen: Eine Impfung kann nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützen, aber sie schützt mit hoher Wahrscheinlichkeit vor einem schweren Verlauf.

Worauf gilt es jetzt zu achten, wenn die Regeln in Hamburg gelockert werden?

Es ist jetzt wichtig, dass es keine Rückführung in die besonders vulnerablen Gruppen gibt. Das heißt: Wenn ein ungeimpfter Jugendlicher zum Beispiel im Stadion war und dann Husten hat, sollte er seine Großeltern nicht besuchen. Und es gilt, was in der Pandemie seit Anfang an gilt: Wir müssen auf Sicht fahren und die Lage im Blick behalten.

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Wann müsste die Stadt aus Ihrer Sicht mit den Lockerungen zurückrudern?

Das ist immer schwierig zu sagen. Ich würde das aber nicht nur an Inzidenzen koppeln. Die können aus verschiedenen Gründen steigen. Das muss nicht zwingend mit den neuen Lockerungen zusammenhängen, das kann auch an lokalen Ausbrüchen liegen. Es ist immer eine Frage von Wahrscheinlichkeiten. Aber die Inzidenzen im Blick zu behalten und die Lage in den Krankenhäusern ist auf jeden Fall sehr wichtig.

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