Hamburg: Vater zündete Frau und Sohn an – bei diesem Beweisstück herrscht absolute Stille im Gericht

Der Angeklagte (50) mit seinem Verteidiger im Gerichtssaal
Der Angeklagte (50) mit seinem Verteidiger im Gerichtssaal
Foto: Christian Charisius/dpa

Hamburg. Falls er Reue verspürt, sieht man das nicht. In Hamburg steht am Freitag ein Mann vor Gericht, der etwas Furchtbares getan hat. Die Frage ist bloß, ob er das einsieht.

Vor dem Landgericht Hamburg muss sich der 50-jährige Kabil E. (Name geändert) dafür verantworten, seine Ex-Frau mit einem Messer verletzt und anschließend mit Benzin übergossen und angezündet zu haben. Auch seinen 10-jährigen Sohn überschüttete er mit Benzin und zündete ihn an. Die 12-jährige Tochter brachte sich auf dem Balkon in Sicherheit. Beide Opfer überlebten schwer verletzt.

Hamburg: Mann zündete Frau und Sohn an

Jetzt sitzt er auf der Anklagebank, neben seinem Anwalt. Auf dem Kopf eine blaue Wollmütze, eingehüllt in einen viel zu dicken, dunkelgrünen Anorak. Vielleicht, weil er bei seiner Attacke selbst schwere Brandverletzungen davontrug. Vielleicht, um sich vor dem, was kommt, so gut wie möglich zu verbergen.

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Kabil E. wirkt seltsam teilnahmslos, fast apathisch, als habe das alles nichts mit ihm zu tun. Nur manchmal fährt er sich mit den Fingern durchs Gesicht. Einmal schaut er in den voll besetzten Zuschauerraum, als fände er es irgendwie unhöflich, dass seine Angelegenheit vor so vielen Augen abgehandelt wird.

Mann aus Hamburg wirkt apathisch

Es ist der erste Sitzungstag eines Prozesses, der wohl noch geraume Zeit andauern wird. Der Anwalt verkündet, dass sein Mandant sich noch nicht äußern wolle. Aber für später im Prozess sei das geplant.

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Der Richter will wissen, ob alle damit einverstanden seien, dass die Ex-Frau des Angeklagten beim nächsten Termin per Videoschalte befragt wird. Sie will E. nicht sehen, ihr Arzt warnt zudem, dass das für ihre psychische Gesundheit fatal wäre. Alle stimmen zu.

Hamburg: Die Vorwürfe sind schwer anzuhören

Dann wird die Anklage verlesen. Der sachliche Ton der Staatsanwältin steht in krassem Kontrast zu dem, was Kabil E. vorgeworfen wird. Am Tag vor der Attacke hatte seine Ex-Frau ihm gesagt, dass die Trennung für sie endgültig sei und sie sich keine Beziehung mehr vorstellen könne. Der 50-Jährige scheint daraufhin beschlossen zu haben, dass die Frau und die beiden Kinder sterben sollen.

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Als er am nächsten Tag seinen Sohn abholen wollte, drängte er seine ahnungslose Ex-Frau an der Tür plötzlich in die Wohnung zurück und stach ihr mit einem Rasiermesser in den Hals. Er ließ nur von ihr ab, weil der 10-jährige Sohn ihm schreiend in den Rücken sprang, um die Mutter zu retten.

Hamburg: Opfer überlebten schwer verletzt

Doch dann übergoss der Vater Mutter und Sohn mit Benzin und zündete sie an. Anschließend setzte er die ganze Wohnung in Brand. Auch die 12-jährige Tochter sollte sterben, doch sie hatte sich auf dem Balkon verbarrikadiert. Kabil E. versuchte, sie zurück in die Wohnung zu locken, doch glücklicherweise vergeblich.

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Offenbar wollte er sich in der brennenden Wohnung selbst töten, flüchtete aber schließlich doch mit brennendem T-Shirt auf einen anderen Balkon, wo ihn später Feuerwehr und Polizei vorfanden. Die Mutter und der kleine Sohn konnten sich selbst löschen, doch beide wurden dabei lebensgefährlich verletzt. Der Körper des Jungen war zu 26 Prozent verbrannt, der der Mutter zu 35 Prozent. Beide werden bleibende Schäden und entstellende Narben zurückbehalten.

Hamburg: Gericht spielt aufgezeichnete Notrufe ab

Dann werden mehrere Notrufe, die zur Tatzeit bei Polizei und Feuerwehr eingingen, im Gerichtssaal abgespielt. Auch der Notruf, den die 12-jährige Tochter des Angeklagten vom Balkon aus bei der Polizei tätigte. Nach diesem ist es kurz völlig still.

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Das Mädchen ist hörbar panisch, außer Atem, schreit ins Telefon. Ihr Vater sei gekommen, ruft sie, „er will uns alle umbringen!“ Sie ist schwer zu verstehen, der Polizist muss mehrmals nachfragen. Als sie merkt, was das Problem ist, holt sie tief Luft und nennt langsam, leiser und fast liebenswürdig Straße und Hausnummer, weil sie weiß, dass das jetzt wichtig ist, damit Hilfe kommen kann. Trotz all ihrer Angst.

Hamburg: Polizei ging nur von Schlägerei aus

Es ist ein bisschen bitter, dass einer der Polizisten, die zuerst vor Ort waren, später aussagt, der entsprechende Funkspruch habe daraufhin gelautet: „Schlägerei, Mann gegen Frau“.

Bei der nächsten Sitzung am Montag wird die Ex-Frau des Angeklagten dann per Videoschalte aussagen. Ob er dann Emotionen zeigen wird, bleibt abzuwarten.