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„StadtRAD Hamburg“: Die Leihfahrrad-Flotte nervt Kunden mit diesem Problem – Betreiber erklärt sich

"StadtRad Hamburg" Rödingsmarkt
Wer nur kurze Strecken fährt, ist mit dem "StadtRad Hamburg" günstig unterwegs. Foto: IMAGO / Hoch Zwei Stock/Angerer

Wohl jeder Nutzer vom „StadtRAD Hamburg“ kennt das nervigste Problem der Flotte: Von Weitem nähert man sich einer Ausleihstation und freut sich über zahlreiche rote Räder, die zu sehen sind. Kurz danach folgt allerdings die herbe Enttäuschung.

Denn nicht ein einziges „StadtRAD Hamburg“ ist ausleihbar. Genervt zieht man von dannen und geht zu Fuß, fährt mit der Bahn oder im ungünstigsten Fall sogar mit dem Auto. Was ist da los beim beliebten Bikesharing der Hansestadt?

„StadtRAD Hamburg“: Abends am Rödingsmarkt

Das „StadtRAD Hamburg“-System wird von der Deutschen Bahn betrieben. Das mag bei manch einem die Alarmglocken schrillen lassen. Ein Gedanke, der schnell aufkommt: „Ach, dann ist es ja kein Wunder“.

Wie dem aber auch sei. Es gibt Gründe, weshalb massenweise Fahrräder des Systems nicht ausleihbar sind, obwohl sie an den Ausleihstationen stehen. Und die gute Nachricht ist: Jeder kann zumindest einen kleinen Teil dazu beitragen, dass sich die Situation bessert.

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Zuletzt erwischte es mich fast am späten Abend an der U-Bahn-Station Rödingsmarkt in der Innenstadt. Um noch etwas Bewegung zu haben, entschied ich mich für das „StadtRAD Hamburg“ und gegen die U-Bahn. Acht Fahrräder standen an der Station. Da sollte doch eigentlich nichts schief gehen, oder?

Sagen wir es so: Ich hatte großes Glück. Immerhin eines der Räder war ausleihbar. Was mit den anderen sieben los war, die äußerlich in Ordnung schienen: Keine Ahnung.

StadtRAD Hamburg Rödingsmark.
Blick auf die U-Bahn-Station Rödingsmarkt. Rechts die „StadtRAD Hamburg“-Station. Foto: imago

„StadtRAD Hamburg“: Das steckt hinter dem Problem

Wissen kann das nur die Deutsche Bahn, die das „StadtRAD Hamburg“ unter dem Namen „Call a bike“ betreibt. In über 80 deutschen Städten und Kommunen stehen laut des Unternehmens 13.000 Leihräder bereit. Es funktionieren halt nur viele nicht, zumindest in der Hansestadt.

Zu den nicht-ausleihbaren Fahrrädern sagt eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Redaktion: „Hin und wieder kommt es auch bei unseren Rädern zu technischen Unwägbarkeiten. Dank Meldungen, die wir dazu von unseren Kund:innen über die StadtRAD-App erhalten, werden defekte Räder vorübergehend für eine anschließende Wartung gesperrt.“


Das ist das „StadtRAD Hamburg„:

  • Das System gibt es seit über zehn Jahren in der Stadt
  • 2019 wurde die komplette „StadtRAD Hamburg“-Flotte ausgetauscht
  • Es ist das erfolgreichste Fahrradverleihsystem in Deutschland
  • Kosten: 5 Euro Jahresgebühr
  • die ersten 30 Minuten einer Fahrt sind kostenlos
  • danach zahlen „StadtRAD Hamburg“-Kunden 10 Cent pro Minute
  • der Tagestarif (24 Stunden) für ein Rad beträgt 15 Euro
  • Auch Lastenpedelecs sind Teil des Systems

Es gebe leider auch „vereinzelt Fälle“, wo Räder in der App als verfügbar angezeigt würden, jedoch an der Station aufgrund eines Defektes nicht entliehen werden könnten.

„Das liegt dann daran, dass uns kein Schaden gemeldet wurde. Erst vor Ort wird dann ein Mangel am Rad festgestellt und anschließend repariert. Dies ist nicht nur für unsere Kund:innen ärgerlich, sondern auch für uns. Für diese Fälle können wir uns nur entschuldigen“, so die Sprecherin weiter.

Sie hat deswegen eine dringende Bitte an alle Menschen, die das „StadtRAD Hamburg“ nutzen: Nicht funktionierende Räder direkt über die App melden. Reparaturen führe man laut Deutscher Bahn „rasch durch“. Eigentlich.

„StadtRAD Hamburg“: Mehrere Fahrräder stehen am Hauptbahnhof. Gut möglich, dass viele von ihnen nicht ausleihbar sind. Foto: IMAGO / Jürgen Ritter

„StadtRAD Hamburg“: Hoher Krankenstand

Wie viele andere Bereiche auch, ist das „StadtRAD Hamburg“ nämlich derzeit „von erhöhten Krankenständen betroffen“, wie die Sprecherin zu MOIN.DE sagt. Deswegen ließen sich auch die kaputten Fahrräder aktuell nicht immer schnellstmöglich reparieren.

In den letzten Tagen habe sich die Situation jedoch wieder gebessert. Es stehen wieder mehr Räder zur Verfügung.


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30 Mitarbeiter kümmern sich in der Hansestadt um Wartung, Reparatur, Pflege und Disposition der Bikes, die in der ersten halben Stunde der Nutzung kostenlos sind.

Sechs Fahrzeuge fahren täglich zu den Ausleihen-Stationen und disponieren die Fahrräder bei Bedarf um, beheben kleine Defekte oder tauschen kaputte Räder aus. Für größere Reparaturen gibt es eine Werkstatt in Hamburg.

300 Totalschäden seit 2019

Wohl kaum einer dürfte Zweifel daran haben, dass das „StadtRad Hamburg“ eine gute Idee ist. Radfahren ist gesund, es ist umweltfreundlich und auf kurzen Strecken sogar gratis.

Warum dennoch manche Menschen meinen, die Fahrräder zu beschädigen, steht in den Sternen. Die Bikes sind robust, lassen sich bei Defekten in der Regel wieder instand setzen. Aber nicht immer.

Auf Anfrage teilt die Deutsche Bahn mit, dass sie seit Februar 2019 rund 300 Fahrräder „im Zuge von Totalschäden oder Verlust“ neu anschaffte.

Zeitweise kämpfte das „StadtRAD Hamburg“ auch mit einer geringeren Nachfrage. Die Menschen befanden sich während der Hochphasen der Corona-Pandemie im Home Office, es kamen weniger Touristen in die Stadt.

Dieses Jahr scheint es aber wieder besser zu laufen: „Mit dem diesjährigen Saisonauftakt sind wir zufrieden“, sagt die Sprecherin.