Aida: Diese Frau hat einen besonderen Job an Bord – sie wohnt wie ein Gast, darf aber verbotene Bereiche betreten

Astrid zu Stolberg lässt gerne auf Deck fünf die Seele baumeln.
Astrid zu Stolberg lässt gerne auf Deck fünf die Seele baumeln.
Foto: Astrid zu Stolberg

Für die Aida war 2020 kein gutes Jahr. Neben dem monatelangen Stillstand musst die Reederei Ende des Jahres auch noch einen Hackerangriff hinnehmen. Wann die Schiffe wieder in See stechen dürfen, ist nach wie vor unklar.

Die Aida-Mitarbeiterin Astrid zu Stolberg ist trotz der angespannten Lage erleichtert: „Wir können alle froh sein, dass so wenig passiert ist auf den Schiffen“, sagt sie. Trotzdem kann auch sie es kaum erwarten, wieder an Bord der Kussmund-Flotte zu sein.

Seit sechs Jahren an Bord der Aida

Normalerweise hält Astrid zu Stolberg an Bord Vorträge über die Länder, die auf der Reiseroute angesteuert werden. Ihre Themen reichen von Kultur über Musik bis hin zum Essen. „Ich bin relativ frei und kann erzählen, worauf ich Lust habe“, erklärt sie im Gespräch mit MOIN.DE.

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Aus Liebe zum Mittelmeer ist sie vor 26 Jahren mit ihrer Familie nach Mallorca ausgewandert. Zunächst war sie dort als Wanderführerin viel in der Natur unterwegs.

Eine Freundin, die schon lange als Edutrainerin auf der Aida gearbeitet hat, brachte Astrid auf den Gedanken, sich ebenfalls bei der Reederei zu bewerben. „Nach nur einem Tag kam die Zusage“, erinnert sie sich.

„Den besten Job überhaupt“ auf der Aida

Zuerst war sie als Edutainerin auf mehrwöchigen Fernreisen unterwegs. Dabei ging es darum, „auf unterhaltende Art und Weise etwas zu vermitteln“, erklärt sie. Damals widmete sie sich eher den Themen Gesundheit und Bewegung.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • Nach der Wende beschloss das Unternehmen, Kreuzfahrtschiffe nach amerikanischem Vorbild zu bauen
  • Damit sollte das Prinzip eines Cluburlaubs auf die Kreuzfahrtreise übertragen werden
  • 1996 ging das erste Aida-Clubschiff auf Reise, derzeit (Stand 2019) besteht die Flotte aus 14 Schiffen
  • 15.000 Menschen aus 50 Ländern arbeiten für Aida, davon 13.500 an Bord der Schiffe
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg
  • Die Schiffe fahren unter italienischer Flagge, Aida gehört zum italienischen Unternehmen Costa Crociere
  • Das Merkmal der Aida-Schiffe ist der Kussmund am Bug

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Dann schnappte sie sich, was sie als „den besten Job überhaupt auf dem Schiff“ bezeichnet und wurde Lektorin. Seitdem ist sie im westlichen Mittelmeer unterwegs. Dort, wo sie sich am wohlsten fühlt.

Wochenlang mit der Aida auf See

„Das Mittelmeer ist einfach traumhaft schön“, schwärmt sie. „Dazu muss ich gar keine langen Flugreisen auf mich nehmen.“ Im Gegenteil: Ihr Mann fährt sie mit dem Auto zum Schiff.

Dann ist sie meist sechs Wochen auf See, inklusive einem wöchentlichen Zwischenstopp Zuhause auf Mallorca. Inzwischen liegt ihr letzter Vortrag jedoch über ein Jahr zurück und die Lektorin hat die spanische Insel seit dem Lockdown nicht mehr verlassen.

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Am 15. März sind die Häfen in ganz Spanien geschlossen worden. Einen Tag, bevor Astrid zu ihrer nächsten Kreuzfahrt aufbrechen sollte, kam die Absage der Reise. Damit hatte sie bereits gerechnet. „Ich war erleichtert“, gibt sie zu. Denn im Januar und Februar kündigte sich das Drama bereits an.

Persönlicher Umgang auf der Aida

Als Lektorin hat sie einen besonderen Status an Bord: Sie darf sich in den Crew-Bereichen bewegen, wohnt aber wie ein Gast. Auch die Landausflüge darf sie begleiten. Auf manchen Touren wurde sie spontan zur Dolmetscherin.

Vor der großen Bühne hatte sie anfangs Respekt. „Aber man muss auch mal ein bisschen Mut haben“, sagt Astrid zu Stolberg. Obwohl auf den Schiffen tausende von Gästen unterwegs sind, sei der Umgang mit dem Publikum sehr persönlich und herzlich – auch abseits der Bühne.

Aida-Passagiere werden zu Freunden

„Die Passagiere können mich rund um die Uhr ansprechen und mich mit Fragen löchern“, erzählt die Lektorin. So kommt sie mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch.

Da viele Kreuzfahrt-Touristen „Wiederholungstäter“ seien, trifft immer wieder auf die selben Urlauber. „Es kennen sich unglaublich viele Leute.“ Da die meisten Gäste aufgeschlossen seien, lassen sich auch problemlos neue Kontakte knüpfen, aus denen oft Freundschaften entstehen.

Lieblingsort auf der Aida

Was ihr besonders gut gefällt: „Die Leute mischen sich wirklich“, findet sie. Auf der Aida-Flotte kämen alle Altersklassen und Menschen mit verschiedensten Hintergründen zusammen.

Wenn sie nicht auf der Bühne steht, sitzt Astrid gerne mit anderen Passagieren im Schatten an der Reling auf Deck fünf. „Dort sitzen immer Leute, die Bücher lesen oder entspannt aufs Wasser schauen“, berichtet sie. Manchmal könne man dabei sogar Delfine beobachten.

Aida-Mitarbeiterin schreibt Bücher

Ab und an darf die Lektorin auch auf die Brücke zum Kapitän, sich mit ihm unterhalten und über das Mikrofon längere Vorträge halten. Beispielsweise, wenn die Keuzer die Straße von Gibraltar passieren.

Für die Zeit, in der die Dampfer nicht zur See fahren können, hat die Wahl-Insulanerin sich einem Projekt gewidmet, das sie schon lange geplant hatte: Ihre Vorträge in Form von Reisebüchern niederschreiben.

Direkt im April hat sie mit den Arbeiten an ihrem ersten Werk begonnen. „Man musste ja auch irgendwie Geld verdienen“, lacht sie. Zwei Bücher hat sie bereits auf den Markt gebracht. „Einblicke Mallorca“ und Einblicke Italien“ sind Reisebücher über Land und Leute und Sitten und Bräuche.

Bücher zum Verkauf auf der Aida

„Durch meine Vorträge habe ich die Recherchearbeit schon erledigt“, erzählt sie. Ihr gesammeltes Wissen wollte sie schon lange in Buchform bringen, hatte aber nie genug Zeit dafür.

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Wenn die Aida-Schiffe wieder starten, wird es ihre Werke auch an Bord zu kaufen geben. Ihre nächste Reise ist für den dritten April angesetzt. Die Tour soll Richtung Portugal gehen.

Aida: „Könnte noch ewig auf der Bühne stehen“

Auch wenn Astrid zu Stolberg von Hygienekonzept der Reederei überzeugt ist, noch kann niemand sagen, ob die Reisen wie geplant stattfinden.

Trotzdem ist sie guter Dinge: „In jedem Fall bin ich schnell einsatzbereit.“ Den Job als Lektorin möchte sie noch viele Jahre machen. „Ich könnte noch ewig auf der Bühne stehen“, sagt sie.