Aida: Familie bezieht Kabine, wenige Minuten später ist der Urlaub schon wieder vorbei

Aida: In Pandemie-Zeiten sind Kreuzfahrten immer mit einem Restrisiko verbunden.
Aida: In Pandemie-Zeiten sind Kreuzfahrten immer mit einem Restrisiko verbunden.
Foto: IMAGO / Jürgen Ritter

Eigentlich war es als traumhafter Familienurlaub mit der Aida angedacht. Doch was das Schicksal dann mit dem Eltern und den zwei Kindern machte, ist einfach nur hart.

Alles begann in der Heimat der Familie, als man sich morgens um 8 Uhr auf den Weg zum ersten Corona-Schnelltest machte. Die freudige Nachricht: Negativ. Bei allen. Im Anschluss dann folgte die 4,5-stündige Fahrt zum Aida-Hafen an. „Das Auto haben wir bei Easy Parken abgestellt und der Shuttle hat perfekt geklappt“, erzählt Kai Möllmann.

Aida-Vorfreude schlägt an Bord schnell um

Am Terminal wurde der zweite Corona-Test gemacht, dann ging es an Bord auf die Kabine.

„Die Kids waren schon von den ersten Metern auf dem Schiff total begeistert“, erzählt der Urlauber. Die Vorfreude war riesig, doch dann folgte der ziemlich heftige Nackenschlag, der alles zunichte machte. Denn plötzlich klingelte das Telefon. „Man ahnt schon, was Sache ist. Wer sonst ruft an.“

Am Apparat war eine Ärztin. Und die hatte keine guten Neuigkeiten für den zweiten Corona-Test am Terminal: Die Tochter der Familie wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Alle müssten das Schiff verlassen, man werde sich nochmal melden, wie das Ganze ablaufe.

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Dazu der Urlauber: „Wir haben noch gefragt, ob nicht ein zweiter Test möglich wäre, natürlich nicht. Auf unsere Frage, warum nur unsere Tochter und sonst keiner von uns, kam die Antwort, meine Frau und ich seien ja geimpft und könnten kein Corona bekommen. Ja ne ist klar.“ Die Information stimmt natürlich nicht so ganz: Auch bei vollständig geimpften Personen besteht das Risiko eines Impfdurchbruches und einer Infektion.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • Nach der Wende beschloss das Unternehmen, Kreuzfahrtschiffe nach amerikanischem Vorbild zu bauen
  • Damit sollte das Prinzip eines Cluburlaubs auf die Kreuzfahrtreise übertragen werden
  • 1996 ging das erste Aida-Clubschiff auf Reise, derzeit (Stand 2021) besteht die Flotte aus 14 Schiffen
  • 15.000 Menschen aus 50 Ländern arbeiten für Aida, davon 13.500 an Bord der Schiffe
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg
  • Die Schiffe fahren unter italienischer Flagge, Aida gehört zum italienischen Unternehmen Costa Crociere
  • Das Merkmal der Aida-Schiffe ist der Kussmund am Bug

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Kritik an der Aida

Für die Familie bedeutete der positive Corona-Test das sofortige Ende der Urlaubsträume. „Kurze Zeit später rief die Rezeption an, man kümmert sich darum, dass wir zu unserem Auto kommen und wie alles weiter läuft“, erzählt der enttäuschte Urlauber und übt Kritik an der Aida: „Man hat uns dann wie Strafgefangene vom Schiff geholt mit gefühlt 30 Leuten. Draußen hat man uns dann durch ein Tor neben dem Gebäude raus gelassen und das wars.“

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Im Sommer berichtete bereits eine „Stern“-Redakteurin von ihrer Odyssee an Bord, nachdem sie positiv getestet wurde: „Vor mir sind zwei Security Officers gelaufen, hinter mir zwei Krankenschwestern und dahinter zwei Leute in Schutzanzügen, die hinter mir hergeputzt haben. Das war schon eine komische Erfahrung.“ (hier mehr dazu).

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Die Deutschen lieben Kreuzfahrt-Urlaub:

  • Insgesamt unternahmen im Jahr 2018 rund 2,73 Millionen deutsche Passagiere eine Kreuzfahrt. Der Großteil davon entschied sich für eine Hochseekreuzfahrt, vor allem mit Aida und Tui („Mein Schiff“).
  • Am beliebtesten sind Kreuzfahrten mit weitem Abstand bei US-Amerikanern, gefolgt von Chinesen – dann folgen die Deutschen.
  • Über 30 Prozent der weltweiten Kreuzfahrtschiffe werden in der Karibik eingesetzt, damit ist sie vor dem Mittelmeer das beliebteste Fahrtgebiet.
  • Die beliebtesten Fahrtgebiete unter den deutschen Kreuzfahrern sind Nordeuropa und das westliche Mittelmeer.
  • Der Begriff hat seinen Ursprung in dem niederländischen Wort „kruiser“ aus dem 17. Jahrhundert, der ein kreuzendes (im Sinne von hin und her fahrend) Schiff bezeichnete.
  • Dank des Kreuzfahrt-Booms der vergangenen Jahre ist Deutschland heute ein Werftenstandort von weltweitem Rang.
  • In der öffentlichen Wahrnehmung werden aber immer auch die hohen Belastungen für Mensch und Umwelt durch Kreuzfahrtschiffe betrachtet.

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Die vier Danzig-Reisenden wurden von der vorfreudigen Urlauber-Familie zu enttäuschten Ausgesetzten innerhalb von ein paar Minuten. Die restlichen Menschen draußen hätten sie angeguckt „wie der Clown im Zirkus,“ berichtet der Familienvater.

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Dank eines hilfsbereiten Security-Mannes habe man schließlich einen Shuttle zum Parkplatz rufen können und sei dann wieder vier Stunden nach Hause gefahren. Im Laufe des Abends dann kam das Aida-Testergebnis per Mail: Nicht die Tochter soll positiv auf das Coronavirus getestet worden sein, sondern der Sohn. Der erste Test am Morgen in der Heimat der Familie war also falsch-negativ.

Aida: Viele Reaktionen auf Geschichte des Mannes

Der Vorfall könnte ein Beweis dafür sein, wie richtig es ist, auch einen zweiten Test am Schiff zu machen. Dabei kann der Urlauber vollstens verstehen, dass er und seine Familie den Dampfer wegen des positiven Falles verlassen mussten. Nur mit der Art und Weise hat er seine Probleme. Er hätte sich einen „Plan B“ von Aida gewünscht, wie mit positiven Fällen umgegangen wird und dass man eben nicht mehr stundenlang nach Hause fahren müsse.

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Ungefähr 700 Reaktionen gab es auf Facebook zu dem besonderen Fall. Viele Menschen drücken ihr Beileid für den missglückten Urlaub aus. Andere weisen aber auch darauf hin, dass es eben „nur“ eine Kreuzfahrt sei und man in Pandemie-Zeiten eben ein Restrisiko habe. Viele schreiben, dass sie deswegen auch gar nicht erst zu einer Fahrt antreten würden und fühlen sich durch den Vorfall in ihrem Handeln bestätigt.

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Wer in solch eine Situation wie die Familie gerät, kann auch nicht mal eben ein Hotel buchen und dort die Zeit bis zum nächsten Tag verbringen. Denn: Auch in Hotels wird beim Einchecken ein negativer Coronatest verlangt. Es bleibt also nur die kraftraubende Rückfahrt mit dem Auto. (rg)