Aida macht in Warnemünde fest, dann gibt es Ärger – „Beuten alles in ihrer Nähe aus“

Rückansicht der „Aida prima“.
Rückansicht der „Aida prima“.
Foto: Karlheinz Schreiber

Die „Aida Prima“ macht in Warnemünde fest – für viele Fans der Flotte ein Grund zur Freude. Menschen pilgern in den Hafen, machen Fotos, freuen sich, denken an Urlaub und ferne Reisen auf dem Schiff.

Doch nicht jeder freut sich über das Festmachen eines solchen Kreuzfahrtdampfers im Hafen. Das hängt vor allem mit den Menschen zusammen, die dort wohnen. Einige von ihnen sich nicht unbedingt erfreut über den Aida-Anblick.

Aida in der Kritik

So wird auch prompt Kritik in den Sozialen Netzwerken laut. „Diese Reedereien beuten alles in ihrer Nähe aus“, meint ein Mann und verweist auf die Mitarbeiter und die Natur.

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In der Tat verdienen Beschäftigte auf Kreuzfahrtschiffen, die zum Beispiel in Asien leben, in der Regel deutlich weniger als die europäischen Arbeitskräfte. Das Gegenargument dazu lautet: Sie erhalten immer noch mehr, als sie meist in ihren Heimatländern erzielen würden und verdienen ihren Lebensunterhalt.

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Daten und Fakten zu Aida:

  • Aida ging aus der „Deutsche Seereederei“ hervor, einem volkseigenen Betrieb im Feriendienst der DDR
  • Nach der Wende beschloss das Unternehmen, Kreuzfahrtschiffe nach amerikanischem Vorbild zu bauen
  • Damit sollte das Prinzip eines Cluburlaubs auf die Kreuzfahrtreise übertragen werden
  • 1996 ging das erste Aida-Clubschiff auf Reise, derzeit (Stand 2019) besteht die Flotte aus 14 Schiffen
  • 15.000 Menschen aus 50 Ländern arbeiten für Aida, davon 13.500 an Bord der Schiffe
  • Der Firmensitz von Aida ist in Rostock, die Reederei hat ihren Sitz in Hamburg

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – in der Kreuzfahrt-Industrie gilt das nicht. So meint der Kritiker auf Facebook, dass die Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen würden, könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ausgebeutet werden.

„Nach deiner Logik müssten wir alle rauchen, weil damit viele Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen“, antwortet er einem Nutzer, der ein solches Argument vortrug.

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Ein anderer weist darauf hin, dass es nicht nur die Mitarbeiter an Bord gebe. „Es sind ja nicht nur die Schiffe, die in nicht unerheblichem Maße für Arbeit sorgen, sondern der Schiffbau mit seinen unzähligen Zulieferern.“

Aida hängt am Landstrom

Und wie sieht es mit dem Vorwurf der Umweltverschmutzung aus? Das kommt drauf an. Im vergangengen Monat ging in Warnemünde eine Landstromanlage in Betrieb, auch auf die verweisen viele Menschen und die vermeintliche Umweltfreundlichkeit.

Getestet wurde die Anlage zuletzt an der „Aida Sol“. Wird ein Schiff per Ökostrom über eine solche Anlage versorgt, ist es vorbei mit dem schwarzen Rauch aus den Schornsteinen und die Einwohner können sich freuen – eine deutliche Verbesserung. Die Anlagen sind allerdings erst noch im Kommen und selten im Einsatz.

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Aida gilt immerhin noch als so etwas wie der Branchenprimus in Sachen Umweltschutz. Bei einem Ranking des Naturschutzbundes (Nabu) erreichte die Reederei Ende 2020 den zweiten Platz. Das Urteil lautete trotzdem – wie bei allen anderen Anbietern:„Durchgefallen“.

Aida: Kritik vom Nabu

„Klimaschutz in der Kreuzschifffahrt scheint derzeit vor allem ein Lippenbekenntnis zu sein“, so das ernüchternde Fazit des Nabu damals. „Die bislang erfolgsverwöhnte Branche sollte die Zwangspause nutzen, um sich ernsthaft mit der Frage zu beschäftigen, unter welchen Vorzeichen die Kreuzfahrt eine Zukunft haben kann. Auch die Politik muss eingreifen, Umwelt- und Klimaschutzauflagen sollten zur Voraussetzung für staatliche Hilfen werden.“

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Viele Reedereien stellen neue Schiffe mit Flüssiggasantrieben in den Dienst. Das ist eine deutliche Verbesserung zum sonst geläufigen Schweröl – aber auch um Flüssiggas gibt es verschiedene Meinungen, ob dies wirklich so eine gute Klimabilanz hat. (rg)