Aminata Touré privat: Mit DIESEM Foto will die Grünen-Kandidatin auf krasse Probleme aufmerksam machen

Aminata Touré hat eine steile Karriere hingelegt. Sie ist die jüngste und erste schwarze Frau, die das Amt der Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein bekleidet.
Aminata Touré hat eine steile Karriere hingelegt. Sie ist die jüngste und erste schwarze Frau, die das Amt der Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein bekleidet.
Foto: picture alliance/dpa | Marcus Brandt

Aminata Touré (29) ist die jüngste und erste schwarze Vizepräsidentin eines Landtags in Deutschland. Sie setzt sich unter anderem für Anti-Rassismus, Gleichberechtigung und Queer-Politik ein. Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein tritt sie gemeinsam im Spitzenteam mit Monika Heinold für die Grünen an.

Der „Stern“ titelte einst nach ihrer Ernennung zur Vizepräsidentin: „Feministisch, jung und schwarz: Aminata Touré ist ein Shootingstar der Grünen“. 1991 flohen ihre Eltern von Mali nach Deutschland. Sie wuchs als Flüchtlingskind auf, spricht offen über ihre Vergangenheit und ihre Erfahrungen mit Alltagsrassismus.

Aminata Touré wuchs als Flüchtlingskind in Deutschland auf - nun kandidiert sie bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein

Im „Stern“ schilderte sie deshalb beide Seiten der Medaille und hatte eine erschreckende Geschichte parat: Als sie als kleines Kind mit ihrer älteren Schwester Süßigkeiten kaufen wollte, sei sie von einem Mann rassistisch beschimpft und bespuckt worden. Doch sofort habe ein anderer Mann mit seinem Wagen angehalten und habe sich für sie eingesetzt.

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In einem Interview mit der „taz“ sprach sie auch von den Problemen, die Asylsuchende in den 90er-Jahren in Deutschland hatten: „Man geht halt zur Schule und denkt, morgen wird der Aufenthalt verlängert oder auch nicht. Das deutsche Asylrecht ist voll krasser Widersprüche, diese Kettenduldungen sind fürchterlich. Vielleicht muss man nächste Woche zurück in ein Land, das man nie gesehen hat. Vielleicht ist bald nicht mehr dein Zuhause, was du als Zuhause kennst. Wir hatten permanent Angst. Das prägt.“

Damit es die Kinder von Geflüchteten heute leichter haben und ihnen die Integration in Deutschland besser gelingt, setzt sich Aminata Touré offen für die Rechte ein. 2020 zeigte sie anlässlich des Weltmädchentages am 11. Oktober bei Instagram ein Foto von sich als kleines Mädchen. Lächelnd steht sie auf dem Schulweg und strahlt in die Kamera.

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Aminata Touré privat:

  • Aminata Touré wurde am 15. November 1992 in Neumünster geboren
  • Ihre Eltern sind 1991 aus Mali geflohen
  • In den ersten Jahren lebte sie mit ihren Eltern in einer Gemeinschaftsunterkunft in Neumünster-Faldera
  • Touré hat Politikwissenschaft und Französische Philologie in Kiel studiert
  • 2012 wurde sie Sprecherin der Grünen Jugend in Kiel
  • Am 29. Juni 2017 kam sie für die Grünen in den Landtag
  • Sie ist Sprecherin für Migration und Flucht, Antirassismus, Frauen und Gleichstellung, Queerpolitik, Religion sowie Katastrophenschutz & Rettungsdienst.
  • Seit dem 28. August 2019 ist sie außerdem Vizepräsidentin des Landtags in Schleswig-Holstein
  • Sie ist seit 2018 mit dem Grünen Joschka Touré, Pressesprecher des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums, verheiratet

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Die 29-jährige Autorin („Wir können mehr sein: Die Macht der Vielfalt, 2021) schrieb dazu: „Das bin ich kurz vor meiner Einschulung. Ich trag ganz stolz die Emilflasche meiner großen Schwester. An dem Tag haben meine Mama und ich meine große Schwester zur Schule gebracht. Ich wollte immer gerne in die Schule, da meine große Schwester und ich damals als Kinder von Asylsuchenden nicht in den Kindergarten gehen konnten.“

Aminata Touré: „Für die Rechte von Mädchen einstehen“

Und weiter: „Das ist heute zum Glück anders in Deutschland. Aber so viele Mädchen wachsen unter den schwierigsten Bedingungen auf. Ihnen wird das Recht auf Lernen und in die Schule gehen genommen. Sie sind unter unmenschlichsten Bedingungen auf der Flucht. Nicht nur heute am Internationalen Weltmädchentag ist es wichtig darauf aufmerksam zu machen, sondern immer und überall für die Rechte von Mädchen einzustehen.“

In der Tat wurden 1992 zunächst die UN-Kinderrechte ratifiziert, da die Bundesregierung laut Diakonie damals den Flüchtlingskindern nicht dieselben Rechte wie deutschen Kindern zugestehen wollte.

Heutzutage garantiert die UN-Kinderrechtskonvention im Artikel 22 geflüchteten Kindern „angemessenen Schutz und humanitäre Hilfe bei der Wahrnehmung der Rechte“. Der „Mediendienst Integration“ hat im März 2020 angegeben, dass 21 Prozent der unter dreijährigen Kinder mit Migrationshintergrund eine Kita besuchten. Zum Vergleich: 43 Prozent der Kinder ohne Migrationshintergrund nahmen solch einen Platz in Anspruch.

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81 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund sind im Alter zwischen drei und sechs Jahren in der Kita. Nahezu alle Kinder (99 Prozent) ohne Mitgrationshintergrund gehen in dem Alter ebenfalls in die Kindertagesstätte.

Aminata Touré tritt selbstbewusst auf. Deshalb wundert es auch nicht, dass sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschlands (RND) im aktuellen Wahlkampf sagte: „Wir wollen natürlich stärkste Kraft werden.“ Wird die 29-Jährige gemeinsam mit Monika Heinold die meisten Stimmen verbuchen und somit Daniel Günther (CDU) als Ministerpräsidenten abzulösen?

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Am 8. Mai 2022 wird das Ergebnis dann klar sein. Denn dann wird in dem norddeutschen Bundesland die Landtagswahl statt. (js)