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Borkum: Mann entdeckte Sensation auf der Insel – jeder andere hätte sie übersehen

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In der Nähe des Nordstrandes auf Borkum machte Jens Hermann Stuke aus Ostfriesland eine spektakuläre Entdeckung. Foto: imago images/Nordphoto & privat

„Es war Intuition“, sagt Jens Hermann Stuke gut vier Jahre, nachdem er auf Borkum eine spektakulären Fund gemacht hat. Dabei ist seine Entdeckung so winzig, dass man sie mit dem bloßen Auge kaum erkennen kann.

Trotzdem hatte der aus Leer stammende Lehrer das richtige Gefühl. Was er auf Borkum fand, hat zuvor noch kein anderer Mensch entdeckt: Eine völlig neue Fliegenart. Gerade einmal 1,4 Millimeter miss das Insekt.

Borkum: Schwieriges Forschungsgebiet

Mit den Uferfliegen beschäftigt Stuke sich schon seit rund 15 Jahren. „Eine relativ vielgestaltige und artenreiche Familie“, erklärt er im Gespräch mit MOIN.DE. Allerdings seien die Tiere auch ein kompliziertes Forschungsgebiet. Sie sind sehr klein, unauffällig und bisher wenig untersucht worden.

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Doch genau das wiederum macht für den Biologen den Reiz aus. Als er sich mit der Fliegenfamilie beschäftige, waren aus Niedersachsen und Bremen gerade einmal 40 Arten bekannt, inzwischen sind es mehr als 160 – auch dank Stuke selbst. Wenn er zum Forschen loszieht, mustert er oft mehrere hundert Tiere durch.

Das tut er mit einem Kescher. „Sehr viele von den Fliegen sind so klein, dass man sie gar nicht erkennt“, erzählt der Lehrer. Bei seiner Ausbeute entscheidet er sich für ein paar Tiere, betäubt sie und betrachtet sie bereits am Fundort unter der Lupe.

Fund von Borkum erst nach Monaten untersucht

„Zuhause wird dann präpariert, was ungewöhnlich oder besonders aussieht“, sagt Stuke. Da diese Arbeit viel Zeit in Anspruch nimmt, vergehen oft Monate oder Jahre, bis der Biologe seine Entdeckungen näher analysiert hat.

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Das ist Borkum:

  • Borkum ist die westlichste und mit knapp 31 Quadratkilometern größte der ostfriesischen Inseln.
  • Teile der Insel und das angrenzende Watt gehören zum Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.
  • Die Insel ist gleichzeitig die Fläche der Stadt Borkum, die als staatlich anerkanntes Nordseeheilbad über diverse Kureinrichtungen verfügt.
  • Die Insel lebt vom Tourismus.
  • Im Jahr 2018 kamen 311.786 Urlauber, es wurden 2.565.570 Übernachtungen gezählt.
  • Durchschnittlich verbrachten die Gäste 8,23 Tage auf der Insel.

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„Fliegen sind sehr viel aufwändiger zu bestimmten als andere Insektenarten“, erklärt er. Über die Tiere sei eher weniger bekannt und im Gegensatz zu Schmetterlingen beispielsweise existieren für Fliegen kaum Abbildungen, sondern lediglich Beschreibungen.

Fliege von Borkum hat ungewöhnliche Form

So auch im Fall der Hyadina borkumensis, der neuen Fliegenart von Borkum. Erst über ein Jahr, nachdem er das Tier an der Küste gesammelt hatte, betrachtete er es erstmals unter dem Mikroskop.

Trotz der winzigen Größe seien ihm wahrscheinlich schon auf der Nordsee-Insel ein paar außergewöhnliche Merkmale der Fliege in Auge gesprungen. „Durch die umgeklappten Flügel hat sie eine merkwürdige Form“, berichtet der Lehrer. Dies sei auch der Grund, warum das Tier nicht besonders gut fliegen könne.

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„Sie bewegt sich auf eine besondere Art und sieht deshalb auf den ersten Blick eher wie ein Käfer aus“, beschreibt Stuke. Da der Experte die meisten europäischen Uferfliegenarten kennt, konnte er sofort ausschließen, dass es sich um eine bekannte Art handelt.

Insekt aus Borkum ist eine Herausforderung

„Dann musste man noch klären, ob es sich vielleicht um eine Art aus Amerika oder Asien handelt, die lange Zeit übersehen wurde“, erinnert sich der Leeraner. Dagegen spricht jedoch, dass das Insekt sich aufgrund der umgeklappten Flügel nicht besonders gut hätte ausbreiten können.

Die Fliege von Borkum überhaupt einzuordnen, war eine Herausforderung. „Weil sie so ungewöhnlich ist“, erklärt Stuke. „Bis jetzt ist noch fraglich, ob sie der richtigen Gattung zugordnet wurde oder sogar eine neue Gattung für die Art eingeführt werden muss.“

Bei seinem Fund handele es sich zudem um ein Weibchen, denen einige wichtige Bestimmungsmerkmale fehlen, die bei einem Männchen der gleichen Art vorhanden wären. Klar ist jedoch, dass es sich bei der Hyadina borkumensis um eine neue Art handelt.

Die von Borkum stammende Uferfliege

Der erste Teil ihres Namens beschreibt die Gattung, in die sie trotz offener Fragen erst einmal eingeordnet wurde. Den zweiten Teil des Namens durfte Stuke als Entdecker selbst festlegen. Er entschied sich für den Fundort. Zu Deutsch bedeutet der Name ungefähr „die von Borkum stammende Uferfliege“.

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Als er das Insekt gefunden hatte, war er gerade im Familienurlaub auf der Nordsee-Insel. Dort würde er auch gerne öfter forschen, „aber das Problem sind kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten“, sagt der Lehrer.

Forschung auf Borkum nur eingeschränkt möglich

Die Jahreszeiten für die Feldarbeit – Frühling und Sommer – fallen mit der Urlaubszeit zusammen, weshalb die Unterkünfte oft schon Monate zuvor ausgebucht sind. „Das schränkt leider etwas sein“, bedauert er. „Aber ich würde auch überall anders gerne mehr forschen“, lacht er.

Von circa 8.000 bis 10.000 Fliegenarten in Niedersachsen ist bisher nur knapp die Hälfte beschrieben worden. Im Mai hat der Ostfriese an der Leybucht noch eine weitere, unbeschriebene Art entdeckt. „Das war der spektakulärste Fund in diesem Jahr“, erzählt er.

Ansonsten hat er die vergangenen Monate „viele kleine schwarze Fliegen eingesammelt, in die ich viel Zeit investieren muss“, sagt er. Bis er sie vollständig untersucht hat, könnten laut dem Experten mehrere Jahre vergehen.

Vielleicht hat er also schon wieder einen Sensationsfund bei sich zuhause schlummern, der nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Weniger schöne Funde hingegen machen Urlauber immer wieder auf Rügen. Was dort im Sand verborgen ist, kann sogar richtig gefährlich werden. >>> Hier kannst du mehr darüber erfahren.