Camping: Mann hat genug von Wildcampern und geht deshalb diesen Schritt – „War schon was los“

Zelte stehen an einem Strand.
Zelte stehen an einem Strand.
Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Bernd Wüstneck

Aktuell erlebt Deutschland mit der Corona-Pandemie einen neuen Camping-Aufschwung. Urlauber aus dem ganzen Land zieht es auf Stellplätze an Stränden, Bergen und Seen. Die Wohnmobilpreise steigen und viele Anlagen sind Monate im Voraus ausgebucht.

Doch es ist nicht der erste Boom, der die Camping-Branche ordentlich auf den Kopf stellt. In den 1960ern entsteht ein großer Hype um fahrbare und faltbare Unterkünfte. Hotels und Pensionen waren vielen Menschen damals zu teuer. Die Industrie reagierte und fertigte etwa mit dem VW T1 spezielle Reisemobile. Auch Zelte, Geschirr und anderes Zubehör entstanden in Massenproduktion.

Camping: Wildcamper zelten an der Nordsee-Küste

Die ersten großen Campingplätze für Urlauber schossen aus dem Boden. Doch vielerorts mangelte es noch an Anlagen. So auch in Sahlenburg an der Nordsee. Hier machten sich deshalb viele Wildcamper sich an den Küsten breit.

+++ Camping: Familie ist fast am Platz angekommen – dann werden ihre Urlaubsträume zunichte gemacht +++

1956 wurde der Campingplatz Finck eröffnet. Er zählt damit zu einem der ersten an der deutschen Nordsee-Küste. Die Familie Finck führt den Platz heute bereits in der vierten Generation, wie der NDR in „Nordseereport“ berichtet.

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Camping-Urlaub angesagt wie nie – das steckt dahinter:

  • Der Begriff Camping umfasst eine sehr breite Spanne von Aktivitäten. Ihnen allen ist gemeinsam, nicht in Gebäuden zu übernachten, sondern in der Natur.
  • Die Urlauber schlafen in Zelten, Hängematten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans. Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten.
  • Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform.
  • In den meisten Ländern Europas ist Camping außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen (wildes Campen) nicht erlaubt oder nur unter strengen Auflagen gestattet.
  • Über zehn Millionen Deutsche betreiben ab und zu Camping oder Caraving, fast zwei Millionen sogar häufig.
  • 2020 gab es in Deutschland 2.862 Campingplätze mit einer Anzahl von etwa 209.000 Stellplätzen.
  • Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden auf deutschen Campingplätzen etwa 34 Millionen Übernachtungen gezählt.

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„Wir haben eine Landwirtschaft gehabt und mein Vater hat das hier angefangen, weil immer Menschen wild gezeltet haben. Da haben wir uns gedacht, dass wir das selbst machen. So sind wir hier reingerutscht“, erzählt der Sohn des Gründers.

„Das war zuerst nicht ganz so einfach mit so viel Leutchen“, beschreibt er dem NDR weiter. Schon damals kamen viele Camping-Freunde regelmäßig an die Nordsee. Auch wenn es das Dauercamping damals noch nicht gegeben hat, sind viele Urlauber dem Platz treu geblieben.

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Wildcampen in Deutschland: Erlaubt? Verboten?

  • Die rechtliche Lage rund ums Wildcampen ist in Deutschland unübersichtlich. Je nach Bundesland unterscheiden sich die Gesetze und Richtlinien.
  • In Paragraph 59 des Bundesnaturschutzgesetzes ist geregelt, dass „das Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen zum Zweck der Erholung“ allen gestattet ist.
  • Das Betreten des Waldes richtet sich wiederum nach dem Bundeswaldgesetz. Dort ist einheitlich geregelt, dass laut Paragraph 14 „das Betreten des Waldes zum Zwecke der Erholung“ gestattet ist – die Länder regeln aber die Einzelheiten.
  • Darunter fällt dann auch das Zelten und Übernachten außerhalb von ausgewiesenen Campingplätzen.
  • Naturschutzgebiete, Naturreservoirs, Nationalparks und Landschaftsschutzgebiete haben eine Ausnahmestellung. In der Regel ist Wildcampen in solchen Gebieten strikt verboten.
  • Wird dagegen verstoßen, drohen hohe Bußgelder.

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Camping: „Dann war hier richtig Theater“

„Wenn die Ferien losgingen, dann waren wir proppevoll. Dann war hier richtig Theater mit vielen jungen Leuten und ein bisschen Stimmung. Mein Vater und ich sind mit dem Hund rumgegangen, dann ging das noch einigermaßen. Aber es war schon was los“, erinnert sich der Sohn des Gründers an die alten Zeiten.

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Auch die Dauercamperin Helga Grieshaber fühlt sich mit dem Campingplatz der Familie Finck tief verbunden. Als sie 1967 das erste Mal Urlaub hier machte, fällte sie sogleich eine krasse Entscheidung. >> Hier erfährst du, welchen Schritt sie ging. (mik)