Flensburg: Menschen leben in schrecklichen Verhältnissen – die Reaktion ihres Vermieter macht sprachlos

Mandy P. lebt in Flensburg in einem Baucontainer.
Mandy P. lebt in Flensburg in einem Baucontainer.
Foto: NDR Screenshot/IMAGO/Willi Schewski

Die 27-Jährige Mandy P. lebte anderthalb Jahre auf der Straße. Der Baucontainer am Rand der Innenstand von Flensburg kam ihr wie eine Rettung vor.

Der NDR hat über die maroden Wohnverhältnisse von Mandy P. und anderen Menschen in Flensburg berichtet. Der Vermieter sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt.

Flensburg: Eingeschlagenes Fenster und eine beschädigte Tür

Wie in dem Beitrag zu sehen ist, hat der Baucontainer, in dem Mandy P. lebt, ein eingeschlagenes Fenster und eine beschädigte Tür. 325 Euro warm ohne fließend Wasser zahlt sie pro Monat dafür.

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Die Miete wird vom örtlichen Jobcenter direkt an den Vermieter überwiesen, was so üblich ist. Das Jobcenter könne nichts unternehmen, wird eine Sprecherin zitiert. Da es kein Mietvertragspartner sei, „kann aufgrund der Selbstbestimmung der Mieterinnen und Mieter keine aktive Einflussnahme in das betroffene Mietverhältnis erfolgen.“

Der NDR stellt auch Sven W. vor, der in dem Haus neben dem Container lebt: Fast zehn Jahre hat er auf der Straße gelebt und sich aus der Drogensucht befreit. Sein Zimmer sei vielleicht 17 Quadratmeter groß mit Stockflecken an der Decke und so dunkel, als wäre es im Keller, heißt es in dem Beitrag. Sven W. zahlt demnach 400 Euro warm für sein Zimmer.

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Das ist Flensburg:

  • Die kreisfreie Stadt Flensburg ist nach Kiel und Lübeck die drittgrößte Stadt im Bundesland Schleswig-Holstein
  • Flensburg liegt am Ende der Flensburger Förde, dem westlichsten Punkt der Ostsee, und an der nördlichen Grenze der Halbinsel Angeln
  • Die Hafenstadt gliedert sich in 13 Stadtteile und 38 statistische Bezirke
  • In Flensburg leben rund 90.000 Einwohner (Stand: Dezember 2019)
  • Die Stadt liegt direkt an der dänischen Grenze und galt lange Zeit als Zentrum der dänischen Minderheit. Heute leben rund 2.300 Dänen in Flensburg (Stand: Dezember 2019)
  • Bundesweit bekannt ist die Stadt vor allem durch die vom Kraftfahrt-Bundesamt gespeicherten „Punkte in Flensburg“

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„Als ich gesehen habe, wie diese Menschen leben müssen, habe ich mich geschämt“, sagt Loretta Parzentny, die sich ehrenamtlich im Verein „Helferherz“ für obdachlose Menschen organisiert, dem NDR. Und Florian Matz, der Vorsitzende des Mietervereins Flensburg, wird mit den Worten zitiert: „Ich empfinde diese Wohnungen als menschenunwürdig.“

Aber was der Vermieter macht, ist nicht illegal. Die Stadt Flensburg könne nur eingreifen, wenn durch die Wohnung Gefahr für Leib und Leben ausgehen, wird ein Sprecher zitiert.

Flensburg: Der Vermieter sieht das ganz anders

Konfrontiert mit all dem sagt Vermieter Johannes S.: „Alles, was zur Funktion notwendig ist, ist in Ordnung.“ Mehr wolle er nicht machen, das lohne sich einfach nicht. „Weil das zum Teil Vandalen sind. Die wissen nicht, wie man wohnt.“ Wer die zum Teil Jahre alten Schäden verursacht hat, könne er allerdings nicht sagen.

Menschenunwürdig seien seine Zimmer nicht. Ehemals obdachlose Menschen hätten andere Ansprüche zu haben als andere Mieter.

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Das Mietverhältnis mit Mandy P. und Sven W. hat der Vermieter nach ihren Beschwerden als „unmöglich“ angesehen. Er hat ihnen gekündigt. Die beiden haben sich mithilfe von „Helferherz“ und dem Mieterverein gewehrt und können jetzt so lange in den Notwohnungen bleiben, bis sie etwas anderes gefunden haben.

Sven W. hatte Erfolg: Er kann schon bald in eine Sozialwohnung ziehen. (kbm)