Kiel: Hunderte Menschen stehen vor dem Nichts – aber ans Aufgeben denkt niemand

Die IG Metall hatte zur einer Solidaritätsdemo für Beschäftigte des Unternehmens Caterpillar-Motoren aufgerufen (Archivbild).
Die IG Metall hatte zur einer Solidaritätsdemo für Beschäftigte des Unternehmens Caterpillar-Motoren aufgerufen (Archivbild).
Foto: picture alliance/dpa | Frank Molter

In Kiel bangen viele Menschen um ihre Jobs. Ganze Existenzen stehen dabei auf dem Spiel.

Das Ringen um hunderte Industrie-Arbeitsplätze in Kiel geht auch Monate nach der Verkündung von Abbauplänen des amerikanischen Motorenbauers Caterpillar weiter.

Kiel: Von 950 Arbeitsplätzen würden etwa 200 übrig bleiben

Am Montag kamen Spitzenvertreter des Wirtschaftsministeriums, der Landeshauptstadt, der IG Metall und von Betriebsräten mit Mitgliedern der deutschen Caterpillar-Geschäftsleitung zusammen.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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Alle Beteiligten hätten im Kern das gleiche Ziel, erklärte Staatssekretär Thilo Rohlfs nach dem anderthalbstündigen Treffen. „Nämlich möglichst viele Aufgaben und damit Arbeitsplätze in der Gießerei und dem Motorenbau in Kiel sowie im Bereich der Logistik in Henstedt-Ulzburg zu erhalten.“

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Caterpillar hatte im Sommer angekündigt, die Produktion von Schiffsmotoren in Kiel einzustellen und das Geschäft ausschließlich auf sogenannte Aftermarket-Dienstleistungen zu fokussieren.

Demnach würden von nahezu 950 Arbeitsplätzen des Konzerns in Kiel, Rostock und Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) etwa 200 in Kiel übrig bleiben.

Kiel: „Nun geht es darum, die gemeinsamen Ziele umzusetzen“

Wirtschaftsstaatssekretär Rohlfs erklärte am Montag, Betriebsleitung und Arbeitnehmervertreter seien bisher noch nicht ins Gespräch gekommen.

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Nachdem es von beiden Seiten zuletzt positive Signale gegeben habe, sei die Zeit für ein erstes Gespräch reif gewesen. Daran nahmen auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) und die IG-Metall-Generalbevollmächtigte Stephanie Schmoliner teil.

„Nun geht es darum, die gemeinsamen Ziele umzusetzen und dafür Lösungen zu entwickeln“, sagte Rohlfs. „Betriebsleitung und Arbeitnehmervertreter werden sich hierzu auch direkt miteinander austauschen.“

Weitere Gespräche seien auch für potenzielle Investoren wichtig, die Betriebsteile übernehmen könnten, sagte Rohlfs. Das Land und die Stadt Kiel seien bereit, dabei zu helfen und Türen zu öffnen.

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Ende September hatte Caterpillar bekundet, der Konzern halte an seinen Plänen fest. Demnach würde der Standort Kiel bis Ende 2022 komplett vom Motorenbau auf Dienstleistungen umgestellt. (dpa mit kbm)