Kiel: Autofahrer reiben sich die Augen, was diese Tankstelle ihnen anbietet – „Ja cool. Was auch immer das ist“

Was auf der Anzeigetafel einer Tankstelle in Kiel zu sehen ist, überrascht die Menschen (Symbolbild).
Was auf der Anzeigetafel einer Tankstelle in Kiel zu sehen ist, überrascht die Menschen (Symbolbild).
Foto: IMAGO penofoto / Future Image

Schon in diesen Tagen und vor allem dann im nächsten Jahr reibt sich so mancher Autofahrer in der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, Kiel, verwundert die Augen. Denn dort gibt es etwas komplett Neues im Angebot. Das ist bereits jetzt von einer Straße aus zu sehen.

Die Team Tankstelle in Kiel-Kronshagen an der Eckernförder Straße 207 hat eine neue Benzinpreis-Anzeigetafel bekommen. Sie weist auf einen neuen „Stoff“ hin, der sich bald tanken lässt: E-Fuels. Eine relativ neue Erfindung, die das Leben nachhaltiger machen soll – aber dennoch kritisch betrachtet werden muss.

Kiel: Erste E-Fuel-Tankstelle, aber was ist das?

„Und da ist sie. Die erste Tankstelle, an deren Tafel eFuel steht!“, schreibt die Initiative „E-Fuels Now“ erfreut in einem Beitrag.

„Ab Anfang 2022 wird es in Kiel möglich sein, Dieselkraftstoff mit einer Beimischung von synthetischem Kraftstoff, dem sogenannten E-Fuel, zu tanken. E-Fuels sind komplett klimaneutral und in der bestehenden Infrastruktur der Tankstellen und Fahrzeuge nutzbar.“

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Das klingt erst einmal sehr gut, doch wie so oft bei neuen „grünen“ Produkten muss sich die Sache natürlich genauer angeschaut werden. Was bedeutet das Ganze überhaupt genau?

E-Fuels sind synthetische Kraftstoffe, die aus Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) gewonnen werden. Produziert man den Wasserstoff dabei per Elektrolyse aus regenerativem Strom (Wind, Solar etc.), lassen sich im Endeffekt klimaneutrale E-Fuels herstellen.

Kiel: Neue Technik mit großen Tücken

Das ist allerdings ein Prozess mit hohem Aufwand und kostet entsprechend, der Wirkungsverlust ist zudem hoch. Von der regenerativen Energie, die man am Anfang einsetzt, bleibt am Ende nur noch wenig übrig. Bedeutet: Es wird seeehr viel regenerative Energie benötigt, um viel synthetischen Kraftstoff zu produzieren.

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Das ist Kiel:

  • Kiel ist Landeshauptstadt und auch bevölkerungsreichste Stadt von Schleswig-Holstein
  • Hier leben rund 246.300 Menschen
  • Die Stadt ist ein bedeutender Stützpunkt der Marine
  • Kiel ist bekannt für den Handballverein THW Kiel und den Fußballclub Holstein Kiel
  • Jährlich lockt die Kieler Woche viele Besucher an

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Der ADAC stellt deswegen die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Möglicherweise ist die Herstellung von E-Fuels nur aus „zu viel“ produziertem Strom sinnvoll, der ohnehin übrig ist.

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Was auch beachtet werden muss: E-Fuels lassen sich zwar unter hohem Aufwand zum Beispiel mit viel Windenergie klimaneutral herstellen – am Auspuff werden mit den synthetischen Kraftstoffen aber trotzdem noch CO2-Emissionen freigesetzt. Es ist nicht so, dass jeder bald E-Fuels tankt (sofern man ein Auto hat, dessen Motor das verkraftet) und dann komplett „grün“ unterwegs ist.

Der synthetische Kraftstoff an der Team-Tankstelle in Kiel ist „nur“ dem normalen Kraftstoff beigemischt. „Reine E-Fuels gibt es momentan noch nicht zu kaufen“, heißt es von der Firma. Die Formel 1 will ab 2023 nur noch mit hundertprozentigen E-Fuels fahren.

Kiel: Einwohner neugierig

Das Unternehmen teilt noch einen weiteren positiven Aspekt mit: „E-Fuels können in den meisten Fahrzeugen mit Benzin- oder Dieselmotor eingesetzt werden und tragen dazu bei, die Laufruhe und den Rußausstoß zu verbessern.“ Eine weitere E-Fuel-Tankstelle soll in Flensburg-Peelwatt entstehen.

Nach aktuellem Stand können E-Fuels definitiv eine Verbesserung zu herkömmlich produzierten Kraftstoffen und ein Schritt in eine saubere Zukunft sein – aber längst nicht der ganz große Wurf hin zu einem emissionsfreien Antrieb.

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Dort ist aktuell noch der größte Hoffnungsträger das E-Auto. Denn bei diesem kann der regenerative grüne Strom direkt in den Wagen getankt und losgefahren werden – ohne die verlustreiche Umwandlung in Wasserstoff und Produktion von E-Fuels. Der Wirkungsgrad ist somit beim E-Auto viel höher und der Betrieb effizienter. Dafür ist die Produktion der Batterien leider alles andere als umweltfreundlich.

Kieler überrumpelt

Die Kieler in den Sozialen Netzwerken sind teilweise überrumpelt von der E-Fuels-Idee und machen sich vor allem Gedanken um die Kosten des neuen Krafstoffes. „Bin mal auf den Preis gespannt“, schreibt ein Mann. „Ja cool. Was auch immer das ist, aber wir werden uns mal schlau machen“, meint ein anderer.

Übrigens: Auch die Schifffahrt sucht nach umweltfreundlicheren Antriebsmöglichkeiten. E-Fuels sind dort auch im Gespräch. Vorerst setzen die meisten Reedereien in den nächsten Jahren auf herkömmliches Flüssiggas, was allerdings sowohl in der Produktion als auch im Antrieb der Dampfer immer noch mit relativ viel CO2 daherkommt. Um Flüssiggas umweltfreundlicher zu machen, wird auch mit synthetischem Flüssiggas geforscht. (rg)