Lübeck: Höchste Inzidenz in Schleswig-Holstein, Bürgermeister mit drastischer Ansage – „Noch nie erlebt“

Bürgermeister Jan Lindenau findet dramatische Worte zur Situation in Lübeck.
Bürgermeister Jan Lindenau findet dramatische Worte zur Situation in Lübeck.
Foto: imago images/penofoto

Zuletzt lag Lübeck mit einer Zahlvon 1009,5 auf dem vierten Platz, wenn es um die Corona-Inzidenz in ganz Deutschland ging. Nur Bremen und die Berliner Bezirke Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln befanden sich davor.

Auch in Schleswig-Holstein hatte Lübeck damit die höchste Inzidenz. Zwar ist die Zahl inzwischen wieder auf 896,0 gesunken. Dennoch stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte?

Lübeck: Deswegen ist die Lage hier so schlimm

Die „Welt“ hat beim Bürgermeister nachgefragt. „Wir sind ein Bundesland, das als erstes die Welle abbekommen hat. Der Omikron-Virus ist aus Skandinavien zu uns rübergekommen“, sagt Jan Lindenau (SPD). Damit habe man im Norden eine Situation, die man so noch nie erlebt habe.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Bereits vor einer Woche meldete sich der Bürgermeister mit einem „dringenden Appell“ an die Bevölkerung. „Die Lage ist ernst“, sagte er bei einer Inzidenz von etwa 700 und bat um Einhaltung der Hygieneregeln und Impfungen.

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Was das Infektionsgeschehen in Schleswig-Holstein insgesamt beförderte, waren reihenweise Ausbrüche in Clubs und Discotheken um die Weihnachtszeit. Auch das berühmte A1 in Lübeck war davon betroffen.

Lübeck

Jan Lindenau sieht in dem Ganzen einen Knackpunkt: „Wir haben zu spät zentrale Einrichtungen geschlossen“, so der Bürgermeister. Seine Aussage ist als Seitenhieb gegen die Landesregierung zu verstehen, die in Deutschland quasi einen Alleingang vollführte und die Discos um die Weihnachtszeit offen ließ statt sie zu schließen.

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Lübeck-Bürgermeister zu Schulen: „Gefährlich“

Auch zu den Schulen hat Jan Lindenau gegenüber der „Welt“ eine klare Meinung. Deren flächendeckende Öffnung halte er für „gefährlich“. Man müsse sich entscheiden, ob man eine Durchseuchung unter jungen Leuten möchte oder ob man sie schützen wolle.

70 Prozent der Erwachsenen sind in der Hansestadt mittlerweile geboostert – und müssen sich um die 2G-Plus-Regelung keine Sorgen machen. Im Raum Lübeck kann man wegen der Nähe zu Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern schon mal mit den Regeln durcheinander kommen, überall wird anders vorgegangen.

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Am Freitag waren in Schleswig-Holstein 3.409 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden – das waren weniger als am Vortag und auch als genau eine Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank auf 658,4 Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. wie aus den Daten der Landesmeldestelle hervorgeht. Am Vortag hatte sie bei 664,3 gelegen.

Lübeck Jan Lindenau

Die für Corona-Maßnahmen wichtige Hospitalisierungsinzidenz – die angibt, wie viele Corona-Kranke je 100.000 Menschen innerhalb einer Woche in Kliniken kamen – stieg jedoch von 3,78 auf 4,26. (rg)