Lübeck: Reiterverein rettet Pferde aus der Ukraine – und wird plötzlich angefeindet

Eine Frau hält ein Pferd in Kiew. Auch Tiere brauchen Sicherheit vor dem Krieg und finden sie unter anderem in Lübeck.
Eine Frau hält ein Pferd in Kiew. Auch Tiere brauchen Sicherheit vor dem Krieg und finden sie unter anderem in Lübeck.
Foto: IMAGO / Ukrinform

Nicht nur Menschen in der Ukraine sind gefährdet, auch zahlreiche Tiere brauchen Schutz vor Bomben und Co. Dazu zählen meist Haustiere wie Hunde und Katzen – in Lübeck aber hat ein Reiterverein sogar zwei Pferde aufgenommen.

Ein Bekannter der Reitlehrerin Marina Duve hat laut NDR 100 Pferde aus seiner Reitschule bei Kiew in Sicherheit gebracht. Weil der Reiterverein in Lübeck eine Reitschule betreibt, wurden zwei Schulpferde aus der Ukraine dorthin geschickt.

Anfeindungen gegen Reiterverein aus Lübeck

Dass die beiden Pferde sogar so gut ausgebildet sind, dass sie schnell im Reitunterricht eingesetzt werden können, wusste der Reiterverein aber nicht. Nachdem der NDR einen Beitrag über den Verein sendete, gab es aber diverse Unterstellungen und Anfeindungen.

Auf der Seite des Senders hieß es unter anderem: „Gerettet, ich weiß ja nicht. So ein Pferd hätte wohl jeder Reiter gerne gerettet.“

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Solche Meinungen findet man beim Reiterverein in Lübeck „ganz furchtbar“. Laut Juliane Kunze-Bretschneider habe man es sich nicht aussuchen können, ausgebildete Schulpferde zu bekommen. Man habe genommen, was da sei. Wenn die Pferde nicht reitbar gewesen wären, hätte man sie auch aufgenommen.

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Das ist Lübeck:

  • Flächenmäßig ist Lübeck die größte Stadt Schleswig-Holsteins
  • Das geschlossene Stadtbild wurde 1987 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt
  • Die Hansestadt zählt 1800 denkmalgeschützte Gebäude
  • Lübeck zählt rund 220.000 Einwohner

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Lübeck: „Total entsetzt“

Viele Menschen zeigen sich aber auch entsetzt ob der fiesen Unterstellungen. So schreibt eine Frau unter dem NDR-Beitrag: „Bin selber Pferdehalter und total entsetzt aber diesen Shitstorm! Man sollte froh sein über jedes Pferd, das da rauskommt. Egal, ob Schul- oder Dressurpferd. Meine Hochachtung an alle, die Pferde aus der Ukraine aufnemem.“

Und eine weitere Person formuliert: „Jeder, der ein Pferd hat, wird sofort mit zahlreichen selbsternannten Experten konfrontiert, die alles kritisieren und besser wissen. Danke, dass wenigstens diese beiden Pferde ein so liebevolles Zuhause gefunden haben.“

In der Ukraine wurde zum Beispiel ein Stall in einem Dorf in Hostomel nordwestlich von Kiew von Bomben getroffen, Pferde verbrannten dabei, teilweise blieben nur ihre Skelette übrig.

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Lübeck: Neue Beschläge für die beiden Pferde

Die beiden Pferde haben in Lübeck übrigens erstmal neue Beschläge an den Hufen bekommen, weil dass wegen des Krieges lange Zeit nicht möglich war.

Der Reitverein versichert, er wolle den Tieren helfen und sich nicht bereichern. Auch das war ihm mehrfach vorgeworfen worden. Eines der Pferde wurde mittlerweile vom Besitzer verkauft, das andere würden die Lübecker ihm gerne abkaufen.

Der Krieg in der Ukraine ist nach wie vor in vollem Gange. Es ist aber möglich, mit dem Bus nach Kiew zu fahren. Was unser Reporter dabei erlebte, kannst du >>> hier lesen. (rg)