Nordsee: Dieser Küstenort kommt nicht zur Ruhe – und das wird auch so bleiben

Dieser Ort an der Nordsee wird immer beliebter.
Dieser Ort an der Nordsee wird immer beliebter.
Foto: imago images/Olaf Döring

An vielen Orten an den Küsten kehrt zum Ende des Jahres meist Ruhe ein. Eine Pause, die dringend nötig ist, um sich von dem Sommer und Herbst mit vielen Urlaubern zu erholen. Doch für einen Küstenort an der Nordsee gilt das nicht.

Die Pandemie hat den Trend noch bestärkt: Von Novemberflaute oder Winterschlaf kann hier keine Rede sein. Der Küstenort an der Nordsee ist zum Ganzjahresziel geworden.

Nordsee: Dieser Küstenort wird immer beliebter

Mit dem Hafen als Drehscheibe wird Büsum ein immer beliebteres Reiseziel. Hier spielt sich vieles ab, was das Nordsee-Heilbad so besonders macht. Denn zu Büsum gehören zwangsläufig Nordseekrabben – so wie Ebbe und Flut.

Einer, der das ganz genau weiß, ist André Claußen. Der 38-Jährige ist Krabbenfischer und zeigt Urlaubern, wie das Krabbenpulen am besten klappt. „Fischersprechstunde“ nennt der Kutterkapitän seinen kleinen Kurs.

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Dabei vertraut er seiner lang erprobten Technik: „Mit der rechten Hand das dritte Panzerglied öffnen, mit der linken Hand den Krabbenkopf festhalten und am Schwanzende langsam das Krabbenfleisch herausziehen.“

Nordsee-Ort ist Deutschlands wichtigster Krabbenhafen

André Claußen ist einer der etwa 50 Krabbenfischer, die ihren Fang zumeist im Büsumer Hafen anlanden. Die Fanggebiete liegen vor der schleswig-holsteinischen Wattenküste und in der Nordsee bei Helgoland. Zwischen zwölf und 72 Stunden bleiben die Fischer auf See.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Auch Kutter aus Tönning, Friedrichskoog und Cuxhaven steuern immer wieder Büsum an, Deutschlands wichtigstem Krabbenhafen. Dort sitzen die Großhändler, die das „Büsumer Gold“ verarbeiten und vermarkten.

Büsum und Krabben, das gehört eben zusammen. Die Krabbenfischerei begann hier in großem Umfang Ende des 19. Jahrhunderts, erfährt man im Museum am Meer auf der alten Hafeninsel.

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Damals liefen die ersten Kutter mit Schleppnetzen zur Fangfahrt aus. Zuvor hatten die Küstenbewohner den schmackhaften Schalentieren mit Netzen und Keschern im Watt nachgestellt. Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Schiffswerften, noch zwei Betriebe existieren heute.

Früher badeten hier Männer und Frauen getrennt in der Nordsee

Doch nicht nur im Hafen des Küstenortes an der Nordsee hat sich viel getan. Auch der Büsumer Badetourismus entwickelte sich in jenen Jahren.

Bis 1902 stiegen Frauen und Männer nach dem Geschlecht streng getrennt in die Nordsee-Fluten. Gemeinsam planschten sie durchs Watt. Trompete, Saxofon und Akkordeonklänge sorgten dabei für Stimmung. So beherbergten die Hotels mit der Zeit mehr und mehr Badegäste: Ab 1889 die „Alte Post“, eines der ältesten Gasthäuser an der Westküste Schleswig-Holsteins.

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Und aus der Fischerbörse in der Hafenstraße wurde das Hotel „Alter Muschelsaal“. Um die 100.000 Muscheln und Schnecken aus aller Welt bilden dort eine sehenswerte Wandverkleidung.

Von Beschaulichkeit ist hier an der Nordsee nicht mehr viel übrig

Das wiederum sorgte dafür, dass Büsum von Jahrzehnt zu Jahrzehnt sein touristisches Erscheinungsbild wechselte. 2013 wurde mit der Perlebucht ein von Gezeiten unabhängiges Badeareal für Familien mit Kindern geschaffen. Surfer, Kiter, Katamaran-Fahrer und Stand-up-Paddler schätzen dort die Wellen und den Wind.

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In jüngster Zeit entstehen zudem schicke Hotelbauten, alte Bausubstanz weicht komfortablen Ferienappartements. Aus dem betulichen Heilbad der 1970er Jahre, in dem nach 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt wurden, ist ein Ganzjahresziel geworden.

Der Trend wurde verstärkt durch die Pandemie, weil noch mehr Urlauber in Deutschland blieben. Doch was ist der Grund dafür?

Nordsee: Gästebetten sind deutlich angestiegen

Manche Gäste, davon sind die örtlichen Touristiker überzeugt, wollen sich im Winter mal so richtig vom Wind durchpusten lassen. Und danach ein heißes Getränk schlürfen: Eiergrog, Pharisäer (Kaffee mit Rum, Zucker und Sahne), Tote Tante (Kakao, Rum und Sahne) oder natürlich einen heißen Tee in einer Teestube.

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Insgesamt gibt es in dem Küstenort an der Nordsee inzwischen über 16.000 Gästebetten, in Hotels, Pensionen, Ferienhäuser und -wohnungen sowie Privatzimmern, zudem Camping- und Wohnmobil-Stellplätze.

Eines der ältesten Gasthöfe an der Küste ist das Hotel „Zur Alten Post“. Hier übernachtet man seit 1889 traditionsreich. Aber ist diese Entwicklung wirklich gut? (dpa/mk)