Nordsee: Weil Deutschland kein Russen-Gas mehr will, geht es im Meer jetzt um alles – „Hochdruck“

Ein Mann beobachtet ein Schiff, das am Hafen von Brunsbüttel ankommt. Der Nordsee-Hafen ist als Standort für ein neues LNG-Terminal (Liquefied Natural Gas) im Gespräch.
Ein Mann beobachtet ein Schiff, das am Hafen von Brunsbüttel ankommt. Der Nordsee-Hafen ist als Standort für ein neues LNG-Terminal (Liquefied Natural Gas) im Gespräch.
Foto: picture alliance/dpa | Frank Molter

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will, dass in Brunsbüttel an der Nordsee Anfang des kommenden Jahres ein schwimmender LNG-Terminal in Betrieb genommen werden kann.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran“, sagte der CDU-Politiker im Interview der Zeitung „Welt“. Nötig sei dazu der Bau einer 2,5 Kilometer langen Pipeline in der Nordsee. „Die Gespräche dazu laufen. Unser Ziel ist, das bis Anfang 2023 hinzubekommen. Und das werden wir auch schaffen.“

Nordsee: Fünf Milliarden Kubikmeter Gas

Mit Hilfe des schwimmenden Terminals sollen demnach jährlich 5 Milliarden Kubikmeter Gas in das deutsche Gasnetz eingespeist werden können. Die Pläne für Brunsbüttel sind ein Teil auf dem Weg zur Unabhängigkeit von Russland, von wo Deutschland 2021 rund 55 Milliarden Kubikmeter Gas importierte. Weitere schwimmende Terminals sollen an anderen Orten in der Nordsee entstehen, zum Beispiel bei Wilhelmshaven oder Eemshaven in den Niederlanden.

Vor wenigen Wochen hatte Wirtschaftsminister Robert Habeck – wenn auch zähneknirschend – Verträge über die Lieferung von LNG mit Katar abgeschlossen. LNG gilt als Brückentechnologie, bis die erneuerbaren Energien ausreichend ausgebaut sind.

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Auch die Ölförderung vor der deutschen Nordseeküste soll nach Angaben von Daniel Günther ausgebaut werden. „Wenn wir schnell unabhängig werden wollen von russischem Erdgas, dann müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, die wir haben.“ Dazu gehöre auch eine verstärkte Ölförderung im Land. „Wir führen dazu gerade Gespräche. Die Frage ist, ob und wie es technisch möglich wäre, die Produktion hochzufahren. Das ist es, was uns aktuell helfen würde.“

Aktuell gibt es Pläne für eine Ölförderung vor der niedersächsischen Nordsee-Insel Borkum (MOIN.DE berichtete). Diese stoßen allerdings auf vehemente Kritik von Natürschützern.

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10 Tipps für Urlaub an der Nordsee:

  • Lütetsburg
  • Cuxhaven
  • Sankt Peter-Ording
  • Wattenmeer, zum Beispiel Neuwerk oder Nordstrand
  • Husum
  • Niedersachsens Küste: Neuharlingersiel, Dangast, Greetsiel
  • Festlandorte in Schleswig-Holstein, zum Beispiel Brunsbüttel
  • Ostfriesische Inseln
  • Sylt
  • Schleswig-Holsteins Nordsee-Inseln (Föhr, Amrum, Helgoland)

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Nordsee: SH will Millionen Haushalte mit grüner Energie versorgen

Bis 2025 wolle Schleswig-Holstein laut Daniel Günther zudem die Erneuerbaren Energien so weit ausbauen, dass damit „jährlich 37 Terawattstunden Strom“ erzeugt und ins deutsche Stromnetz eingespeist werden können. „Das entspricht in etwa der Leistung von drei Atomkraftwerken der Größe Brokdorfs“, sagte Günther.

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Das Atomkraftwerk an der Nordsee in der Nähe von Brunsbüttel versorgte ungefähr 2 Millionen Menschen mit Strom und wurde in der letzten Silvesternacht „abgeschaltet“. Schleswig-Holstein selbst hat knapp 3 Millionen Einwohner.

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Günther kritisierte knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein zudem die Berliner Ampel-Koalition für deren Umgang mit dem Krieg in der Ukraine. „Es ist in meinen Augen ein schwerer Fehler, dass die Bundesregierung in diesem Moment, in dem die Menschen ohnehin schon verunsichert sind, keine gemeinsame Position zum Umgang mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine findet.“ (dpa/rg)