Nordsee: Hilferuf von dieser Insel, die Lage ist ernst – „Finde ich sehr erschreckend“

Blick auf die Nordsee-Insel Juist.
Blick auf die Nordsee-Insel Juist.
Foto: IMAGO / Jochen Tack

Die Entspannung auf den Ostfriesischen Inseln in der Nordsee wie Juist, Norderney oder Borkum läuft im zweiten Pandemie-Jahr immer noch ziemlich anders ab als noch 2019. Nicht nur, dass sich überall wegen des Coronavirus an Abstands- und Hygieneregeln gehalten werden muss, auch andere Faktoren spielen eine Rolle. Das Leben in den Urlaubsorten hat sich verändert.

Immer wieder berichten Urlauber von angespannter Stimmung in Restaurants, Kneipen oder Einzelhandels-Geschäften. Sind die Menschen mittlerweile „weniger nett“ zueinander als früher? So mancher Nordsee-Tourist will das wahrgenommen haben.

Nordsee: Wie ist die Stimmung?

Andere hingegen widersprechen vehement: So etwas hätten sie nicht bemerkt. Alles sei so nett, wunderschön und freundlich wie immer. Die Erlebnisse der Urlauber vor Ort sind eben unterschiedlich. Und vieles liegt mit Sicherheit auch am eigenen Auftreten und wie man den Leuten selbst begegnet.

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Ob und inwiefern die anderthlab Pandemie-Jahre sich nun negativ auf Stimmungen ausgewirkt haben, lässt sich schwierig beziffern.

Auf der Nordsee-Insel Juist sollen Menschen kürzlich geklagt haben, dass nicht alles so nett gewesen sei während ihres Ausflugs. Es fallen gar Wörter wie „unfreundlich“ – ein hartes Urteil. In eine Diskussion in Sozialen Netzwerken schaltet sich ein Gastronom von der Insel ein, für den das aber gar nicht so abwegig klingt.

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Das ist Juist:

  • Juist ist eine der ostfriesischen Inseln im niedersächsischen Wattenmeer der Nordsee.
  • Sie liegt zwischen Borkum im Westen und Norderney im Osten.
  • Die Insel hat eine Länge von 17 Kilometern und ist damit die längste der ostfriesischen Inseln.
  • Die maximale Breite beträgt 900 Meter, die minimale 500 Meter.
  • Auf der Insel befindet sich die gleichnamige Gemeinde Juist, sie gehört zum Landkreis Aurich in Niedersachsen und hat 1524 Einwohner.
  • Auf der Insel gibt es zwei Ortsteile: den in Westdorf und Ostdorf unterteilten Hauptort sowie Loog.

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Nordsee: „Wir laufen am Limit“

Jörg Schmidt ist Chef vom „Piratennest“ auf Juist. „Italienische Küche auf der schönsten Sandbank der Welt“ gibt es dort von 12 bis 21.15 Uhr. Er sagt: „Wir laufen am Limit. Der Personalmangel zerrt an den Nerven. Dann bleibt durch Zeitmangel auch die Gelassenheit und Geduld auf der Strecke.“

Fehlende Arbeitskräfte in der Gastronomie und auch Hotellerie sind deutschlandweit ein Problem. Ehemalige Beschäftigte aus den Branchen fanden in den Hochphasen der Pandemie, als alles monatelang schließen musste, anderenorts Arbeit.

Die Konsequenz ist nun, dass viele Betriebe händeringend nach Arbeitskräften suchen und diese nur schwer finden. Für so einige war es auch vor der Pandemie schon nicht einfach, geeignete Kräfte für die Saisonarbeit zu finden, die im Sommer nicht selten mit 6 bis 7-Tage-Wochen und wenig bis gar keinem Urlaub daherkommt. Corona hat das Ganze nochmal verschärft, Ausbildungsplätze werden nicht besetzt.

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Fachkräftemangel an der Nordsee

„Wir versuchen alles möglich zu machen, es fehlen zur Zeit 400 Restaurantplätze auf Juist und allein im Piratennest mindestens zehn Mitarbeiter“, sagt Jörg Schmidt. „Von Fachkräften ganz zu schweigen.“

Frank Lauf von „Frankies Grill“ erzählt MOIN.DE, dass der Wegfall der drei festen Gastronomie-Größen „Matjes & Co.“, „Kompass“ und „Köbes“ ihn und andere ans Limit bringe. „Die Leute haben alle irgendwie keine Zeit, eine Erwartungshaltung die wer weiß wo endet und sind sehr unentspannt. Sie fühlen sich gegängelt und ich finde es auch nicht toll, Erwachsenen den ganzen Tag Corona-Bestimmungen und deren Bedeutung zu erklären.“

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Er arbeite trotz seines neuen Knies seit Ende März ohne Unterbrechung durch. Von null auf 100 sozusagen. „Ich erlebe es dieses Jahr tatsächlich etwas anders als zum Beispiel noch das letzte Jahr. Die Gäste waren letztes Jahr wesentlich entspannter und lockerer.“

Appell an Urlauber

Wenn er morgens um 9 die Tür aufschließe, stehe der erste Gast schon um 9.10 Uhr da und frage, ob er bereit sei für eine Pommes. Dabei öffne Frank Lauf erst um 12. „Wenn man dann nein sagt, sind die sauer und sagen: Schließen sie doch ihre Tür zu. Es hängt eine Kette mit einem Stopschild vor der Tür und daneben ein DIN-A3-Öffnungszeitenschild.“

Er bekomme mitunter eine Wertschätzung wie ein Mensch dritter Klasse und das finde er erschreckend.

„Bitte habt ein wenig Geduld, wir versuchen alles“, appelliert sein Kollege Jörg Schmidt an die Juist-Urlauber. (rg)