Nordsee: Erstes Schwimmbad erlaubt Frauen „Oben ohne“ – der Norden zieht ein klares Fazit

In den meisten Freibädern gelten klare Regeln. So auch in Sankt Peter-Ording (Symbolfoto).
In den meisten Freibädern gelten klare Regeln. So auch in Sankt Peter-Ording (Symbolfoto).
Foto: IMAGO / 7aktuell

Bauch rein, Brust raus – oder wie heißt es doch so schön? Für Männer ist es jedenfalls kein Problem, Oberkörperfrei in Schwimmbädern rumzulaufen – wohingegen Frauen davon ausgeschlossen sind. Bis jetzt: In Göttingen gibt es ein erstes Schwimmbad, in dem auch Frauen „oben ohne“ ihren Aufenthalt verbringen können. Wie stehen Städte und Gemeinden an der Nordsee zu dem Thema?

Das Fazit entlang der Nordsee-Küste ist eindeutig.

Nordsee: „Gleiche Brust für alle“ auch im Norden?

Dass es zum ersten Mal zu einer solchen Regeländerung kommt, ist nicht überraschend: Die Welt ist im Wandel, Gleichberechtigung und Anti-Geschlechterrollen rücken auf immer mehr Tagesordnungen in Deutschland. Nach einem Vorfall in dem Schwimmbad in Göttingen kam es dazu, dass die Stadt mit der feministischen Initiative zum Vorreiter wurde.

Dabei zog sich eine nicht-binäre Person – also ein Mensch, der sich nicht vollständig als männlich oder weiblich identifiziert – obenrum aus und kassierte dafür ein Hausverbot. Das hat offenbar Folgen mit sich getragen, die zu dem Schritt der Veränderung führten.

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Der „shz“ hat im Norden nachgefragt. In St. Peter-Ording (SPO), Husum und Bredstedt hätten die Bäder bereits geäußert, keinen Anlass zu sehen. In SPO ist es sogar noch krasser: Hier schreiben die Regeln vor, dass eine Badebekleidung getragen werden muss. „Die Regeln sind über 100 Jahre alt und haben ihren Grund und Sinn“, so Badebetriebsleiter Henry Thiedke zum „shz“.

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Das ist Sankt Peter-Ording (SPO):

  • Der Küstenort Sankt Peter-Ording liegt im Südwesten der Halbinsel Eiderstedt in Schleswig-Holstein.
  • Sankt Peter-Ording ist in vier Ortsteile gegliedert: Böhl, Bad, Dorf (Süd) und Ording. Dort leben insgesamt 3.997 Menschen.
  • Nach den Übernachtungszahlen ist Sankt Peter-Ording in Schleswig-Holstein das führende Seebad auf dem Festland. 2019 zählte der Küstenort 1.617.211 touristische Übernachtungen.
  • Sankt Peter-Ording hat als einziges deutsches Seebad eine eigene Schwefelquelle und trägt daher die Bezeichnung „Nordseeheil- und Schwefelbad“.
  • Bekannt ist der Küstenort auch für seine Pfahlbauten am Strand.
  • Von 1994 bis 1997 wurde in Sankt Peter-Ording die ARD-Serie „Gegen den Wind“ produziert.

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Klare Meinung in SPO an der Nordsee

Und das gelte nicht nur hier so, wie Thiedke erklärte, So seien diese Vorgaben bundesweit gleich und seien behördlich vorsgeschrieben: Eine „ordnungsgemäße“ Badebekleidung sei demnach Pflicht. Laut Thiedke: Badehosen für die Herren, Bikinis oder Badeanzüge für die Frauen.

„Geschlechtsteile sollten nicht frei gezeigt werden. Auch wegen der ganzen Kinder hier“, sagt der Badebetriebsleiter und schließt eine Veränderung aus.

Den Diskussionen um die Badebekleidung kann er nicht viel abgewinnen: „Wir wollen keine Meckerköpfe sein“, sagt Thiedke laut des Berichts.

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Gleichstellungsbeauftragte offen für Idee

Auch in Husum wurde nachgefragt. Dort soll es ebenfalls kein Veränderung geben. Das sei „kein Thema“, so die Gleichstellungsbeauftrage der Stadt Husum.

Sie zeigt sich aber offen: „Zumindest als Probelauf ist das eine gute Sache“. Sollte es eine Forderung nach dem obenrum-ohne-baden geben, sollte man dies ermöglichen, findet Britta Rudolph gegenüber dem „shz“. (rg)