Nordsee-Insel macht klare Ansage – Tourismus wird zu viel

Urlaubsorte an der Nordsee haben in diesem Sommer erneut einen gewaltigen Ansturm erlebt.
Urlaubsorte an der Nordsee haben in diesem Sommer erneut einen gewaltigen Ansturm erlebt.
Foto: imago images/penofoto

Neben Sylt werden auch andere Nordsee-Inseln immer beliebter. Seit Ausbruch der Pandemie boomt der Urlaub in der Heimat und viele Menschen haben die deutsche Küste für sich entdeckt.

Während der Ansturm auf die Nordsee-Küste immer weiter zunimmt, würden manche Einheimischen am liebsten die Flucht ergreifen. Das zeigt eine Befragung, die eine Master-Studentin in Zusammenarbeit mit der Föhr Tourismus GmbH (FTG) durchgeführt hat.

Nordsee: Kritik an Tourismus-Auswirkungen

Der Großteil der Föhrer Bevölkerung schätzt den persönlichen Lebensraum auf Föhr positiv ein und spricht dem Tourismus auf der Insel eine große Bedeutung zu. Gefragt nach den Auswirkungen des Tourismus zeigt sich jedoch, dass knapp die Hälfte der Befragten diese als eher bis überwiegend negativ bewertet.

1.700 Menschen sollen sich an der Umfrage beteiligt haben, das ist etwa ein Viertel der Bürger auf der kleinen Nordsee-Insel. Sie verkennen dabei nicht, dass der Tourismus eine große Bedeutung für die Insel hat. Dessen Auswirkungen empfinden jedoch viele als negativ. So wünscht sich laut FTG ein Großteil der Befragten einen Rückgang der Touristenzahlen oder zumindest keine weitere Steigerung!

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Den größten Handlungsbedarf sehen die Befragten bei bezahlbarem Wohnraum sowie im Auto- und Fahrradverkehr. Hier geht es insbesondere um den nötigen Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr und eine Verbesserung des Nahverkehrs. Außerdem soll eine „Versyltung“ vermieden und das gastronomische Angebot erweitert werden.

Positive Auswirkungen des Tourismus sehen 37,5 Prozent der Befragten. Hierzu zählen vor allem die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die Verbesserung der Nahversorgung und des Freizeitangebots.

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10 Tipps für Urlaub an der Nordsee:

  • Lütetsburg
  • Cuxhaven
  • Sankt Peter-Ording
  • Wattenmeer, zum Beispiel Neuwerk oder Nordstrand
  • Husum
  • Niedersachsens Küste: Neuharlingersiel, Dangast, Greetsiel
  • Festlandorte in Schleswig-Holstein, zum Beispiel Brunsbüttel
  • Ostfriesische Inseln
  • Sylt
  • Schleswig-Holsteins Nordsee-Inseln (Föhr, Amrum, Helgoland)

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Nordsee: Professor ordnet Ergebnisse ein

„Tourismus ist auf Föhr und auch andernorts immer stärker mit dem Lebensraum verschränkt“, sagt Prof. Harald Pechlaner, Inhaber des Lehrstuhls für Tourismus und Leiter des Zentrums für Entrepreneurship an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, wo die Masterarbeit betreut wird.

„Da ist es ganz klar, dass sich in einer so beliebten Destination wie Föhr mit der Zeit auch Widerstand gegen den Tourismus regt.“ Wichtig sei es nun, sich gegenseitig zuzuhören und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass mehr als drei Viertel – ganze 77 Prozent der Befragten – dem Tourismus auf Föhr auch in Zukunft eine große Bedeutung zusprechen.

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Verbunden mit der positiven Einstellung, die die Föhrerinnen und Föhrer zu ihrer Insel haben, sei das eine sehr gute Basis für Veränderungen hin zu einem anderen, zu einem sanfteren Tourismus, der die Bedürfnisse aller Menschen auf Föhr im Blick behalte.

„Es wird sich nicht alles von heute auf morgen verändern lassen. Mit der Stelle des Nachhaltigkeitsbeauftragten hat die FTG aber bereits erste wichtige Schritte für die soziale Nachhaltigkeit auf Föhr gemacht“, so der Tourismusexperte.

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Das ist die Nordsee:

  • die Nordsee ist ein Randmeer des Atlantischen Ozeans
  • die Nordsee ist ein wichtiger Handelsweg und dient als Weg Mittel- und Nordeuropas zu den Weltmärkten
  • die Fläche beträgt 570.000 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 700 Meter tief

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Viele ähnliche Studien an Nordsee und Ostsee

Ähnliche Studien wurden mit ähnlichen Fragen auch in anderen touristisch geprägten Orten vorgenommen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern befragte im Sommer 2021 beispielsweise 1.300 Personen zu denselben Themen, in Kiel wurden 2018 rund 600 Personen in einer ausgewählten Stichprobe befragt, in Sankt-Peter-Ording nahmen 2020 knapp 1.300 Personen an einer vergleichbaren Studie teil.

„Die hohe Beteiligung und die Schreibfreudigkeit bei den offenen Fragen zeigen, dass es einen hohen Mitteilungsbedarf gibt“, sagt Jochen Gemeinhardt, FTG-Geschäftsführer. „Viele haben auch konkrete Vorschläge für bestimmte Bereiche gemacht. Das sind wertvolle Rückmeldungen und Ideen, auch wenn sie nicht alle ohne Weiteres umsetzbar sind.“

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Mehr News von Nordsee und Ostsee:

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Die Umfrage wird auch in der nächsten Sitzung des Tourismus-Zweckverbandes im Dezember eine Rolle spielen. Sie bekräftigt, was bereits in vergangenen Sitzungen vonseiten der FTG thematisiert wurde: Altbewährte Maßstäbe zur Messung von touristischem Erfolg müssen hinterfragt und manche festgefahrenen Konzepte überdacht werden.

„Das Wichtigste ist nun, dass wir miteinander im Gespräch bleiben“, so Gemeinhardt. In Ostfriesland sorgen Urlauber momentan ebenfalls immer wieder für Aufruhr und Ärger. Die Feuerwehr muss immer wieder ausrücken, weil Touristen wichtige Hinweise ignorieren und sich in Lebensgefahr bringen. >>> Hier kannst du mehr dazu lesen.

Auf der Ostsee-Insel Usedom hat man die sinkende Akzeptanz gegenüber des Tourismus bereits wahrgenommen und will gegensteuern. Was die verantwortlichen dazu geplant haben, kannst du >>> hier lesen.

Bleibt abzuwarten, ob und wie die Küstenorte im kommenden Sommer ihre Einwohner besänftigen können. (rg)