Ostsee: Was Badegäste da machen, entsetzt eine Rettungsschwimmerin – „So gefährlich“

Für Rettungsschwimmer an der Ostsee war dieser Sommer alles andere als einfach.
Für Rettungsschwimmer an der Ostsee war dieser Sommer alles andere als einfach.
Foto: imago images/Kirchner-Media

Travemünde. An der Ostsee war's in diesem Jahr besonders voll. Noch mehr Badegäste als ohnehin schon üblich strömten wegen Corona an die Strand-Regionen in Deutschland. Nicht alle verhielten sich verantwortungsvoll – ganz im Gegenteil!

Eine, die weiß, wovon sie redet, ist Patricia Schöntag. Die Rettungsschwimmerin hat in diesem Sommer einiges erlebt. Am Ostsee-Strand von Lübeck-Travemünde kam es immer wieder zu gefährlichen Situationen, in denen sie Badegäste auf Gefahren hinweisen musste. Dabei lassen sich einige leicht vermeiden.

Ostsee: Es kann immer etwas passieren

Vor dem Gespräch stellt Patricia Schöntag klar: „Wenn etwas passiert, muss ich weg.“ Aus Erfahrung weiß sie: Es kann jederzeit etwas passieren. „Oft sind es Eltern, die ihre Kinder suchen, oder Kinder, die ihre Eltern suchen. Wir haben die bisher noch immer gefunden – zum Glück.“

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Aber es gibt auch Situationen, die brenzliger sind! Wie diese im August: „Badegäste kamen auf uns zu. Ein Mann sei kollabiert. Wir eilten zu der Stelle am Strand. Der Mann war zwar ansprechbar, aber sehr benommen.“

Die Rettungsschwimmer alarmierten sofort den Rettungsdienst. „Der Rücktransport des Patienten wäre aber nur sehr schwierig möglich gewesen. Wir wurden deshalb gebeten, den Mann mit dem Boot weg zu transportieren an eine andere Stelle am Ufer. Es musste schnell gehen!“

Ostsee: Vermutlich ein Schlaganfall

Wie es dem Mann heute geht, weiß Schöntag nicht. „Das erfahren wir nur, wenn wir zufällig jemanden kennen, der im Krankenhaus arbeitet. Vermutlich hatte der Mann einen Schlaganfall. Ich hoffe natürlich, dass es ihm gut geht. Es ist ein komisches Gefühl, das nicht zu wissen.“

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Das ist die Ostsee:

  • auch Baltisches Meer genannt
  • die Ostsee ist das zweitgrößte Brackwassermeer der Erde
  • die Fläche beträgt 412.500 Quadratkilometer
  • sie ist bis zu 459 Meter tief

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Schöntag entschuldigt sich, im Hintergrund sagt jemand etwas über ein Funkgerät. Was genau, ist im Rauschen nicht zu verstehen.

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Es kann aber nichts Ernstes sein, denn kurz darauf sagt die Rettungsschwimmerin: „Bin wieder da.“

Reanimation am Ostsee-Strand

„So etwas Schlimmes, wie der Mann mit dem Schlaganfall, oder die Frau, die Rettungsschwimmer hier in Travemünde im Juni reanimieren mussten, passiert nur etwa einmal im Jahr.“

Einmal mehr fügt Schöntag hinzu: „Zum Gück!“

Etwas anderes hingegen passiert oft: „In Travemünde haben wir die Seebrücke und sehr flaches Wasser. Da ist klar: Man darf nicht reinspringen! Das ist sehr gefährlich!“, warnt die Rettungsschwimmerin.

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„Wir hatten schon Fälle, da waren Personen querschnittsgelähmt nach einem Sprung. Man kann sich die Knochen brechen.“

Ostsee: Schilder warnen vor Gefahr

Um zu verhindern, dass Leute von der Brücke springen, stehen dort Schilder. „Wir Rettungsschwimmer haben sie diesen Sommer mal gezählt: 20 Schilder sind es.“

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Das führt zu Kopfschütteln: „Wir können nicht glauben, dass die Leute das nicht verstehen.“ Vor allem Jugendliche würden immer wieder von der Seebrücke springen.

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10 Reise-Tipps für die Ostsee:

  • Rügen
  • Bornholm
  • Usedom
  • Hiddensee
  • Fischland-Darß-Zingst
  • Poel
  • Heiligendamm
  • Timmendorfer Strand
  • Fehmarn
  • Hohwachter Bucht

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„Das sehen Kinder. Die denken dann: Wenn die Großen das können, können wir das auch. Sie springen dann manchmal von einer Stelle, an der das Wasser sogar noch flacher ist. Das ist so gefährlich!“

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Von der Ostsee-Insel Usedom nach Travemünde

Patricia Schöntag hat schon viele Kinder und Jugendliche auf diese Gefahren hingewiesen.

Die 25-Jährige ist bereits seit neun Jahren Rettungsschwimmerin. In Travemünde ist sie seit fünf Jahren, davor war sie auf der Insel Usedom.

Corona hat Arbeit am Ostsee-Strand verändert

Eines war in diesem Jahr anders als in all den Jahren zuvor: „Corona hat unsere Arbeit stark verändert. Wir durften wegen der Abstandsregeln nicht so viele sein wie sonst. Normalerweise sind wir 16 Rettungsschwimmer auf einmal am Strand, dieses Jahr waren wir 12.“

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Was dieses Jahr auch gezeigt hat: Manche ignorieren Badeverbote. Wenn Schöntag und ihre Kollegen die rote Flagge hissen, darf niemand mehr ins Wasser.

Ostsee: „Der Eigenschutz geht vor“

„Da halten sich die allermeisten auch dran. Trotzdem gehen manchmal welche rein“, sagt Schöntag.

Die rote Flagge heißt aber auch: „Wir Rettungsschwimmer können dann möglicherweise nicht mehr eingreifen, wenn etwas passiert. Der Eigenschutz geht vor.“

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An diesem Nachmittag bleibt es ruhig am Strand von Travemünde. Patricia Schöntag muss nicht ausrücken. Sturmtief Kirsten ist am Morgen über die Ostsee gefegt. Ins Wasser zieht es da kaum jemanden.