Ostsee: Wer hier frischen Fisch aus der Region auf dem Teller erwartet, könnte enttäuscht werden – „In sehr schlechtem Zustand“

Ein Fischkutter auf der Ostsee in Travemünde.
Ein Fischkutter auf der Ostsee in Travemünde.
Foto: imago images/Susanne Hübner

Es gehörte für viele Touristen zum Urlaubsgefühl an der Ostsee dazu: einmal frischen Fisch aus der Region im Restaurant essen. Doch das bleibt allzu oft nur eine Wunschvorstellung.

Denn in vielen Fällen stammt der Fisch, den der Urlauber letztlich auf dem Teller hat, gar nicht von der Ostsee-Küste. Das hat mehrere Gründe.

Ostsee: Umweltbedingungen haben großen Einfluss

Denn häufig kommt der Fisch gar nicht aus der Region, wie „web.de“ berichtet. Ein Grund dafür sei, dass die Fischerei in der Ostsee saisonal sei und vor allem im ersten und im vierten Quartal stattfinde.

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Auch wegen der eher überschaubaren Fangflotte mit kleinen Küstenbooten sei es schwierig, die Restaurants und Bistros in der Urlaubsregion durchgehend mit Ostseefisch zu beliefern, zitiert „web.de“ Norbert Kahlfuß, langjähriger Vorsitzender des Landesfischereiverbands Mecklenburg-Vorpommerns.

Umweltbedingungen beeinflussen Fische in der Ostsee

Weltweit gesehen hat zwar die Fischerei den größten Einfluss auf den Zustand der kommerziell genutzten Meeresfischbestände, in der Ostsee ist das aber anders, heißt es weiter.

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Die Umweltbedingungen hätten einen viel größeren Einfluss auf die Meeresfische als anderswo, wird Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock, zitiert.

Ostsee: Klimaerwärmung ist ein Grund

Ein weiterer wichtiger Grund: Die Klimaerwärmung. Die Temperaturerhöhung reduziere die Nachwuchsproduktion beim Hering der westlichen Ostsee. „Wir Menschen können darauf nur reagieren, indem wir die Fischerei einschränken, auch wenn die Fischerei hier nicht Verursacher des schlechten Zustands ist“, so Zimmermann.

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Beim Dorsch der östlichen Ostsee hätten die Umweltbedingungen – hier vor allem die Überdüngung auf den Feldern – inzwischen einen neunmal größeren Einfluss als die Fischerei.

Hering in westlicher Ostsee in sehr schlechtem Zustand

„Lediglich Hering der westlichen Ostsee und Dorsch der östlichen Ostsee sind in sehr schlechtem Zustand. Und Dorsch der westlichen Ostsee entwickelt sich zwar positiv, ist aber noch nicht über den Berg“, sagt Zimmermann.

Da die letzten drei Bestände von herausragender Bedeutung für die deutsche Küstenfischerei sind, entstehe hierzulande leicht der Eindruck, dass es insgesamt schlecht bestellt ist um die Fischressourcen der Ostsee. Das sei aber nicht der Fall.

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Die Chance, einen Ostseefisch auf dem Teller zu haben, ist demnach am ehesten bei Plattfischen wie Flunder, Steinbutt und Scholle gegeben. (kbm)