Rügen: Feuer-Katastrophe jährt sich – Hilfbereitschaft wurde damals schamlos ausgenutzt

Am Heiligabend 2020 ging ein Haus auf Rügen in Flammen auf (Symbolbild).
Am Heiligabend 2020 ging ein Haus auf Rügen in Flammen auf (Symbolbild).
Foto: picture alliance/dpa

Genau an Heiligabend geschah auf Rügen eine furchtbare Katastrophe: Ein Feuer brach in einem Mehrfamilienhaus in Lietzow aus. Die Mieter konnten gerettet werden, das Haus hingegen nicht.

Die Bewohner standen plötzlich vor dem Nichts. Zahlreiche Menschen auf Rügen zeigten sich daraufhin enorm hilfsbereit. Doch das wurde teilweise schamlos ausgenutzt.

Rügen: Erst Hilfsbereitschaft, dann Zoff

Ralf und Pauline gehören zu den Mietern, die damals in dem Haus gewohnt haben. Das Ehepaar lebt inzwischen in einem anderen Dorf auf der Insel. Der Mann habe sich gut erholt von dem dramatischen Ereignis, aber „Pauline sagt mir, dass sie manchmal Albträume hat“, erzhält er der „Ostsee Zeitung“.

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Nach dem Brand habe das Paar mit einer anderen Familie aus dem Haus eine enge Beziehung gepflegt. Man habe sich gegenseitig unter die Arme gegriffen, doch dann wendete sich das Blatt.

„Plötzlich haben sie uns angezeigt und wollten Geld von uns haben. Obwohl der Zusammenhalt vorher da war und wir über alles sprechen konnten“, erinnert sich Ralf. Der Streit sei aus juristischer Sicht zwar beseitigt, Kontakt haben die Familien aber nicht mehr.

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Rügen ist zehnmal größer als Sylt
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Für Karin Rolinski hatte das Feuer ebenfalls ein bitteres Nachspiel. Während sie selbst im Gemeindehaus beim Verteilen von Sachspenden half, bot sie einer Familie aus dem brennenden Haus ihre Ferienwohnung als Unterkunft an.

Familie hinterlässt Verwüstung auf Rügen

„Sie haben unsere Wohnung total verwüstet verlassen und dadurch hohe Kosten verursacht“, erzählt die Insulanerin. Sie spricht von klebriger Substanz in den Schränken und vergammeltem Essen in der Wohnung.

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„Wir haben statt eines Dankeschöns nur Drohungen bekommen. Sie sagten, wir hätten Spenden unterschlagen. Wir Helfer wurden plötzlich wie Täter behandelt“, sagt sie der „Ostsee Zeitung“. Eine ungemeine Belastung.

„Die haben diese Hilfe nicht zu schätzen gewusst“, berichtet die Rüganerin über einige Bewohner des Hauses. Zahlreiche Sachspenden seien einfach im Müll gelandet. Der Anblick „tut mir in der Seele weh und für die Spender unheimlich leid“, so Karin Rolinski.

Große Hilfsbereitschaft auf Rügen

Aber „es sind auch Freundschaften entstanden“, erzählt die Helferin. Von den vielen Sachspenden hätten auch die Tafel, das Deutsche Rote Kreuz auf der Insel sowie der Kindernotdienst in Stralsund profitiert.

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„Die Unterstützung war gigantisch. Am meisten hat mich die Hilfsbereitschaft aus weiten Teilen unseres Landes und die vor Ort beeindruckt“, freut sich Daniel Kasprzyk, Bürgermeister von Lietzow. Die Ereignisse nach dem Brand hatten eben doch nicht nur schlechte Seiten. (lh)