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Rügen: Radfahrer erkunden Insel – dieser Anblick gefällt ihnen gar nicht – „Da wohnen wir schöner im Ruhrpott“

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Was Radfahrer auf Rügen gesehen haben, hat sie enttäuscht (Symbolbild) Foto: picture alliance / Alexander Becher | Alexander Becher

Der „Koloss von Prora“ auf Rügen – für die einen ein Schandfleck auf der Insel, für andere jedoch auch ein wichtiges Denkmal. Die ehemalige Ferienanlage der Nazis erstreckt sich in Binz über rund fünf Kilometer entlang der Ostseeküste.

In den letzten Jahren hat sich hier einiges getan. Die ehemalige Ruine auf Rügen ist an vielen Stellen saniert worden. Wer die ganze Dimension und Vielschichtigkeit des Denkmals erkunden will, sollte sich am besten mit dem Rad auf den Weg machen.

Rügen: 14 Kilometer Fahrtstrecke mit dem Fahrrad

Insgesamt 14 Kilometer Fahrtstrecke sind es von einem Parkplatz in Mukran an der L 29 bis nach Binz. Mindestens einen halben Tag sollten Interessierte mit allen Stopps und Sehenswürdigkeiten einplanen. Zu Fuß benötigt man deutlich länger.

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Anne Ziebarth, Redakteurin der „Ostsee-Zeitung“, hat den Trip gewagt und sich aufs Rad geschwungen. Ihre Fahrt beginnt am Block IV, der auch heute noch eine Ruine ist. Hinter hohen Bäumen kann dieser Teil der Anlage bestaunt werden. Betreten ist hier jedoch verboten.

Die Ruine auf Rügen wird Stück für Stück saniert

Weiter geht es zu Block V und der DJH Jugendherberge Prora mit Zeltplatz. Es handelt sich um einen teilsanierten Bereich der Ruine, der den Unterschied zwischen vorher und nachher deutlich macht.

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Das ist Rügen:

  • Insel vor der Ostseeküste Vorpommerns
  • Flächengrößte und bevölkerungsreichste Insel Deutschlands
  • Etwa 77.000 Menschen leben hier
  • Rügen ist zehnmal größer als Sylt
  • Auf der Insel gibt es 100 Sonnenstunden pro Jahr mehr als in München
  • Neben Stränden gibt es auf Rügen auch viele Naturschutzgebiete

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Ein rund 300 Meter langes Stück gehört inzwischen dem Investor Bauart, der hier Eigentumswohnungen bauen will. Ein weiterer, rund 70 Meter langer Teil ist für den symbolischen Preis von einem Euro an den Bund gegangen (MOIN.DE berichtete). Hier soll das Dokumentationszentrum Prora entstehen.

„Brauner“ Teil der Anlage auf Rügen erstrahlen jetzt in weiß

Weiter geht es zu Block IV: Hier werden Stück für Stück die „braunen“ Teile der Ruine saniert – sie erstrahlen heute in leuchtendem weiß. Dort trifft Anne Ziebarth auf Das Ehepaar Zolper aus dem Ruhrgebiet und ihre Begleiterin Karin Hütter.

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„Wir wollen mal gucken hier“, sagt Klaus Zolper. „Wie es so aussieht jetzt.“ Besonders erstaunt ist der Mann aus Herne über die Wohnungspreise, die hier aufgerufen werden: „Ich hörte von 370 000 Euro, und da geht es erst los!“

Dennoch sei er froh, dass die Anlage nicht abgerissen, sondern weitergenutzt werde. Anders sieht das seine Begleiterin. „Also, da wohnen wir schöner im Ruhrpott“, sagt Karin Hütter.

Ein Hauch Bayern auf Rügen

Weiter geht es zum Hotel Mariandl, das sich im gleichen Block befindet. Dort herrscht ein süddeutscher Charme. Von „Hüttn“ und „Häusln“ ist auf Holzschildern zu lesen.

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Auch einen Edeka-Markt gibt es an dieser Stelle inzwischen, außerdem die „Neue Mitte Prora“ sowie die Sandskulpturenausstellung haben hier ihren Platz gefunden. Hinter dem Supermarkt befindet sich das NVA-Museum.

Teile der Anlage auf Rügen stehen unter Denkmalschutz

Dann führt der Weg zum Block III, der ebenfalls teilweise noch unsaniert ist. Wo sich laut „Ostsee-Zeitung“ einst die „legendäre“ Disco Miami befand, soll jetzt ein Sporthotel entstehen. Derzeit befindet sich hier das Dokumentationszentrum Prora.

Der FKK-Strand, welcher sich früher einmal in unmittelbarer Nähe befand, wurde inzwischen verlegt – an den Strandabschnitt 54/55, in Höhe des Bundeswehrsozialwerks:

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Wer das Fahrrad stehen lässt und in Richtung Strand geht, stößt auf einige denkmalgeschützte Originaltreppen und eine bröckelnde Kaimauer. Hier ist die neue Seebrücke geplant, die damit wieder zur „längsten Seebrücke Deutschlands“ werden soll (MOIN.DE berichtete).

Rügen: Vorbei an Händlern, Gastronomen und Hotels

Auf dem weiteren Weg Im Block III fährt man nicht nur an vielen Parkplätzen vorbei, sondern auch einigen Händlern und Gastronomen. Hier gibt es Eisbars, Bekleidungsgeschäfte und regionale Spezialitäten.

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  • Rügen
  • Bornholm
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  • Hiddensee
  • Fischland-Darß-Zingst
  • Poel
  • Heiligendamm
  • Timmendorfer Strand
  • Fehmarn
  • Hohwachter Bucht

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Über eine Privatstraße kommt man dann zum Block II, in dem Häuser mit Namen wie „Lido“, „Verando“ oder „Flora“ stehen. So klangvoll wie die Namen ist auch die Gegend: sehr luxuriös und sauber. Das Hotel Solitaire befindet sich ebenfalls hier.

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Dann geht es zu Block I, der eigentlich schon fertiggestellt sein sollte. Jedoch mussten die Berliner Investoren laut „Ostsee-Zeitung“ Insolzenz anmelden. Hier ist nicht mehr viel los.

Rügen: Und dann ist da noch der Block 0

Anschließend führt der Weg zum ehemaligen Block 0. Am Bundeswehr-Sozialwerk sind trotz Sprengversuche noch Bruchstücke vorhanden. Auch alte Garagen gibt es hier.

Eine davon gehört seit 1986 Dietmar Sasse. Er wohnt in einer Seitenstraße. Gemeinsam mit seinem Freund Michael Wernicke trifft er sich hier gerne auf ein Feierabendbier, um über Gott und die Welt zu schnacken.

Ihnen fehlt noch etwas in der Anlage. „Es gab Ideen für eine Uni. Das hätte man ruhig machen können“, sagt Wernicke. Und auch Sasse ist der Ansicht, dass es noch mehr Infrastruktur in der Anlage braucht. Ob es dadurch an dieser Stelle auf Rügen schöner wird als im Ruhrpott?

Die Meinungen darüber dürften – wie so oft – geteilt sein. (mk)