Sylt: Gruppe reist auf Insel umher – das hat fatale Folgen

Urlauber auf Westerland stehen am Bahnhof (Symbolbild).
Urlauber auf Westerland stehen am Bahnhof (Symbolbild).
Foto: picture alliance/dpa | Bodo Marks

Das Coronavirus ist zurück auf der Nordsee-Insel Sylt: Nach Infektionen auf der „Lanserhof“-Baustelle und in der berühmten „Sansibar“, die inzwischen sogar schließen musste (MOIN.DE berichtete), gibt es mittlerweile fast 100 Menschen, die nachweislich an Covid-19 erkrankt sind. Mehr als 200 Betroffene befinden sich in Quarantäne. Damit ist die Insel inzwischen die Kommune mit den höchsten Infektionszahlen im ganzen Kreis Nordfriesland.

Dabei war Sylt vor rund drei Wochen noch Corona-frei – keine einzige aktive Infektion wurde zuvor gemeldet. Dann reiste eine Gruppe von Menschen auf über die Insel. Seitdem steigt die Zahl der Corona-Fälle deutlich an.

Sylt: Gruppe reist auf die Insel – mit drastischen Folgen

Am Donnerstag, 14. Oktober, kamen die „Chaine des Rotisseurs“, die „Bruderschaft der Spießbräter“, für ein großes Feinschmecker-Treffen auf Sylt zusammen. Nach Angaben der Behörden feierten insgesamt 118 Mitglieder die offizielle Gründung der Sylter Ortsgruppe der Gourmet-Vereinigung.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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Insgesamt elf Lokale wurden während des Treffens, das im 2G-Format, also nur für vollständig geimpfte oder genesene Menschen, abgehalten wurde, besucht. Nach Informationen der „Welt“ seien einige von ihnen jedoch ungetestet gewesen.

Und das hatte Folgen: Wie eine Sprecherin der Sylter Feinschmecker-Gruppe der Zeitung bestätigte, seien danach rund 30 Teilnehmer mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Andere Quellen würden gar von 40 bis 50 Infizierten sprechen.

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Das sind die nordfriesischen Inseln:

  • Die nordfriesischen Inseln liegen vor der Westküste Schleswig-Holsteins im nordfriesischen Wattenmeer, einem Teil der Nordsee.
  • Neben den größeren Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand gibt es kleinere sogenannte Halligen.
  • Sie alle gehören zum Kreis Nordfriesland.

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Reisegruppe besuchte unter anderem „Sansibar“ auf Sylt

Zwar gab es – dank der Impfung – keine schweren Verläufe bei den Mitgliedern der Gourmet-Bruderschaft, doch auf Sylt haben sich die Infektionszahlen seitdem stetig erhöht.

Alleine in der „Sansibar“ ist die Zahl der auf Corona positiv getesteten Mitarbeiter auf inzwischen 35 gestiegen. Das Lokal hatte die Gruppe laut „Welt“ am dritten Tag ihres Aufenthalts besucht.

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In anderen Restaurants, in denen sie zu Gast waren, gibt es nach Angaben des für den Gesundheitsschutz zuständigen Landkreises Nordfriesland bisher jedoch keine Infektionen.

Sylt: Brachte die Reisegruppe das Virus in die „Sansibar“?

Die erste Infektion eines „Sansibar“-Mitarbeiters wurde nach Angaben des nordfriesischen Gesundheitsamtes am 22. Oktober bestätigt – fünf Tage nach dem Besuch der Rotisseure.

Die Behörde kommt laut „Welt“ daher zu folgenden Schlussfolgerungen: Dass ein Mitarbeiter die Reisegruppe angesteckt hat, gilt als unwahrscheinlich. „Nicht auszuschließen“ sei aber, dass die Feinschmecker-Gruppe das Virus in die „Sansibar“ brachte.

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Der Kreis Nordfriesland geht zudem davon aus, dass sich der Großteil der infizierten Rotisseuren erst auf der Insel angesteckt hat, vermutlich innerhalb der Reisegruppe. Das ergebe sich „aus dem erst späteren Auftreten der Symptome nach Rückkehr“, so ein Kreissprecher zu „Welt“.

Wie viele Menschen haben sich auf Sylt infiziert?

Außerdem seien die meisten Mitglieder während ihres Ausflugs nach Sylt vermutlich nicht ansteckend gewesen. Ansonsten würden die Corona-Zahlen auf der Insel wohl noch deutlich mehr in die Höhe schnellen.

Inwieweit sich noch andere Gäste der „Sansibar“ oder aus anderen Lokalen angesteckt haben, steht indes nicht fest. In Schleswig-Holstein werden die Kontaktdaten der Besucher nicht mehr erhoben.

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Daher ist auch nicht bekannt, ob noch andere Menschen nach ihrer Rückkehr in die Heimat positiv getestet wurden. Das Gesundheitsamt in Husum zählt nämlich nur die Corona-Patienten auf der Insel. (mk)