Sylt: Ich war bei „Gosch“ essen – plötzlich meldet sich meine Tischnachbarin zu Wort

Auf Sylt eine wahre Kult-Institution – die Gastro-Kette „Gosch“
Auf Sylt eine wahre Kult-Institution – die Gastro-Kette „Gosch“
Foto: imago/McPHOTO & MOIN.DE

Wenningstedt. 

„Gosch“ ist eine wahr Kult-Institution auf der Insel Sylt. Doch in letzter Zeit steht die beliebte Fisch-Kette in der Kritik. Viele Gäste sind schockiert über den lockeren Umgang mit den Corona-Vorschriften. Andere Urlauber wiederum loben die Restaurant für ihr korrektes Verhalten.

Die Meinungen zur der Kette auf Sylt sind offensichtlich gespalten.

Sylt: Ich war bei „Gosch“ essen

Zeit, mir selbst ein Bild von der Situation zu machen.

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Am Donnerstagabend war ich bei „Gosch am Kliff“ in Wenningstedt essen. Und nicht nur ich war überrascht – auch meiner Tischnachbarin fiel auf, dass hier etwas nicht stimmte.

Vor dem Lokal scheint aber erst einmal alles bestens organisiert: Sowohl Hinweise an der Wand als auch Markierungen auf dem Boden machen die Gäste auf den Mindestabstand aufmerksam.

Den halten auch alle Kunden, die vor dem Eingang auf einen Tisch warten, ein.

Sitznachbarn beim Essen auf Sylt

„Ich habe ein paar nette Sitznachbarn für dich“, teilt mir der Kellner am Eingang mit, als ich ihm sage, dass ich allein sei.

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Das ist „Gosch“:

  • „Gosch“ ist eine Unternehmensgruppe mit Sitz in List auf Sylt, die sowohl in der Gastronomie als auch im Fischhandel tätig ist
  • An mittlerweile 40 Standorten in Deutschland bietet „Gosch“ Fischküche an
  • Die gastronomischen Betriebe reichen von der Imbissbude über kleine Bistros bis hin zu großen Restaurants mit Tischbedienung
  • Unternehmensgründer Jürgen Gosch kam 1966 nach Sylt und verkaufte zunächst geräucherte Aale aus einem Bauchladen
  • 1967 machte er sich selbstständig, 1972 eröffnetet er am Lister Hafen die „nördlichste Fischbude Deutschlands“

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Er führt mich durch das volle Lokal und platziert mich an einen Tisch, an dem bereits vier Gäste sitzen. Sicherheitsabstand? Fehlanzeige!

Sylt: „Können den Laden gleich zulassen“

Als ich ihn darauf anspreche, entgegnet er, dass die Tische ohnehin schon eng beieinander stehen. Wenn das Lokal sich konsequent an die Abstände halte, müssten viele Tische gesperrt werden.

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„Da können wir den Laden auch gleich zulassen“, sagt er. Aber für den Notfall erfasse man schließlich die Daten der Gäste.

Enges Zusammensitzen auf Sylt

Damit drückt er mir einen entsprechenden Zettel in die Hand, den ich während meinem Besuch ausfüllen und beim Gehen abgeben soll. Als ein weiterer Kellner meine Bestellung aufnehmen will, meldet sich plötzlich meine Sitznachbarin Michelle van Thiel zu Wort.

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„Wieso dürfen wir eigentlich so eng zusammen sitzen?“, will auch sie von dem Angestellten wissen. „Das ist sicher nicht genug Abstand“, fällt ihr sofort auf.

Andere Restaurants auf Sylt vorbildlich

Der Mann liefert noch einmal die selbe Erklärung. Michelle van Thiel erzählt mir anschließend von zahlreichen anderen Restaurant-Besuchen auf der Insel, bei denen stets auf den Abstand geachtet wurde.

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„Gosch“ sei die erste Ausnahme. „Das dürfte doch so eigentlich gar nicht erlaubt sein“, sagt sie. Dass in dem Kult-Laden immer mal wieder fremde Parteien an einen Tisch gesetzt werden, ist kein Geheimnis.

Stellungnahme von „Gosch“ auf Sylt

Diese Tatsache bestätigte Prokurist Niko Lorenzen MOIN.DE bereits vor einigen Wochen. Allerdings sei das nur bei spontanen Besuchen der Fall. „Wir arbeiten extrem vorbildlich“, hieß es damals.

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Er hat wohl nicht ganz Unrecht: Gemeinsam mit meiner Sitznachbarin beobachte ich das Personal. Ausnahmslos tragen alle Kellner Mundschutz und desinfizieren die Tische, sobald die Gäste das Lokal verlassen.

Tisch auf Sylt sofort wieder besetzt

Doch wir sind uns einig, dass diese optimal umgesetzten Maßnahmen schlussendlich keinen Nutzen haben, wenn der Mindestabstand komplett ignoriert wird.

Während ich mein Sushi genieße, verabschieden sich meine vier Sitznachbarn – und werden nach dem Desinfizieren sofort durch die nächsten Kunden ersetzt.

Zettel verloren im Lokal auf Sylt

Am Ausgang fällt mir auf, dass ich den Zettel mit meinen Daten auf meinem Platz habe liegen lassen. Doch als ich noch einmal zurückgehe, finde ich das Stück Papier nicht mehr.

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„Keine Sorge, den hat sicher schon jemand eingesammelt“, versichert mir ein Kellner. Ich hoffe, er behält Recht...