Sylt: Kaum etwas los auf der Insel – das hat einzigartige Folgen

Auf Sylt herrscht schon seit Wochen Ruhe.
Auf Sylt herrscht schon seit Wochen Ruhe.
Foto: imago images/Chris Emil Janßen

Fast menschenleer ist die Friedrichstraße in Westerland auf Sylt. Während des zweiten Lockdowns herrscht Stillstand. Läden und Restaurants in der sonst so belebten Einkaufsstraße sind bis auf weiteres geschlossen. Im Sommer drängten sich hier noch zahlreiche Touristen.

Noch nie waren Strände und Promenaden wohl so verlassen wie jetzt. Auch wenn es auf der Nordsee-Insel Sylt im Winter immer etwas leerer ist, als üblich. Grund zur Sorge haben die Inselbewohner dennoch nicht, wie ein Beitrag der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ vermuten lässt.

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Sylt: Bewohner freuen sich über die Ruhe

„Ich bin nicht in einem gastronomischen Betrieb tätig, deswegen finde ich es einfach super. [...] Es ist ein Traum“, sagt eine Frau.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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„Jetzt ist es wirklich auch mal ein entspanntes Zugfahren. Ich genieße solche Tage wie jetzt, wenn ich privat auf der Insel bin und diese Ruhe genießen kann“, berichtet eine Pendlerin, die täglich vom Festland auf die Insel fährt. Auch andere Bewohner der Insel freuen sich über die eingekehrte Ruhe und die entspannte Atmosphäre.

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Einigen steigt der Zustand aber auch zu Kopf: „Langweilig. Man hat die ganze Insel schon abgelaufen. Irgendwann weiß man auch nicht mehr, wohin mit sich“, berichtet eine Sylterin.

Vor allem die Beschäftigten im Tourismussektor leiden unter der Situation: „Ein Hotel ohne Gäste ist traurig. Das Haus lebt von den Mitarbeitern, von den Gästen, von dem Miteinander. Unsere Gäste fehlen uns sehr“, sagt Hotelbesitzerin Andrea Trümper aus Hörnum.

Bürgermeister: „Corona hat wie ein Brennglas gewirkt“

Heute sind fast alle Hotels verlassen. Im Sommer hingegen waren die Besucheransturm kaum zu bändigen. Während Reisen ins Ausland nur schwer möglich waren, zog es viele Urlauber auf die Insel. Wegen Corona habe deswegen auch ein Umdenken begonnen, so Bürgermeister Nikolas Häckel.

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„Vieles was schon lange gärte, das fühlen viele jetzt schon. Von daher machen wir uns auf den Weg und schauen, was unsere Bedürfnisse sind und wie wir einen guten, nachhaltigen und achtsamen Tourismus für unsere Insel gestalten. Natürlich hat auch hier Corona wie ein Brennglas gewirkt und uns das auch bewusst gemacht“, sagt der Insel-Bürgermeister im ZDF.

Über die neue Ruhe freut sich auch Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer. Am Süden der Insel macht er auf ein Problem aufmerksam, gegen das die Insel seit Jahren ankämpft:

Hier an der Hörnumer Odde verliert Sylt jährlich an Fläche. Der Sand wird durch Winde und die Gezeiten ins Meer gespült, aufwendige Küstenschutzeinrichtungen können dem kaum entgegenwirken.

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Weil Führungen mit Gruppen und Schülern ausfallen, hat das Team derzeit mehr Zeit für den Küstenschutz. „Viel weniger Gäste, viel weniger Leute auf der Insel, weniger Besucher, deswegen hat die Natur natürlich mehr Raum als normalerweise“, sagt Scharper.

Wie es um die Hörnumer Bodde derzeit steht und wie viel Land Sylt in den vergangenen Jahren verloren hat, erfährst du >> hier. (mik)