Sylt: Punker sprechen Drohung gegen die Nordsee-Insel aus – „Bonzen von den Stränden fegen“

Viel wird spekuliert, was auf Sylt ab dem 1. Juni zukommen könnte.
Viel wird spekuliert, was auf Sylt ab dem 1. Juni zukommen könnte.
Foto: IMAGO / Chris Emil Janßen

„Chaos“ ist auf der Nordsee-Insel Sylt ein gängiger Begriff. Im Sommer gibt es regelmäßig ein Urlauber-Chaos, meist resultierend aus einem Anreise- oder Bahn-Chaos. Und nun könnte bald noch etwas anderes auf die Insel zukommen: Chaostage.

Über 13.000 Menschen haben sich bereits in einer Facebook-Gruppe zusammengeschlossen und kündigen die „Chaostage Sylt 2022“ an. Helfen soll dabei das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, dass es ab dem 1. Juni fast jedem in Deutschland möglich macht, sehr günstig auf die Insel und an andere Orte in Deutschland zu kommen.

Flyer kündigt Punk-Alarm auf Sylt an

Die norddeutsche Punkband „Alarmsignal“ wirbt zum Beispiel schon für die Chaostage, ebenso wie ein verheißungsvoller „Konzertflyer“. Von der Band heißt es: „Der Konzertflyer zu den Chaostagen ging ja gestern bereits viral. Genau genommen sind es ja eigentlich auch Chaosmonate (3 an der Zahl). Wie auch immer, die Reichen und Schönen zittern bereits, denn die Pöbler*innen sitzen auf gepackten Bierkisten [...]. Wenn wir mit Sylt fertig sind, ist da nur noch Nordsee und sonst nichts.“

Auf dem besagten „Konzertflyer“ werden andere Punk-Legenden wie „Wizo“, „Slime“ und sogar die amerikanische Band „Anti-Flag“ angekündigt. Daneben wollen angeblich auch „Slipknot“, „Rage against the machine“, „Die Toten Hosen“ und „die Ärzte“ Sylt im Sommer aufsuchen. Kehren sie also zurück nach Westerland?

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Für die Punk-Feinschmecker gibt es laut der Ankündigung zudem Musik von „Kotzreiz“ und „Die Kassierer“. Also alles, was irgendwie Rang und Namen hat. „Kommt mit dem 9-Euro-Ticket! Größer als Woodstock! Eintritt frei!“, heißt es auf dem Flyer.

Die ganze Insel soll an den Chaostagen in ein Festival-Gelände verwandelt werden. Im Norden von Sylt soll es dann „Brüllen ohne Noten“ und „GaragePunk“ geben, im Süden würden sich Acid/Rave-Liebhaber tummeln. Campen können die Gäste am Strand oder im Park. Die kulinarische Versorgung sieht Dosenbier und Freichampagner vor. „Bonzen von den Stränden fegen – Sylt in Schutt und Asche legen!“, heißt es auf Twitter.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt
  • Die Insel erreicht man mit dem Auto vom Festland mit dem Sylt-Shuttle der DB und dem Autozug, dazu verkehren Nahverkehrszüge und Inter City Züge der DB.
  • Auch über den Flughafen Sylt ist die Insel per Linien- und Charterverbindungen zu erreichen

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Sylt: CDU mit zu viel Prozenten

So richtig in Rage bringt so manchen Punker in den sozialen Netzwerken zudem, dass die CDU kürzlich bei der Landtagswahl auf Sylt über 60 Prozent holte. Das sorgt für eine Extraportion Motivation, es auf der Nordsee-Insel richtig krachen zu lassen und vielleicht noch das eine oder andere zerknüllte Billig-Dosenbier mehr vor dem Gucci-Store in Kampen liegen zu lassen.

„Alarmsignal“ will am 6. August ein angebliches Konzert auf Sylt spielen. Ob das alles so kommt, ist allerdings fraglich. Denn eine organisierte Party auf Sylt in Form von Chaostagen oder Chaosmonaten wird es nicht geben, das Meiste sind Späße. Wenngleich auch nicht ausgeschlossen ist, dass sich so manche Reisegruppe tatsächlich mit Dosenbier und Co. auf die Insel aufmachen wird.

Im Sommer 1988 versammelten sich beispielweise schon mal Punks in Westerland auf Sylt, Häuser wurden besetzt, Bierdosen säumten damals den Platz bei der Wilhelmine. Dann attackierte die Polizei die Punker. Wenige Wochen zuvor spielten „Die Ärzte“ damals ihr Abschiedskonzert in Westerland. 1983 erkor die Szene Sylt als Treffpunkt der „Punkbewegung“ aus. In den 80er und 90er-Jahren waren die Chaostage in Hannover berüchtigt.

Für allgemeine Beruhigung dürfte aber sorgen, dass die meisten Ankündigungen nicht ernst gemeint sind. Am Ende der Facebook-Veranstaltung zu den Chaostagen heißt es beispielweise: „Diese Veranstaltung ist reine Satire und stellt keinerlei Aufruf dar, nach Sylt zu reisen.“ Auch Karten für das angebliche Konzert von Alarmsignal lassen sich nicht kaufen, im Gegensatz zu sämtlichen anderen Gigs der Band.

„Der erste Arbeitskollege hat den Witz nicht verstanden und sich schon aufs Konzert gefreut“, heißt es von einer Frau. Gut möglich, dass er nicht der letzte gewesen sein wird.

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10 Tipps für Urlaub an der Nordsee:

  • Lütetsburg
  • Cuxhaven
  • Sankt Peter-Ording
  • Wattenmeer, zum Beispiel Neuwerk oder Nordstrand
  • Husum
  • Niedersachsens Küste: Neuharlingersiel, Dangast, Greetsiel
  • Festlandorte in Schleswig-Holstein, zum Beispiel Brunsbüttel
  • Ostfriesische Inseln
  • Sylt
  • Schleswig-Holsteins Nordsee-Inseln (Föhr, Amrum, Helgoland)

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Mehr Kapazitäten auf Sylt-Strecke

Der Hintergrund der angeblichen Chaostage: Vom 1. Juni bis 31. August sollen Fahrgäste mit dem von der Bundesregierung beschlossenen 9-Euro-Ticket besonders günstig im Bahnverkehr unterwegs sein.

Das Land Schleswig-Holstein und Nah.SH empfehlen Fahrgästen deswegen, im Sommer die besonders nachfragestarken Zeiten möglichst zu meiden und auch Fahrräder möglichst zuhause zu lassen. Es werden zwar wohl Waggons eingesetzt, aber ob das reicht um Gedränge zu vermeiden, ist fraglich. >>> Hier mehr dazu. (rg)