Sylt: Beliebtes Traditionslokal muss nach 18 Jahren dicht machen – „Schlimm“

Bea Swietczak
Sylt: Pius Regli betreibt sein „Manne Pahl“ seit 35 Jahren, seine „Pius Weinbar“ muss er unfreiwillig nach 18 Jahren schließen.
Sylt: Pius Regli betreibt sein „Manne Pahl“ seit 35 Jahren, seine „Pius Weinbar“ muss er unfreiwillig nach 18 Jahren schließen.
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Leider häufen sich die Meldungen über die Schließungen bekannter Lokal in letzter Zeit. Auch auf Sylt muss ein weiterer Traditionsladen dichtmachen. Es geht um die beliebte „Pius Weinbar“ in Keitum. Nach 18 erfolgreichen Jahren steht das Lokal nun vor dem Aus.

Es ist eine Nachricht, die nicht nur Sylt-Fans und prominente Gäste wie Johannes B. Kerner, H.P. Baxxter, Joachim Löw oder Dieter Bohlen wie einen Paukenschlag treffen wird. Auch Inhaber Pius Regli hätte niemals damit gerechnet.

Sylt: Betreiber ist empört

Wie konnte es bloß dazu kommen? Bei einem Anruf beim Betreiber Pius Regli reagiert dieser selbst ganz erstaunt und auch verärgert darüber, dass sein Vermieter ihn plötzlich nicht mehr haben will. „Dass einem Betreiber ein Vertrag nicht verlängert wird, das ist erst einmal ein normaler Vorgang“, sagt er zu MOIN.DE.

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„Allerdings finde ich die Begründung ein bisschen dreist. Von Lärmbelästigung durch meine Gäste ist die Rede. Das finde ich ehrlich gesagt ganz schön frech.“ Nachvollziehbar, denn Regli musste die 40 Plätze der Außenterrasse schon immer um 22 Uhr räumen. Drinnen waren die 40 weiteren Plätze schnell besetzt.

Neue Besucher fanden keine freien Stühle mehr. „Das ist in der heutigen Zeit ja schon schlimm genug, dass um 22 Uhr eine Terrasse in einem Ferienort schließen muss, wenn es draußen noch 25 Grad warm ist. So etwas gibt es auf der ganzen Welt nicht“, schimpft Regli.

Personalmangel in der Gastronomie von Sylt

„Weil der Vermieter die ganze Zeit darauf bestanden hat, habe ich mich natürlich daran gehalten. Man kann uns viele Vorwürfe machen, aber auf keinen Fall, dass wir zu laut waren.“ Pius Regli hätte gern noch um weitere Jahre verlängert.

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Das ist Sylt:

  • Sylt ist die größte nordfriesische Insel und liegt in der Nordsee
  • Nach Rügen, Usedom und Fehmarn ist Sylt die viertgrößte Insel Deutschlands
  • Die Insel Sylt ist vor allem für ihre Kurorte Westerland, Kampen, Wenningstedt und den ca. 40 Kilometer langen Sandstrand im Westen bekannt
  • Zahlreiche Gebiete auf und um Sylt sind als Schutzgebiete ausgewiesen. Auf der Insel gibt es allein zehn Naturschutzgebiete
  • Der Tourismus ist seit über 100 Jahren auf Sylt von erheblicher Bedeutung, seit Westerland 1855 zum Seebad (Kurort) wurde
  • Im Sommer befinden sich täglich rund 150.000 Menschen auf der Insel
  • Zum Vergleich: Lediglich rund 18.000 Menschen leben auf Sylt

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+++ Nordsee: Dieser Ort an der Küste kommt nicht zur Ruhe – und das wird auch so bleiben +++

„Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste“, sagt er. „Aber die Weinbar hat eines der besten Gastronomie-Konzepte, die man umsetzen kann. Denn es gibt keine Küche, womit die Personalabhängigkeit entfällt. Und eines darf man nicht vergessen. Die Weinbar war unheimlich beliebt bei den vielen Gästen, weil es unkompliziert war. Es gab nur kleinere, Wein begleitende Speisen.“

Die Personalsituation in der Gastronomie ist zur Zeit generell und auf Sylt ganz besonders ein Problem. „Das werden wir künftig immer mehr feststellen“, sagt Regli, der vor 43 Jahren als Kellner auf der Insel anheuerte.

Inhaber hätte Lokal auf Sylt gerne weiter betrieben

„Die Weinbar ist ein Laden, in dem ich niemanden brauche, der gut kochen kann. Ein bisschen Flammkuchen, Convenience-Produkte, Käse und Schinken. Dazu ein schönes Glas Wein. Fertig. Von dem Aspekt her ist es für mich ein großer Verlust. Und einen Laden dieser Art gibt es in Keitum sonst nicht. Ich will es mal so ausdrücken: Die Weinbar passte perfekt in die Landschaft.“

Normalerweise gibt es ja Miet- oder Pachtverträge mit immer wieder neuen Optionen auf weitere Jahre. War das hier nicht der Fall? „Doch, das hatten wir ja am Anfang“, erzählt Pius Regli. „Wir hatten schon zweimal fünf Jahre. Dann weitere fünf Jahre. Danach hatte ich auf drei Jahre verlängert, die jetzt vorbei sind. Ich hätte gern nochmal um einige Jahre verlängert.“

Doch der Vermieter stellt sich quer. Vielleicht hat er ja einen guten Grund. Aber was er künftig dort plant, ist ungewiss. „Da rückt er ja nicht mit der Sprache heraus und macht dicht“, sagt Pius Regli. „Das würde mich nämlich auch mal brennend interessieren.“

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Schließungen auf Sylt ein großes Thema

Berührt die Schließung ihn auch emotional? „Wenn so etwas passiert, dann geht man immer mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber bei diesem Lokal weine ich schon ein bisschen mehr“, gesteht er und verrät: „Ich gehe mit dieser Information jetzt schon, und nicht erst im nächsten Jahr, an die Öffentlichkeit, weil diese Schließungen auf Sylt ein großes Thema sind.

Denn auch die ,Alte Backstube’ muss überraschenderweise dicht machen.“ Und weiter: „Ich möchte gern, dass man sich mal darüber unterhält, wer hier wofür welche Genehmigungen bekommt, und wer nicht.“

Pius Regli betreibt sein „Manne Pahl“ seit 35 Jahren, seine „Pius Weinbar“ muss er unfreiwillig nach 18 Jahren schließen. Ebenfall unfreiwillig aufgeben musste eine beliebtes Lokal an der Ostsee-Küste. Der Grund dafür ist kaum zu fassen. >>> Hier kannst du mehr darüber lesen.