Hamburg: Mitarbeiterin aus Corona-Testzentrum packt aus – „Bei uns heult man“

Jade Hudson kennt sich aus mit Corona-Tests. Die Frau aus Hamburg hat inzwischen hunderte Bürger getestet (Symbolbild).
Jade Hudson kennt sich aus mit Corona-Tests. Die Frau aus Hamburg hat inzwischen hunderte Bürger getestet (Symbolbild).
Foto: imago images/ULMER Pressebildagentur & privat

Wenn Jade Hudson zur Arbeit geht, muss sie sich – wie so viele Menschen in Hamburg – erst einmal testen. Stäbchen rein in die Nase, ein paar Mal drehen, abstreichen und dann 15 Minuten auf das Ergebnis warten. Die erste Runde von Dutzend weiteren.

Denn die junge Frau aus Hamburg arbeitet in einer Corona-Teststation. „Ein Mix der Gefühle“, beschreibt sie das erste Mal, als sie einer fremden Person das Stäbchen eingeführt hat. Man wolle schließlich niemandem wehtun. Trotzdem gibt es oft Schreie. Und manchmal auch Tränen.

Hamburg: Von oben bis unten geschützt

Sobald Jades Test negativ ausgefallen ist, zieht sie sich ihre Schutzmontur über. Kittel, Haube, Faceshield, Maske. „Ich bin von oben bis unten komplett einkostümiert, damit ich mich auch selber schützen kann“, erklärt sie.

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Meistens warten dann bereits die ersten Kunden. Für den Test braucht man eigentlich einen Termin. In Ausnahmefällen – wenn wenig los ist oder die Internetseite Probleme macht – kann man die Wartenden auch per Hand ins System eintragen.

Oder auf umliegende Testzentren ohne Termin verweisen. „Jeder wird auf jeden Fall so beraten, dass er am selben Tag noch getestet wird“, betont Jade Hudson. Das sei in der aktuellen Zeit besonders wichtig.

Testen fester Bestandteil im Alltag der Menschen in Hamburg

„Man braucht die Sicherheit, dass man kein Corona hat, um sein tägliches Leben leben zu können“, fasst sie es treffend zusammen. Ein Gang zur Test-Station ist für viele Bürger inzwischen fester Bestandteil des Alltags. Seit der Einführung der 2G Plus Regelung ist mit noch mehr Ansturm zu rechnen.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Im Test-Container, in dem Jade arbeitet, können circa alle fünf Minuten zwei Personen getestet werden. Da die meisten aber früher zum Termin erscheinen und „wir zügig vorankommen“, könne man meist sogar noch mehr Menschen testen. Die gesamte Auslastung der Station beträgt zurzeit 130 Prozent.

Obwohl vielen das Test-Prozedere bekannt ist, bekommen die Mitarbeiter „ein breites Spektrum an Reaktionen“ zu spüren. Man komme den Kunden schließlich nicht nur zu nahe, sondern führe ihnen noch dazu das Stäbchen ziemlich weit in die Nase ein. Eine vor Corona kaum vorstellbare Situation.

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Sobald man die Leute aufgeklärt habe, sei es aber eigentlich ganz simpel. Auch für Jade, für die der Job nach zwei Monaten zur Routine geworden ist. „Inzwischen ist es für mich total normal, den Leuten in der Nase rumzubohren“, lacht sie.

Schreie im Testzentrum in Hamburg

„Man hat aber auch Leute, die ziehen ihr Gesicht weg, drücken dich weg oder halten dich fest“, erzählt die Hamburgerin. Reflexe, bei denen die Mitarbeiter ganz gelassen bleiben müssen. Es gibt aber auch noch heftigere Reaktionen.

Immer wieder schreien Kunden das Personal im Testzentrum an. Das passiere nicht so häufig, „aber oft genug“, berichtet Jade. Auch das lassen die Mitarbeiter kommentarlos über sich ergehen. „Man muss Empathie zeigen“, so die Mitarbeiterin. So ein Test sei immerhin alles andere als angenehm.

Rührende Geste in Hamburg

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein Mann, der „ganz komische und blöde Witze gerissen hat“, beschreibt sie. Sie lachte zwar damals mit, war aber froh, als der Kunde den Container wieder verlassen hat. Es gibt aber auch herzerwärmende Begegnungen.

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Besonders mit älteren Menschen. Viele von ihnen kommen täglich. „Die hat man schon ein bisschen ins Herz geschlossen“, sagt die Hamburgerin.

Einige Damen hätten offensichtlich Redebedarf und quatschen gerne mit dem Personal. Eine von ihnen habe den Mitarbeitern sogar kürzlich ein selbstgebasteltes Glas für Trinkgeld mitgebracht. Eine rührende Geste.

Sobald ein positives Testergebnis vorliegt, muss der Container vollständig gereinigt und desinfiziert werden. Die Mitarbeiter müssen ihre Schutzbekleidung wechseln und die benutzen Sachen wegwerfen. Während der Zeit werden die Wartenden draußen weitergetestet.

Zahlen in Hamburg gehen durch die Decke

Eine aufwendige Prozedur, die aber bei den vielen positiven Fällen derzeit zu einem eingespielten Ablauf geworden sei. Inzwischen gehe das Ganze sehr schnell von der Hand.

Während man im vergangenen Jahr innerhalb von sechs Monaten 13 positive Fälle gezählt hatte, ist es aktuell mindestens einer am Tag. Omikron macht sich bemerkbar. Im Vergleich zum Dezember habe die Anzahl positiver Tests rapide zugenommen.

„Man merkt, dass das, was in den Medien berichtet wird, der Realität entspricht“, stellt Jade Hudson immer wieder fest. Der Kontakt mit dem Virus ist für sie Routine geworden. „Es stumpft schon ein wenig ab“, gibt sie zu.

Menschen in Hamburg teilweise genervt

Während der Container geputzt wird, ruft ein anderer Mitarbeiter die positiv getestete Person an und informiert die anliegende Apotheke, die die Daten wiederum ans Gesundheitsamt weitergibt. Für den Betroffenen heißt das: Nach Hause, Quarantäne und über den Hausarzt oder die 116 117 Hotline einen PCR-Test bestellen.

„Es gibt einige, die sind dann genervt“, erzählt die Hamburgerin. Hauptsächlich diejenigen, die bereits eine Infektion hinter sich und darauf gehofft haben, nicht noch einmal in Quarantäne zu müssen. Der Großteil der Leute reagiere aber relativ gelassen auf die Nachricht.

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Ist das Ergebnis „nicht eindeutig“, können die Kunden sich direkt noch einmal einen Abstrich nehmen lassen. Obwohl das Stäbchen sehr tief in die Nase geschoben wird, hören die Mitarbeiter immer wieder von den Kunden, dass sie sich damit sehr sicher fühlen.

Tränen beim Testen in Hamburg

„Bei uns heult man zwar, dafür weiß man aber, dass das Ergebnis korrekt ist“, fasst Jade Hudson zusammen. Tränen kommen tatsächlich sehr oft hoch. Das liegt aber nicht etwa an dem Schmerz oder dem unangenehmen Gefühl, sondern an einem Nerv, der beim Testen getroffen werden kann.

Dieser löst dann die Tränenreaktion aus. „Wenn eine Träne fließt, dann ist der Test richtig durchgeführt worden“, erklärt die Mitarbeiterin. Das merke sie auch, wenn sie sich selbst testet.

Ihre Schicht endet damit, dass sie in einem Zettel das Material vermerkt, dass für die Folgeschicht gebraucht wird. Oft packt Jade die Ausrüstung für den nächsten Mitarbeiter auch schon zusammen.

Hamburg: Regeln sind enorm wichtig

„Vor allem jetzt, wo die Zahlen höher sind, kann man auch schon davon ausgehen, lieber mehr Sachen in den Container zu tragen als zu wenig“, merkt sie an. Bei vielen positiven Fällen können genug Reserven nicht schaden.

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Alle 15 Minuten muss der Raum gelüftet werden, damit sich ein Luftaustausch bildet. Es darf weder zu warm noch zu kalt sein in dem Container, damit die Tests auch richtig funktionieren. Dass die Regeln eingehalten werden, ist Jade und ihrem Team enorm wichtig.

„Das hat ja alles seinen Sinn“, sagt die Hamburgerin. „Vor allem jetzt mit Omikron und den steigenden Zahlen möchte man umso genauer sein“, fügt sie hinzu.

Bleibt zu hoffen, dass der Aufwärtstrend bald ein Ende nimmt und die Testkasetten wieder häufiger nur einen Strich zeigen – das Zeichen für ein negatives Ergebnis.