Hamburg: Dieser Mann durchlebt Unfassbares Zuhause – und kann sich nicht dagegen wehren

Seit über einem Jahr kann Bastian S. in seinem eigenen Zuhause in Hamburg kaum mehr schlafen.
Seit über einem Jahr kann Bastian S. in seinem eigenen Zuhause in Hamburg kaum mehr schlafen.
Foto: imago images / Jannis Große & privat

Seit mehr als einem Jahr hat Bastian S. aus Hamburg kaum eine ruhige Nacht mehr erlebt. Grund dafür ist seine Nachbarin, die fast täglich das Haus mit einer lauten Anlage beschallt. Und das meist mitten in der Nacht.

„Es macht einen auf Dauer krank“, sagt der Mann aus Hamburg-Wilhelmsburg. Ob Gespräche mit der lärmverursachenden Partei, Briefe an die Hausverwaltung oder Beschwerden von anderen Nachbarn, die genauso leiden wie der 33-Jährige – geholfen hat bisher nichts.

Hamburg: Dröhnende Musik und Partys

Das Hauptproblem sei die Musik, erzählt Bastian S. im Gespräch mit MOIN.DE. Da er Nachteile bei der zukünftigen Wohnungssuche befürchtet, möchte er seinen vollen Namen nicht nennen. „Sie hat eine richtige krasse Anlage, mit der man auch ein Festival beschallen könnte.“ Der Bass dringe durch die Wände, sodass die ganze Wohnung wackelt.

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„Da kann man auch mit Ohrstöpseln wenig machen“, sagt der 33-Jährige. Dazu kämen noch Partys, die die Mieterin regelmäßig feiere. Zahlreiche Gäste – auch während des Lockdowns und trotz strenger Kontaktbeschränkungen – hielten sich dann in der Wohnung auf.

Auch weitere Anwohner in Hamburg leiden

„Sie schreien, tanzen, knallen Türen“, zählt der Nachbar auf. Bastian S. und sein Mitbewohner hätten schon häufig das Gespräch mit der Nachbarin gesucht, immer wieder. „Dann ist sie eigentlich immer sehr höflich und kooperativ, entschuldigt sich und macht die Musik aus.“

Doch anschließend gehe es wieder von vorne los. „Es hieß lange Zeit, wir seien die Einzigen, die sich beschweren“, berichtet der 33-Jährige. Durch Gespräche mit anderen Nachbarn hat sich aber schneller herausgestellt, dass das nicht der Fall ist.

Massive Lärmbelästigung in Hamburg

„Völlig gaga“, findet Bastian S. Er beschloss, sich an die SAGA zu wenden. Die Wohnungsgesellschaft, die das Mehrfamilienhaus vermietet. „Wir haben zig Briefe geschrieben, uns vorher auch schon zahlreiche Male beschwert“, erzählt der Hamburger.

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Daten und Fakten zur Miete in Hamburg:

  • In Hamburg zahlt man in guter Wohnlage im Durchschnitt 13 Euro Miete pro Quadratmeter
  • Laut einer Umfrage des Senders NDR 90,3 und dem Hamburg Journal geben Befragte aus der Hansestadt im Schnitt 773,41 Euro Nettokaltmiete pro Monat für ihre Wohnung aus
  • Damit geben sie mehr als 30 Prozent ihres Gesamteinkommens für Miete aus
  • In den letzten fünf Jahren sind 40.000 neue Wohnungen gebaut worden
  • Dennoch mangelt es in Hamburg an bezahlbarem Wohnraum
  • Im Juli 2018 wurde die Mietpreisbremse für fünf Jahre in der Hansestadt erlassen
  • Sie besagt, dass die Miete beim Abschluss eines Mietvertrags maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen darf

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Einmal hätten sogar fünf weitere Nachbarn einen Zettel an die SAGA unterschrieben und damit noch einmal betont, „dass die Partei unter uns den Hausfrieden stört und viel zu laut ist und wir uns alle belästigt fühlen“, sagt der 33-Jährige.

Hamburg: Keine Reaktion von der SAGA

Zunächst habe er die Information erhalten, die Mieterin sei längst ausgezogen. Das war offensichtlich nicht der Fall. Auf weitere Anfragen und Beschwerden sei wochenlang nicht reagiert worden.

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„Ich war mehrfach in der Hotline. Teilweise wusste keiner, wer ich bin und worum es geht“, erinnert sich Bastian S. Währenddessen hat er mit seinem Mitbewohner ein Lärmprotokoll geführt.

Fazit: „Dutzende, vielleicht schon an hundert Fälle gehende Belästigungen und Lautstärkeüberschreitungen zu allen möglichen Uhrzeiten in der Nacht.“

Hilfe für die Nachbarn in Hamburg

Die Fälle zu dokumentieren, rät auch Marielle Eifler, Sprecherin des Mietervereins zu Hamburg. „Die Frage, ob eine unzumutbare Belästigung vorliegt, richtet sich danach, ob der Lärm vermeidbar ist“, erklärt sie auf Anfrage von MOIN.DE. Bei der Nachbarin von Bastian treffe das ganz klar zu.

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Was können Mieter tun?

  • Eskalation vermeiden
  • An Einsicht der Nachbarn appellieren und das Gespräch suchen, auf das Gebot der Rücksichtnahme hinweisen
  • An Verwaltung bzw. Vermieter wenden, damit er die Nachbarschaft von vermeidbaren Störungen freihält
  • Lärmprotokoll führen, mit anderen Nachbarn zusammentun
  • In dringenden Fällen die Polizei einschalten

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„Der Vermieter muss gegen den Störer vorgehen und gegebenenfalls Abmahnungen aussprechen und eine Kündigung androhen“, stellt die Expertin klar. Obwohl der 33-Jährige all das versuchte, hat sich an der Situation nichts geändert.

Hamburg: „Psychisch belastend“

Inzwischen wisse er, dass die Wohnung nicht von der Frau, sondern von einer Organisation angemietet sei. Diese unterstütze wohnungslose Menschen dabei, wieder eine eigene feste Bleibe zu bekommen.

„Sie weiß wohl einfach nicht, wie man sich in einem Mehrfamilienhaus zu verhalten hat“, vermutet Bastian S. Trotzdem ist seine Geduld inzwischen aufgebraucht. „Es ist psychisch belastend“, sagte er. „Man fühlt sich im eigenen Zuhause nicht mehr wohl.“

Als weitere Maßnahme griffen sein Mitbewohner und er zur Mietminderung. Seit mehreren Monaten schon zahlen sie weniger an die SAGA als vertraglich vereinbart, sagt er. „Die Reaktion waren erst einmal ausschließlich Mahnungen“, berichtet der Hamburger.

Häufigstes Problem in Hamburg seit Corona

Eine Mietminderung kann laut Eifler den Druck auf den Vermieter erhöhen. Wer seine Miete unberechtigterweise oder zu drastisch kürze, riskiere allerdings eine Kündigung. Deshalb sei solch eine Maßnahme „ohne Rechtsberatung mit Vorsicht zu genießen“.

Vor allem seit Ausbruch der Pandemie hat der Mieterverein fast täglich mit Fällen von Lärmbelästigungen zu tun. „Das ist der häufigste Problem in der Corona-Zeit“, sagt Marielle Eifler.

Situation in Hamburg „eine Belastung für die Nachbarn“

Auf Anfrage von MOIN.DE beteuert die SAGA, gegen den Fall vorzugehen. „Die Lärmbelästigungen und auch die Verursacherin sind bekannt“, sagt ein Sprecher der Unternehmensgruppe. Die zuständige Geschäftsstelle sei schon seit Längerem tätig, „denn die Situation stellt nachvollziehbar eine hohe Belastung für die Nachbarn dar“.



Auch der Sprecher der SAGA rät Mietern zu einem Störungsprotokoll. Denn erst wenn „derartige Protokolle mit ausreichend relevanten und dokumentierten Vorfällen bei uns eingehen, werden wir umgehend tätig“.

Das bedeute zunächst eine Abmahnung, bei wiederholten Verstößen eine Kündigung und schlussendlich eine Räumungsklage. „Alle zielführenden mietrechtlichen Schritte werden in diesem Fall ausgenutzt, um die aktuelle Situation schnellstmöglich zu beenden“, versichert die SAGA.

Bisher ist nichts passiert in Hamburg-Wilhelmsburg

Nach einem Schreiben von Bastian S., mit dem sie der Wohnungsgesellschaft „richtig Druck gemacht“ und „sehr ausdrücklich gedroht haben mit rechtlichen Konsequenzen“ sei ein Kundenberater dann endlich direkt auf sie zugekommen.

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Inzwischen sollen an den Hamburger und seinen Mitbewohner laut SAGA auch keine Mahnungen mehr aufgrund der Mietminderung versendet werden. Seit unserer Anfrage ist knapp einen Monat vergangen. An der Lage hat sich laut dem 33-Jährigen immer noch nichts geändert.

Mieter aus Hamburg ist am Ende

Der Mieter ist wütend und frustriert. „Es ist sehr bitter. Man fühlt sich machtlos“, sagt Bastian S. „Was ist das für ein Mensch, der so wenig Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt?“, fragt er sich.

Es falle ihm schwer, sich auf etwas anders als den Dauerkleinkrieg mit der Nachbarin zu konzentrieren. „Eine massive Einschränkung der Wohnungsnutzung, eine Dauerbelastung“, fasst er zusammen. Ihm ist auch bewusst, dass noch Monate vergehen können, bis sich etwas tut.

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Bleibt zu hoffen, dass die SAGA ihrem Versprechen nachkommt und mit allen Mitteln daran arbeitet, das Leiden der Nachbarn zu beenden. Sonst könnten sich die Anwohner laut Eifler darauf einstellen, vor Gericht auszusagen. Denn im schlimmsten Fall lässt kann den Kleinkrieg tatsächlich nur ein Richter lösen.