Hamburg: Diese Schmuddelecke wird bald die halbe Welt kennen – und dann wird jeder dort hinwollen

Startet man in Hamburg an der Elbphilharmonie und nimmt sich Zeit, wird man am anderen Ende des Stadtteils ein neues Areal erreichen: das sogenannte Elbbrücken-Quartier.
Startet man in Hamburg an der Elbphilharmonie und nimmt sich Zeit, wird man am anderen Ende des Stadtteils ein neues Areal erreichen: das sogenannte Elbbrücken-Quartier.
Foto: imago images / Chris Emil Janßen, Fotofrizz / BBEG (Montage MOIN.DE)

Wohin treibt es Touristen in Hamburg? Na klar: Reeperbahn, Rathaus, Landungsbrücken und Elbphilharmonie. Allesamt Ziele, die auch Einheimische oft und gerne aufsuchen. Viele machen sich vom Konzerthaus aus auf zu einem Spaziergang durch die HafenCity, die sich mittlerweile über ein ziemlich weitläufiges Gebiet erstreckt.

Startet man in Hamburg an der Elbphilharmonie und nimmt sich Zeit, wird man am anderen Ende des Stadtteils ein neues Areal erreichen: das sogenannte Elbbrücken-Quartier. Heute liegt es fast brach, doch in ein paar Jahren wird hier es die halbe Welt kennen. Und dann wird jeder dort hinwollen, um es zu sehen. Auch wenn viele kritisieren, was dort passiert.

Hamburg: Das neue Quartier

Herzstück des Quartiers ist die neue U-Bahn-Station Elbbrücken. Die liegt etwa drei Kilometer Fußweg vom Hauptbahnhof und der Innenstadt enfernt. Nach einem Spaziergang durch die HafenCity erreicht man sie.

Direkt vor dem Bahnhof gibt es allerdings keinen schicken Vorplatz oder Wohnhäuser, sondern nur totale Leere. Noch ist es Bauland, Barken sind auf der Straße zu sehen.

Eine große Hinweistafel direkt am Bahnhof zeigt, was hier unter anderem alles entstehen soll:

Büroflächen über Büroflächen. Davon gebe es schon mehr als genug in Hamburg, sagen Kritiker. Der Blick in Richtung Bahnhof, der dann nicht mehr zu sehen sein wird, würde dann wegen der vielen Hochhäuser in etwa so aussehen:

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Hamburg: Rein in den Bahnhof

Nun geht es aber rein in die U-Station Elbbrücken. Die U4 verkehrt dort schon eine Weile. Der Bahnhof ist Endhaltepunkt. Noch.

Denn eines Tages soll die U4 über die Elbe und direkt neben den historischen Elbbrücken verlängert werden, hin zum neuen Stadtteil Grasbrook. Es wäre die erste U-Bahn, die in Hamburg südlich des Flusses verläuft. Bislang fahren in Veddel, Wilhelmsburg und Co. nur S-Bahnen, Regional- und Fernzüge.

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Die U-Bahn-Station ist über einen Tunnel mit einer weiteren, gleich aussehenden Bahnstation verbunden.

Es ist die S-Bahn-Station der Elbbrücken. Hier halten die starkfrequentierten Linien S3 und S31. Ein neuer Knotenpunkt, der mittlerweile auch ans Busnetz angeschlossen ist.

Hamburg: Das neue Highlight

Tritt man aus der S-Bahnstation heraus, eröffnet sich der Blick auf eine weitere Brachfläche, auf der nichts zu sehen ist.

An dieser Stelle soll bald das Prunkstück entstehen: der umstrittene, 245 Meter hohe Bürokomplex Elbtower, der von einem Investor gebaut wird. Kritiker halten ihn wegen seiner gigantischen Höhe für maßlos übertrieben und nicht zu Hamburg passend, Fans feiern ihn als neues Wahrzeichen der Stadt.

Der Elbtower wird wohl auch der Hauptgrund sein, weshalb eines Tages massig Touristen und Einheimische an die Elbbrücken reisen werden und die Ecke, überspitzt gesagt, die halbe Welt kennen wird. Der Wolkenkratzer ist nach Fertigstellung eines der höchsten Hochhäuser in der Europäischen Union und bekommt eine Aussichtsplattform in 200 Meter Höhe, die der Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Hamburg: Das neue Highlight

An der aktuellen Brachfläche vorbei kommt man nach ein paar wenigen Metern an jene Stelle, weswegen die Elbbrücken heute vor allem bekannt sind: Hier beginnt die Autobahn 255, ein Zubringer zur A1 (nach Bremen) oder auch der A7 (Hannover/Süddeutschland). Mit einer ominösen Bushaltestelle in der Mitte der Straße.

Zehntausende Menschen fahren hier täglich vorbei. Es ist das Stadtein- und auch Ausgangstor, an dem wohl jeder in vier Jahren von einem gigantischen Wolkenkratzer gegrüßt wird.

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Noch wirkt das Umfeld der Elbbrücken schmuddelig-charmant. Da ist der Blick auf die schicken alten Brücken, zahllose halbherzige Graffiti, der höllenlaute Verkehrslärm und die damit verbundene Hektik. Alles hat man beim Bau vor Jahrzehnten auf den Autoverkehr ausgelegt.

Hamburg: Die Oase

Wer die Autobahn überqueren will, findet natürlich keine Ampel. Stattdessen geht es durch eine Unterführung, die sogleich Zubringer zur Bushaltestelle ist.

Und dann? Durch den Tunnel hindurch steht man vor dem, was an der lauten Ecke so etwas wie die Oase genannt werden kann.

Nur noch das Wasser trennt einen vom Elbpark Entenwerder, der vor allem im Sommer heiß begehrt ist bei Spaziergängern, Fahrradfahrern und Joggern.

Damit der Park noch schneller von der Bahnstation und dem neuen Quartier aus Hochhäusern und Wolkenkratzer erreicht werden kann, wird eine neue, 135 Meter lange Brücke für Fußgänger und Fahrradfahrer gebaut.

Hamburg verbindet zwei Stadtteile

Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der Billebogen Entwicklungsgesellschaft zu dem Bau:

„Die neue Brücke schafft die Voraussetzung dafür, dass Rothenburgsort von der HafenCity profitieren kann und umgekehrt. Sie macht das vielfältige Angebot an Arbeitsplätzen, Wohnmöglichkeiten, Freizeit, Kultur, ÖPNV sowie sozialer Infrastruktur mit Schulen und Kindergärten in der HafenCity erreichbar. Umgekehrt gelangen die Bewohner der HafenCity auf kurzem Weg zum Entenwerder Park mit seinen attraktiven Freizeitflächen.“

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Da der Bau aber erst 2022 startet, geht es über einen kleinen Umweg und eine andere Fußgängerbrücke an einem eingezäunten Gebäude vorbei, das nach einem Lost Place aussieht.

Danach steht man dann drin in der grünen Oase, die zur kalten Jahreszeit hauptsächlich von Hundebesitzern aufgesucht wird.

Hamburg: Wenige Minuten Fußweg

Bis zu diesem Punkt sind es vom Start an der U-Bahn-Station mit der neuen Brücke nur ein paar wenige Minuten.

Wer noch ein Stück weiter durch den Elbpark Entenwerder schlendert, erreicht die große Grünanlage, die im Sommer für kleinere Festivals oder von Tausenden Besuchern zur „Summer Opening“-Party bevölkert wird.

Die Stadt Hamburg verbindet also ihr neues Hafencity-Quartier auf schnellem Weg über eine neue Bahnstation, einen gigantischen Wolkenkratzer und eine neue Brücke mit einer beliebten Grünfläche. Und auch mit einem der eher prekäreren, ärmeren Stadtteile in Innenstadtlage: Rothenburgsort.

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Spannend wird zu sehen sein, wie sich die Situation in ein paar Jahren verhält und mit Themen wie Verschuldung und Home-Office nach der Corona-Krise umgegangen wird. Werden die Massen an Büroflächen im Elbbrücken-Quartier tatsächlich gebraucht und vermietet?

Der Elbtower, dessen Investor René Benko auch Eigner der stark gebeutelten Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ist, hatte sich zuletzt immerhin über den ersten Mieter gefreut. Mehr dazu kannst du >>> hier lesen.