Hamburg: Malle-Reisende warten am Flughafen, eine Sache verstehen sie einfach nicht

Viele Malle-Reisende am Flughafen Hamburg können eine Regel einfach nicht verstehen.
Viele Malle-Reisende am Flughafen Hamburg können eine Regel einfach nicht verstehen.
Foto: picture alliance/dpa | Bodo Marks, picture alliance / ZUMAPRESS.com | John-Patrick Morarescu (Symbolbilder, Montage MOIN.DE)

In Terminal 1 am Flughafen Hamburg hat sich eine Taube verirrt. Sie hockt auf einem Schild und putzt sich das Gefieder. Während der Pandemie fallen vergleichsweise wenig Krümel für sie ab. Ein paar Kinder schreien, sonst ist es ruhig in der großen Halle von Terminal 1.

Ein Geschäftsmann, der auch in der Pandemie regelmäßig fliegt, sagt, so viel sei schon lange nicht mehr los gewesen am Flughafen Hamburg. Er steht in der Schlange vor dem Check-in-Schalter 2. Destination: Palma de Mallorca.

Hamburg: Fast alle tragen eine FFP2-Maske zum Schutz vor Corona

Um 14.40 Uhr soll die Maschine abheben. Einmal im Monat fliege er mindestens nach Mallorca, sagt der Mann. Immer geschäftlich, jeweils für ein paar Tage. Er habe sich in all dieser Zeit immer sicher gefühlt. Der Mann trägt eine FFP2-Maske – wie fast alle hier. Medizinische Masken sind am Flughafen Hamburg Pflicht.

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Viele sind an diesem Mittwoch geschäftlich unterwegs. Andere besitzen Ferienwohnungen auf der Insel, die sie seit Monaten nicht mehr vermietet haben. Sie wollen mal wieder nach dem Rechten sehen.

Wer wegen der wilden Ballermann-Partys bislang nach Mallorca gereist war, findet dort gerade nicht, wonach er sich sehnt. In Spanien gelten nach wie vor strenge Regeln. Es ist und bleibt eine Pandemie.

Hamburg: Ein negativer Corona-Test ist Pflicht

Für die Malle-Reisenden ist ein negativer Corona-Test Pflicht. Es muss ein PCR-Test sein, ein Schnelltest reicht nicht. Zur Kontrolle müssen die Fluggäste das negative Testergebnis am Schalter vorzeigen.

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Das ist die Baleareninsel Mallorca:

  • Mallorca ist eine Insel im westlichen Mittelmeer, gehört zu Spanien
  • ist etwa 170 Kilometer vom Festland entfernt
  • Einwohner rund 896.000 Menschen (Stand 2019)
  • Hauptstadt der Insel heißt Palma
  • dort spricht man auch Katalanisch
  • größte Insel, die zu Spanien gehört

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Selbst-Check-ins für Flüge nach Mallorca und weitere Destinationen sind deshalb gerade nicht möglich. Er finde das überflüssig, sagt ein junger Mann in der Schlange. Das ginge seiner Meinung nach auch mit einem Self-Check-in.

Der 20-Jährige studiert in Hamburg und besucht seine Eltern, die auf Mallorca leben. Er sei während der Pandemie schon drei, viermal nach Mallorca geflogen. Auf der Insel sei er dann bei seinen Eltern, das sei alles sicher. Das Wort „sicher“ fällt in der Schlange häufig. „Eine Bahnfahrt nach Berlin wäre nicht sicherer als dieser Flug“, sagt eine Frau.

Hamburg: Mallorca erlebt gerade einen Buchungsboom

Die Schlange vor dem Check-in windet sich zwei Mal vor dem Tresen. Einige Pärchen sind dabei, eines mit Baby. Viele stehen alleine in der Schlange.

Mallorca erlebt gerade einen Buchungsboom. Die Bundesregierung hatte die Balearen von der Liste der Risikogebiete gestrichen und die Reisewarnung wegen stark gesunkener Infektionszahlen aufgehoben.

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Daten und Fakten zum Hamburg Flughafen:

  • Der Flughafen Hamburg ist der älteste und fünftgrößte Flughafen Deutschlands (Eröffnung: 1911)
  • Der Flughafen Hamburg liegt im Stadtteil Fuhlsbüttel, mit einem kleinen Teil auf Norderstedter Gebiet
  • Der Flughafen Hamburg hat eine Fläche von 570 Hektar (zwei Terminals), 32 Hektar nimmt dabei das Haupt-Vorfeld ein
  • Am 10. November 2016 erhielt der Flughafen Hamburg den Namenszusatz „Hamburg Airport Helmut Schmidt“

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Damit entfiel auch die Quarantäne für Rückkehrer. Das hat zu vielen Buchungen geführt, aber auch zu hitzigen Diskussionen, ob man damit einen neuen Infektionsherd riskiert.

Hamburg: „Testen, testen und nochmal testen“

Beim Corona-Gipfel am Montag hatten sich die Kanzlerin und die Ministerpräsidenten darauf verständigt, dass Fluggesellschaften künftig alle Urlaubsrückkehrer bereits vor dem Abflug nach Deutschland auf das Coronavirus testen – auch aus Nicht-Risikogebieten, wie beispielsweise Mallorca.

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Spricht man Passagiere in der Schlange vor Check-in 2 darauf an, sagen sie: „Das ist gut so.“ Testen, testen und nochmal testen sei jetzt gefragt. Dann sei Fliegen auch kein Problem, findet ein Mann. Er habe auf Mallorca einen Zeitwohnsitz und fliege nachhause, wie er sagt.

Was er absolut nicht verstehen könne: „Warum man nicht in Deutschland reisen und Urlaub machen kann. Das ist doch Schwachsinn, dass wir nicht an die Ostsee können.“

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Diese Sache können auch einige andere Malle-Reisenden nicht verstehen: Warum im Inland keine Reisen erlaubt sind. „Mir tut das leid für alle, die statt nach Mallorca einfach an die Ostsee wollen“, sagt die Frau, die eine Bahnfahrt nach Berlin nicht sicherer findet als den Flug nach Palma.

Hamburg: Die ersten Reisenden gehen Richtung Gate

Bei Tourismusvertretern an der deutschen Küste hatten die Ergebnisse des Corona-Gipfels am Montag große Enttäuschung und Unverständnis ausgelöst. „Wir wurden schon wieder vertröstet. Dieses Verhalten einer ganzen Branche gegenüber ist einfach respektlos“, sagte Lars Schwarz, Landeschef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Mecklenburg-Vorpommern (MOIN.DE berichtete).

Auch Vizekanzler Olaf Scholz sagte am Mittwoch mit Blick auf Beschränkungen in Deutschland, es sei nicht richtig, dass dann „einige“ anderswo in die Welt reisten. Er kritisierte Reisen nach Mallorca: „Es ist nicht gut, dass jetzt in dieser Situation solche Urlaubsreisen stattfinden.“

Am Mittwoch kam dann auch nochmals Bewegung in die Beschlüsse von Montag: Kanzlerin Angela Merkel ruderte bei der geplanten Osterruhe zurück. An den Reiseregeln für die kommenden Wochen wird jedoch festgehalten.

Durch den Lautsprecher kommt am Flughafen Hamburg die Ansage, dass die Passagiere bitte den Sicherheitsabstand einhalten sollen. Für die ersten Malle-Reisenden in der Schlange geht es nun weiter zum Gate. Sie haben ihren negativen Test vorgelegt.