Hamburg: Fremde Ausweise, gefälschte Unterschriften und am Ende fast 32.000 Euro Beute – vor Gericht fängt der Betrüger plötzlich an zu weinen

Der Mann hob bei verschiedenen Banken große Summen Geld ab (Symbolbild).
Der Mann hob bei verschiedenen Banken große Summen Geld ab (Symbolbild).
Foto: Gottfried Czepluch/Imago & imago images / Westend61

Hamburg. Der Mann aus Hamburg ist 33, aber wirkt gleichzeitig älter und jünger. Älter, weil er eine harte Kindheit hinter sich hat und zudem gerade fünf Jahre im Knast abgesessen hat. Jünger, weil er immer noch seltsam naiv auf sein eigenes Leben blickt und nicht zu verstehen scheint, was echte Verantwortung ist.

Am Freitagmorgen sitzt er im Gerichtssaal des Strafjustizgebäudes in Hamburg. Er war nicht einmal ein halbes Jahr auf freiem Fuß, bevor ihn die Polizei wieder schnappte.

Hamburg: Angeklagter vor Gericht

Die Vorwürfe: viele. Neun Mal soll Thorsten S. fremden Männern ihre Geldbörsen geklaut haben, um dann mit deren Personalausweisen und EC-Karten große Summen am Bankschalter abzuheben. Mehr als 31.000 Euro kamen dabei für ihn zusammen.

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Der Hamburger, der eine Frau und zwei kleine Kinder hat, gab alles für Kokain und Glücksspiel aus. Ansehen tut man ihm das nicht: Er trägt einen Strickpulli mit Kapuze, einen gepflegten Bart, den Kopf rasiert. Nur die tätowierten Hände fallen auf.

Mann aus Hamburg gesteht Verbrechen

Gleich zu Beginn der Verhandlung gesteht der 33-Jährige alles. Der gebürtige Hamburger redet mit brüchiger Stimme und einem Pseudo-Akzent, der wohl nach Straße klingen soll, immer wieder durchmischt mit sehr förmlichen Begriffen und Redewendungen. So war er „angepisst“, als ein Betrug scheiterte, obwohl „die Dame schon alle Papiere fertig hatte“.

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Eins ist ihm wichtig: In einem Fall, in dem er von einer Büro-Mitarbeiterin erwischt wurde, soll er sie weggestoßen haben, um fliehen zu können da betont er, dass er sich nur wegducken wollte und, falls er sie berührt habe, das ein Versehen gewesen sei.

Es macht einen ein wenig ratlos, Thorsten S. zuzuhören. Er erzählt so sachlich von seinen kriminellen Taten. Aber er scheint sie sich selbst nur bedingt erklären zu können. Als die Richterin, die selbst offenkundig interessiert an seinen Beweggründen ist, nach Frau und Kindern fragt, muss der Angeklagte weinen.

Angeklagter aus Hamburg weint

Knapp fünf Monate war S. in Freiheit, bevor er im Mai erneut verhaftet wurde. Zu Beginn dieser Zeit habe er seine Frau belogen, woher das Geld kam, das er plötzlich hatte. Irgendwann fand sie Kokain bei ihm, da gestand er alles. Sie warf ihn raus. Und nahm ihn später wieder auf.

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Der 33-Jährige, der als Kind an ADHS litt und vielleicht immer noch leidet, der keinen Schulabschluss und keine Ausbildung hat, sagt zerknirscht, dass er einfach nicht den ganzen Tag zuhause bei seiner Familie aushalten konnte.

Er musste raus. Bekannte treffen. Bekannte aus dem Knast, die Drogen dabeihatten. Er musste sich ablenken spielen. Oft die ganze Nacht durch.

Angeklagter aus Hamburg hatte schwere Kindheit

Er konsumierte schließlich ein gutes Gramm Koks am Tag, 25 Gramm Marihuana schaffte er „in zwei bis drei Tagen“. Der Mann sagt auch: „Ich werde nicht aufgeputscht von Kokain. Es macht mich nur konzentriert.“

Das Geld für seine Süchte musste er zusammenstehlen. Meistens aus Bürogebäuden. Wie er dort hinein kam, verrät er nicht. Fast immer waren sie nicht einfach so zugänglich. Er klaute nur aus Männerjacken und -taschen, damit er hinterher mit den erbeuteten EC-Karten und Persos zur Bank konnte.

Hamburg: Richterin staunt über Vorgehen

„Man wundert sich, wie leicht das zu sein scheint“, staunt die Richterin. Der Angeklagte nickt und zuckt mit den Schultern. Manchen Perso-Besitzern habe er nicht ansatzweise ähnlich gesehen, gibt er an, und trotzdem bekam er am Schalter große Geldsummen.

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Als die Polizei ihm auf die Spur kam und mit einem Durchsuchungsbeschluss in seiner Wohnung stand, war Thorsten S. erst schockiert, aber dann fast froh, scheint es. Noch im Streifenwagen gestand er die meisten Taten.

Mann aus Hamburg wollte sich bessern

Man bekommt wirklich den Eindruck, dass er sich ändern will, vor allem für seine Familie aber nicht die geringste Ahnung hat, wie. Entzugstherapien habe er als Jugendlicher versucht, aber nie durchgehalten.

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Man möchte ihm raten, dass sich nochmal ein Profi seiner ADHS widmen sollte – und ihm dann vielleicht auch der Rest etwas leichter fällt. Und dass er dringend einen echten Lebensinhalt braucht, einen Job der ihn erfüllt, irgendeinen Sinn.

Am Montag wird der Prozess fortgesetzt, spätestens Freitag beendet. Dass Thorsten S. mit Bewährung davonkommt, hält selbst er für unwahrscheinlich.