Hamburg Hafen: Nach Riesen-Feier kommt der Mega-Frust – Wirbel um DIESE Traditionsfirma

Nach der Zeremonie, folgt der Frust bei der Traditionswerft im Hafen von Hamburg (Symbolbild).
Nach der Zeremonie, folgt der Frust bei der Traditionswerft im Hafen von Hamburg (Symbolbild).
Foto: IMAGO / Manngold

Gerade noch wurde bei der Traditionswerft Blohm + Voss im Hafen von Hamburg gefeiert – doch sogleich folgt großer Frust!

Als die Korvette namens „Köln“ für die Marine übergeben und eingeweiht wurde, ahnte wohl kaum jemand, wie dick die Luft für die Traditionswerft aus Hamburg im Hafen wirklich ist. Zahlreiche Kollegen mussten ihre Sachen packen, es regnete Kündigungen.

Hamburg Hafen: Der Schein trügt

Denn so feierlich der Tag mit zahlreichen Gästen und großer Zeremonie auch wirken mag, hinter den Kulissen sieht es bitter aus. Genaugenommen lief auch die Feier schon etwas strenger – es gab viele Uniformträger unter den Gästen und einen feierlichen Einmarsch mit Musikinstrumenten – doch das lag vor allem auch an der besonderen Kundschaft.

Korvette „Köln“ ist schließlich ein Neuzugang für die Bundeswehr. Ein Kampfschiff, das 89 Meter misst. Es ist das erste von fünf geplanten Neubauten der Klasse K130. Sie sollen vornehmlich auf den europäischen Randmeeren eingesetzt werden.

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Der Hamburger Senat wird durch Andy Grote (SPD) repräsentiert. Oberbügermeisterin Henriette Reker vertritt die Patenstadt Köln vor Ort und darf den Neubau der Werft sogar persönlich taufen. Anschließend folgt in der Schiffbauhalle ein Festmahl für die Gäste.

Angespannte Stimmung im Hafen von Hamburg

Dass die geopolitische Lage sich in den vergangenen Wochen dramatisch geändert hat, ist keine Überraschung. Der russische Überfall auf die Ukraine hat die Situation, auch das deutsche Sicherheitsbedürfnis, komplett verändert. Wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtet, sei die Stimmung bei den Taufreden deutlich spürbar gewesen.

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Innensenator Andy Grote (SPD) sagte passenderweise dazu: „Die heutige Taufe hätte noch vor zwei Monaten eine ganz andere Bedeutung gehabt.“

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Neubau von Hamburg Werft im Hafen dringend nötig

Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (SPD), die als parlamentarische Staatssekretärin des Bundesverteidigungsministeriums den Auftraggeber bei der Feier in Hamburg repräsentierte, sagte dazu dem „Hamburger Abendblatt“: „Die Taufe der Korvette ,Köln‘ steht für den Schritt zu einer erhöhten Einsatzfähigkeit unserer Deutschen Marine und somit unserer Seestreitkräfte. Die erhöhte Einsatzfähigkeit hat eine Dringlichkeit bekommen, die sich vor zwei Monaten noch niemand vorstellen konnte.“

Die Verteidigungsbereitschaft der Bundeswehr solle erhöht werden und die Korvette sei dringlich nötig. Das betont auch Marineinspekteur Jan Christian Kaack nochmal.

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Im Hafen von Hamburg werden die Teile zusammengesetzt

Einzelteile müssen noch zusammengesetzt werden, um die geplanten Neubauten zu vervollständigen. Das Vorschiff der Korvette „Köln“ wurde in Bremen gebaut, das Hinterschiff am Standort Wolgast, wo auch derzeit das letzte Hinterschiff der Klasse hergestellt wird.

Im Hafen von Hamburg bei Blohm + Voss sollen die Teile schließlich zusammengesetzt und die Schiffe ausgerüstet. Somit sind mehrere Werften beteiligt. Der Auftrag ist ein Gemeinschaftsprojekt für zwei Milliarden Euro.

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Daten und Fakten zum Hafen Hamburg:

  • Der Hamburger Hafen ist ein offener Tidehafen an der Unterelbe der Freien und Hansestadt Hamburg (Eröffnung: 7. Mai 1189)
  • Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen in Deutschland und der drittgrößte in Europa (hinter Rotterdam und Antwerpen)
  • Gesamtfläche des Hamburg Hafen: 7.200 Hektar (ca. 10 Prozent der Fläche Hamburgs)
  • Gesamtumschlag im Jahr 2020: 126,3 Millionen Tonnen
  • 7.377 Schiffe liefen den Hafen 2020 an

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In den Jahren 2007 und 2013 wurde der baugleiche Typ K130 gefertigt. Diese seien aber in der Schiffstechnik und den Waffensystemen nicht so fortschrittlich wie die neuen.

Ob ein drittes Baulos im Rahmen des Sondervermögens von 100 Milliarden Euro, das von der Bundesregierung für die Ausstattung der Bundeswehr freigegeben wurde, folgt, sei noch in Diskussion. Alternativ würden die alten Korvetten aus dem ersten Baulos ertüchtigt werden, wie Staatssekretärin Möller hinzufügte.

Frust im Hafen von Hamburg

Denn bei Blohm + Voss sieht es bitter aus: Mutterkonzern Lürssen will von den rund 580 noch beschäftigten Mitarbeitern noch 123 Menschen kündigen.

Nach Angaben des „Hamburger Abendblatt“ habe die Werft mehrere Sparvorschläge gegeben, die mit der Führung der IG Metall zwar ausgehandelt, von den Beschäftigten aber abgelehnt worden seien. Daher greift das Unternehmen jetzt durch und schmettert mit betriebsbedingten Kündigungen um sich, um einzusparen.

Im Mai soll das Personal abgebaut werden, was natürlich bereits jetzt auf die Stimmung drücke. Ein Mitarbeiter erzählte: „Die Stimmung in der Belegschaft ist schlecht.“ Eine Sache macht das wohl nochmal deutlich: Die IG Metall wurde zur Tauffeier nicht einmal eingeladen.

Hamburg Hafen: Böse Vermutungen bei der IG Metall

Emanuel Glass von der IG Metall Region Hamburg sagt dazu: „Die IG Metall hatte damals zusammen mit dem Bundestag, durchgesetzt, dass die Korvetten von deutschen Werften gebaut werden. Es ist schon verwunderlich, dass die Gewerkschaft nun nicht zur Taufe eingeladen wurde.“

Bei der IG Metall liegt eine böse Vermutung im Raum: Demnach werde der Standort Hamburg absichtlich ausgeblutet, weil Lürssen vorhabe die Instandsetzung von Handelsschiffen bei Blohm+Voss abzuziehen.

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Lürßen weise das aber zurück, wie das „“ berichtet. Er gab zu Wort: „Selbstverständlich geht es bei Blohm+Voss weiter. Wir müssen nur auf einen Personalstamm kommen, der wirtschaftlich vertretbar ist.“

Noch ein Verlust für Blohm + Voss: Klaus Borgschulte zieht sich aus unbekannten Gründen zurück. Er ist seit fast 20 Jahren im Bunde und war zuletzt Geschäftsführer. (lfs)