Hamburg: Joachim Witt geht auf Tour, doch eine Sache stört ihn – „Schon immer lästig“

Bea Swietczak
Hamburg: Joachim Witt verschlägt es in wenigen Wochen zurück auf die Bühne.
Hamburg: Joachim Witt verschlägt es in wenigen Wochen zurück auf die Bühne.
Foto: picture alliance / AAPimages / Timm

Er brachte Hits wie „Tri tra trullala“, „Bataillon d’amour“ und „Die Flut“ heraus. Doch „Goldener Reiter“ war der größter Chartstürmer von Joachim Witt (72) aus Hamburg. Bis heute hallt er nach und wird bei Neue-Deutsche-Welle-Partys auch von jungen Leuten textsicher mitgesungen.

Er kam 1980 auf seinem Solo-Album „Silberblick“ heraus und erschien im Mai 1981 als Single-Auskopplung. Jetzt bereitet der Künstler aus Hamburg, der im Stadtteil Uhlenhorst wohnt, gerade seine neue Tour vor. Sie startet am 25. Februar 2022. Gleichzeitig erscheint das neue Album „Rübezahls Reise“.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Sie führt ihn durch 14 deutsche Städte. In Hamburg tritt er am 19. März im Mojo Club an der Reeperbahn auf (Tickets: ab 49,90 Euro). Im Gepäck dabei: sein letztes Album „Rübezahls Rückkehr“. Mystisch, schwer tragend, dramatisch, aber eingängig und mit großem Orchester und zarten Geigenklängen.

Witt hat sich verändert. Er ist geschminkt und trägt einen langen, grauen Rauschebart. Im Gespräch mit MOIN.DE erzählt er von gestern und heute.

Warum heißen die Tour und das Album „Rübezahl“?

Joachim Witt: Ich habe ein neues Konzept für einen großzügig angelegten Sound gesucht. Rübezahl als mythische Figur aus der Sagen-Geschichte passt gut dazu. Sie war mir noch aus der Kindheit nah. Da tauchte sie das erste Mal auf.

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Damals fand ich das eher schrecklich und angsteinflößend. Heute eignet sie sich gut als Aufhänger für meine große Soundgeschichte. Ich bin quasi zur Drama-Queen geworden.

Im Video zu „Goldener Reiter“ zeigst Du einen einzigartigen, schrägen Tanzstil. Sehen wir den im Mojo Club auch?

Ich würde mich als begabten und inspirierenden Tänzer beschreiben. Die Moves kommen einfach so aus mir heraus. Wenn ich im Mojo Club auftrete, dann fordere ich das Schicksal nicht heraus, obwohl ich noch weitgehend eine gute Beweglichkeit habe.

Aber ich werde nicht nur herumstehen, obwohl ich gern herumstehen würde. Ist ja bequemer. Aber die Stücke sind so stark im Ausdruck, dass sie eher meine mimische und gestenreiche Seite fordern werden. Ich beschreibe meinen neuen Stil als romantisch, dramatisch, sehnsüchtig und eindringlich.

Wie denkst Du heute über den „Goldenen Reiter“?

Ich bin froh, dass er mir damals eingefallen ist. Er hatte gut die Zeit abgebildet. Ich spiele ihn heute noch, weil ich finde, dass der Titel inhaltlich immer noch auf der Höhe der Zeit ist. Zudem war er meine Lebensversicherung.

Hand aufs Herz. Gehst Du auf Tour, weil Du die Kohle brauchst?

(Überlegt) Ich sag’ mal so. Zum wirklich Geld verdienen, ist eine Club-Tour nicht so sehr geeignet. Mein Motiv ist die Fan-Bindung. Das ganze drum und dran gefällt mir eigentlich gar nicht.

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Das hängt nicht mit dem Alter zusammen, sondern das fand ich immer schon lästig. Aber die zwei Stunden auf der Bühne genieße ich sehr. Im Rampenlicht blitzt es in mir. Da stehe ich sofort unter Strom.

Dein letztes Album hast Du mit Hilfe von Crowdfunding finanziert. Lohnt sich das?

Schon zum dritten Mal. Es lief super. Ich konnte durch meine treuen Fans die Produktionskosten decken. Ich habe auch extra eine Supporter-Seite eingerichtet.

Du hast nicht immer in Deiner Geburtsstadt Hamburg gelebt, bist aber kürzlich zurückgezogen.

Ich war zehn Jahre in Potsdam und hatte parallel ein Fachwerkhaus in Mannhagen auf dem Land im Herzogtum-Lauenburg. Es brannte leider komplett ab. Danach bin ich ganz nach Potsdam gezogen. Jetzt habe ich in Hamburg wieder mehr Zugang zu der Stadt gefunden.

Eine Zeitlang fand ich zu langweilig, dass ich alle Häuser kannte. Ich bin aber eher nicht der Typ, der in Clubs und Bars geht. Nur in Cocktailbars, wenn coole Musik im Ibiza-Style gespielt wird. Ich gehe gern zum Essen ins „Henny’s“, oder ich bestelle mir was zum Essen nach Hause.

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Früher hast Du mal unter Depressionen gelitten. Heute auch noch?

Das war zuerst in den 80er Jahren. Meine Musik hat mir geholfen und mich davon befreit. Anfang der 90er habe ich nach neuen Wegen in der Musik gesucht. Diese Sinnfindung hat mich verändert, wodurch es mir eine Weile lang nicht so prickelnd ging.

Es war aber nicht pathologisch, sondern die Auslöser waren Trigger-Punkte. Die Probleme waren den Umständen geschuldet. Aber auf der anderen Seite könnte ich die Musik nicht so machen, wie ich sie mache.

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Das Glück und das Leid muss man gleichermaßen erlebt haben. Ich gehöre zu den hochsensiblen Menschen, die jedes Gefühl besonders stark beeinflusst. Mittlerweile bin ich allerdings sehr ausbalanciert.