Hamburg: Bau-Entwickler plant gigantischen Turm! Das macht ihn so besonders

Bea Swietczak
Der Immobilienentwickler Frank Jendrusch aus Hamburg plant einen Mega-Turm.
Der Immobilienentwickler Frank Jendrusch aus Hamburg plant einen Mega-Turm.
Foto: Jendrusch Group/Chris Hunter (Montage MOIN.DE)

Er ist 510 Meter hoch, hat 88 Stockwerke und versorgt sich zu hundert Prozent selbst. Durch Wind, Sonne, Wasser und Algen. Der Öko-Wolkenkratzer namens „Supercell“ (Superzelle) aus Stahl, Beton und Glas ist der neueste Coup des Immobilienentwicklers Frank Jendrusch (61, „Jendrusch Group“) aus Hamburg. Das hohe Gebäude sollte am Meer stehen. Seine Riesensegel leiten Wind ins Innere, wo ein Aufwindkraftwerk mit Generatoren für Strom sorgt. Licht und 390.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr erzeugen Mikroalgen in Wasserbecken.

Die wiederum bilden zum Beispiel für Pharma- und Kosmetikprodukte oder für Treibstoff den Grundstoff. Die 475.000 Quadratmeter große Glasfassade verfügt über durchsichtige Sonnenkollektoren in den Scheiben, die noch mehr Energie erzeugen. Der „Supercell“ ist eine richtige Innovation, entspricht dem Zeitgeist und dem Verständnis für eine zukunftsorientierte, saubere Umwelt. Aber leider wird er nicht in Hamburg gebaut, sondern in Singapur aktuell verhandelt. Für solche Supertürme gibt es ein großes Interesse in Asien und in arabischen Staaten.

Warum das so ist, und warum andere Innovationen hier nicht umsetzbar sind, erklärt Frank Jendrusch im Interview mit MOIN.DE.

Hamburg: Bau-Entwickler plant Mega-Turm!

Frank Jendrusch: Der „Supercell“ kostet 5,5 Milliarden Euro und bringt jährlich 3,3 Milliarden Euro ein. Hier wäre er deutlich teurer. Das hängt auch mit der Energiekosten zusammen. Man muss von dem alten Krustendenken runter, dass E-Mobiliät die Rettung ist. Ich habe in meinem Freundeskreis in Hamburg Mittelständler und Unternehmer, die meinen, dass sie die Umwelt retten, wenn sie eine bestimmte Partei wählen.

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Das ist für mich ein kultureller Schock, weil es zeigt, dass es für die Umweltprobleme gar kein richtiges Verständnis gibt. Ich bin in Hamburg nur noch deshalb ansässig, weil sie die schönste Stadt Deutschlands ist und ich mich hier wohlfühle. Gott sei Dank bin ich viel auf Reisen.

Was könnte Hamburg baulich besser machen?

Jendrusch: Im Bausektor ist Hamburg ganz gut, aber es müssten mehr Wohnungen gebaut werden, indem man eine größere Verdichtung vornimmt und Wohngebäude schafft, die höher sind. Natürlich nicht in der Innenstadt, aber wir haben attraktive Bauplätze an der Elbe.

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Damit meine ich nicht die teure Hafencity, sondern schaue Richtung Altona. Es würde sich rechnen, dort öffentlich geförderte Wohnungen in die Höhe zu bauen. Damit würden wir sehr viel Druck aus dem Markt nehmen und attraktiven Wohnraum umsetzen.

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Daten und Fakten über Hamburg:

  • Hamburg ist als Stadtstaat ein Land der Bundesrepublik Deutschland.
  • Hamburg ist mit rund 1,9 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Deutschlands und die drittgrößte im deutschen Sprachraum.
  • Das Stadtgebiet ist in sieben Bezirke und 104 Stadtteile gegliedert, darunter mit dem Stadtteil Neuwerk eine in der Nordsee gelegene Inselgruppe.
  • Der Hamburger Hafen zählt zu den größten Umschlaghäfen weltweit.
  • Die Speicherstadt und das benachbarte Kontorhausviertel sind seit 2015 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes
  • International bekannt sind auch das Vergnügungsviertel St. Pauli mit der Reeperbahn sowie das 2017 eröffnete Konzerthaus Elbphilharmonie.

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Wie steht Hamburg im Bereich der Nachhaltigkeit bei Neubauten da?

Jendrusch: Hamburg könnte insgesamt ganz anders dastehen, wenn man bedenkt, wo die Energie herkommt. Es gibt Ausnahmen wie den Öko-Anbieter „Hamburg Energie“. Der baut in Wilhelmsburg ein geothermisches Kraftwerk. Das ist mit die sauberste Energie-Gewinnung, die ich kenne. Leider noch nicht am Netz, da noch im Bau befindlich.

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Hamburg ist für Geothermik perfekt geeignet, weil es auf riesigen Salzstöcken und Sandstein liegt. Wenn man das Kohlekraftwerk Moorburg stilllegt, sollte man dafür ein geothermisches Kraftwerk bauen. Andere Städte im Ausland sind da viel weiter.

Hinkt Hamburg im Weltvergleich hinterher?

Jendrusch: Absolut, dazu kann ich eine Geschichte erzählen: Ich habe mich vor einigen Jahren mit einem Wissenschaftler ausgetauscht, der einer der Klima- und Energieberater der Bundesregierung ist. Nachdem er sich die Systeme meiner Firma für Umwelttechnik angeschaut hat, sagte er mir, dass sie zwar hervorragend sind, aber dass ich davon ausgehen solle, dass keines von ihnen hierzulande gebaut werden kann. Denn sie sind politisch und gesellschaftlich nicht akzeptiert und durchführbar.

Er sagte auch, dass Deutschland intellektuell vergleichbar mit dem Untergang des Römischen Reiches ist. Dem stimme ich zu. Da muss man sich nur mal Projekte wie Stuttgart 21, neue Stromleitungen von Nord nach Süd, um den tollen Windstrom aus der Nordsee nach Bayern zu bringen oder Schnelltrassen durch das Land bauen für eine sparsamere Bahn. Egal, was angefasst wird, es stehen sofort Demonstranten da, die sich dagegen wehren. Die Politik gibt nach und resigniert.

Die Politik ist schuld?

Jendrusch: In Deutschland werden keine Eliten gefördert, weder elitäre Ideen noch elitäre Jugendlichen. Das fängt in der Schule an und reicht bis in die Universitäten. Ich arbeite eng mit Unis zusammen, treffe viele aufgeweckte, junge Menschen.

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Von ihnen höre ich immer wieder, dass sie kaum gefördert, sondern eher unterdrückt werden, um ihr Niveau dem Mittelstand anzupassen. Das führt dazu, dass elitäre Systeme und Personen ins Ausland abwandern. Das ist traurig, denn nach wie vor werden in Deutschland viele Patente entwickelt, aber leider im Ausland umgesetzt.

Wo zum Beispiel?

Jendrusch: Wenn man nach USA schaut, oder in die Schweiz, oder in asiatische Länder. Dort ist es genau umgekehrt. Da wird Innovation von staatlicher Seite gepredigt. Die E-Mobilität ist eine böse Sackgasse. Die Produktion dieser Technik richtet große Umweltschäden an.

Anstatt vor langer Zeit schon in eine andere Technik zu gehen, wird blind reingelaufen bis hin zu Verboten anderer Techniken. Japan hat entschieden, die Wasserstofftechnik zu erforschen. Das ist innovativ. Deutschland ist alles, nur nicht innovativ.

Ausnahmen von der Regeln gibt es denoch. Eine Wissenschaftlerin aus Hamburg beispielsweise setzte ihre Vision in die Tat um. Damit könnte sie ein großes Problem lösen. >>> Erfahre hier, worum es dabei geht.