Hamburg: Berühmte Terror-Witwe verurteilt – die Richterin wendet sich mit deutlichen Worten an sie

Bea Swietzcak
Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt in einem Gerichtssaal in Hamburg. (Archivbild)
Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt in einem Gerichtssaal in Hamburg. (Archivbild)
Foto: Daniel Reinhardt/dpa Pool/dpa

Die Deutsche mit tunesischen Wurzeln, Omaima A. (37), kam direkt aus dem Gefängnis, als sie am Donnerstag den Gerichtssaal in Hamburg betrat. Im Zuschauerraum erblickte sie ihre Schwester Noura, warf ihr einen Handkuss zu, die diesen erwiderte.

Dann nahm die „Terror-Witwe“, wie sie von den Medien genannt wird, ihr Urteil mit Fassung entgegen: 4 Jahre als Gesamtstrafe. 3,5 Jahre hatte die Frau aus Hamburg bereits nach einem ersten Prozess kassiert.

Hamburg: „Sie haben sich bewusst und freiwillig dem IS angeschlossen“

Dieses Mal verurteilte sie die Richterin wegen „mittäterschaftlicher Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland in Tateinheit mit Beihilfe zu einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form der Versklavung“. Im Oktober 2020 stand Omaima A. schon einmal wegen „Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung“ vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht. Diese Zeit wird jetzt eingerechnet.

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„Sie haben die Dinge immer wieder relativiert und verharmlost“, sagte die Richterin in ihrer neuen Urteilsbegründung. „Sie haben sich bewusst und freiwillig dem IS angeschlossen, einer Terror-Organisation mit besonderer Brutalität. Das hat mit Religion nicht das Geringste zu tun. Und Sie haben ihre Kinder in Gefahr gebracht, die Ziele des IS gefördert.“

Die Richterin betonte weiter: „Es ist jetzt an der Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Dieses Verfahren ist wichtig, um deutlich zu machen, welche Gräueltaten der IS den Jesiden und der Nebenklägerin angetan hat.“

Omaima A. hatte im Frühjahr 2016 in ihrer Wohnung in der Stadt Rakka zwei Jesidinnen unmenschlich leiden lassen. Sie soll die beiden Frauen gezwungen haben, zu putzen und andere Arbeiten zu verrichten. Sie waren extra deshalb von einer anderen befreundeten IS-Anhängerin zu ihr gebracht worden, nachdem die Terror-Organisation ihre Familien ermordet, die Frauen vergewaltigt und versklavt hatte.

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Hamburg: Witwe von IS-Terrorist verurteilt

Unter dramatischen Umständen gelang es einer der Jesidinnen, zu fliehen. Die hatte bereits beim ersten Prozess gegen ihre Peinigerin und das Leid, das sie erfahren musste, ausgesagt. Jetzt trat die zarte, junge Frau als Nebenklägerin auf. Sie kam in Begleitung von BKA-Beamten, weil sie sich im Zeugenschutzprogramm befindet.

Omaima A. ist eine von einer Handvoll IS-Rückkehrerinnen Hamburgs, die den Behörden bekannt ist. Aber wohl die berühmteste. Denn sie ist die Witwe des früheren Gang-Mitglieds, Gangsta-Rappers und IS-Terroristen Denis Cuspert (42 †) aus Berlin, besser bekannt als „Deso Dogg“. Der bekam in seinem Leben nichts auf die Reihe und konvertierte im Knast zum Islam, wurde Salafist.

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Als dschihadistischer Kämpfer und Terrorist zog er in den Syrien-Krieg. Die Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass er im Januar 2018 bei einem US-Angriff getötet wurde. Allerdings gibt es über seinen Tod mehrere unterschiedliche Angaben. Offiziell wurde er nie bestätigt.

Hamburg: 2015 flog sie nach Syrien

Dass er tot ist, dafür spricht auch, dass Omaima A. nach Deutschland zurückkehrte. Sie versuchte sich zuerst möglichst unauffällig zu verhalten und legte den Niqab ab, der nur die Augen freilässt. Mit ihren vier Kindern bezog sie eine Wohnung in Neugraben-Fischbek und jobbte als freiberufliche Übersetzerin und Eventmanagerin, um nach außen den Schein einer bürgerlichen Existenz zu wahren.

Aber sie flog auf, als eine libanesische Journalistin sie im Frühjahr 2019 in Hamburg enttarnte, was zu ihrer Festnahme führte. Dabei wurde auch aufgedeckt, dass Omaima A. in Syrien engsten Kontakt zur Kommando-Ebene des IS pflegte, IS-Propaganda übers Internet betrieb und vor Denis Cuspers schon zweimal verheiratet war. Über den ersten Ehemann ist kaum etwas bekannt, wahrscheinlich auch ein IS-Anhänger. Aus dieser Ehe stammt eine Tochter, die heute 14 Jahre alt ist.

Das zweite Mal heiratete sie im Mai 2012 den Frankfurter Islamisten Nadir Hadra und bekam mit ihm zwei weitere Kinder. Er zog in den Syrienkrieg und Omaima A. bekam in Hamburg Sozialleistungen vom Jobcenter. Anfang 2015 folgte sie ihm mit den Kindern über die Türkei nach Syrien. Sechs Wochen nach ihrer Ankunft wurde Hadra in Kobane getötet. Kurze Zeit später heiratete sie dessen IS-Kameraden Cuspers, von dem wahrscheinlich ihr viertes Kind stammt.