Jan Fedder: Hitzige Debatte um sein Andenken! „Schwachsinn“

Die Jan-Fedder-Promenade sorgt bereits jetzt für ordentlich Zündstoff.
Die Jan-Fedder-Promenade sorgt bereits jetzt für ordentlich Zündstoff.
Foto: dpa

Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Vor einigen Wochen hat die Witwe von Jan Fedder dazu angeregt, die Flaniermeile an den Landungsbrücken nach ihrem verstorbenen Mann zu benennen. Daraus hat sich nun ein Streit entwickelt.

Zuerst bereit die Bezirksversammlung über den Vorschlag. Doch die Grünen machten daraus aufmerksam, dass sich mit der Jan-Fedder-Promenade das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen bei der Benennung von Straßen verschärfen würde (MOIN.DE berichtete).

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Jan Fedder: CDU-Abgeordneter wettert gegen Grüne

Christoph de Vries, Bundestagsabgeordneter der CDU aus Hamburg-Mitte, wettert bei Facebook: „Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode. Gaga-Grüne wollen keinen Jan-Fedder-Platz, weil er ein Mann ist.“

Dass die Grünen keinen Jan-Fedder-Platz wollen, stimmt allerdings nicht: „Die Grüne Bezirksfraktion befürwortet eine Straßenbenennung nach Jan Fedder“, sagt Henrike Wehrkamp, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Hamburg-Mitte. Einem entsprechenden Antrag haben die Grünen am 2. Februar im Hauptausschuss auch zugestimmt.

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Womit die Fraktion allerdings viele gegen sich aufgebracht hat, ist ihr Antrag „Jan Fedder ehren – im Einklang mit gleichstellungspolitischen Senatsvorgaben“. Darin geht es um die zukünftige Benennungspraxis von Straßen und Plätzen. Die soll laut der Grünen gerechter werden in Sachen Geschlechter. Das hat sich 2015 auch der Senat zum Ziel gesetzt.

Aktuell fällt die Bilanz für Frauen schlecht aus: Während seit 1974 in Hamburg 404 Verkehrsflächen nach Männern benannt wurden, sind 162 Straßen und Plätze nach Frauen benannt worden.

Jan Fedder: Es geht um die künftige Benennungen von Straßen und Plätzen

Die Grünen-Fraktion im Bezirk Mitte fordert in ihrem Antrag daher: „Ab sofort werden Verkehrsflächen und öffentliche Flächen im Bezirk Hamburg-Mitte, die nach realen Personen benannt werden sollen, ausschließlich nach realen Frauen, inter, trans* und nonbinary Personen benannt.“

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Diesen Abschnitt nahm CDU-Mann Christoph de Vries zum Anlass, den Grünen vorzuwerfen, sie würden keinen Jan-Fedder-Platz wollen. Das habe mit bürgerlicher Politik überhaupt nichts mehr zu tun, schreibt er bei Facebook: „Absurdistan lässt grüßen.“

Henrike Wehrkamp, Fraktionsvorsitzende der Grünen, betont, dass es in dem Antrag um die zukünftige Benennungspraxis gehe.

Der Antrag habe zum Ziel, „eine Regel, sozusagen eine Selbstverpflichtung, aufzuerlegen, die der gesellschaftlichen Realität, unseren Überzeugungen und nicht zuletzt den gleichstellungspolitischen Rahmenvorgaben des Senats entspricht.“

Jan Fedder: Hitzige Debatte

Priorität sollen weibliche und diverse Benennungen haben. Ausnahmen für Männer wären aber möglich. Dann müsste aber ein besonderer Grund für die Ehrung eines Mannes vorliegen und zeitgleich eine Fläche nach einer Frau, einer inter, trans* oder non-binary Person benannt werden, heißt es im Antrag.

Bei den anderen Fraktionen kamen diese Vorschläge nicht allzu gut an. Der Antrag sei im Hauptausschuss behandelt und mehrheitlich abgelehnt worden, sagt Wehrkamp. Die Debatte rund um die Benennungen sei „hitzig geführt“ worden, so Wehrkamp – nicht nur im Hauptausschuss. Für Wehrkamp zeigt das, „wie wichtig es ist, dieses Thema zu problematisieren“.

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Das war Jan Fedder:

  • Jan Fedder wurde am 14. Januar 1955 geboren.
  • Er wuchs in St. Pauli auf. Seine Eltern betrieben das Lokal „Zur Überseebrücke“, das direkt im Hamburger Hafen lag.
  • Schon mit 13 Jahren stand Jan Fedder zum ersten Mal vor der Kamera.
  • Immer wieder hat Jan Fedder norddeutsche Charaktere verkörpert. Berühmtheit erlangte er durch die Rolle des Revierleiters Dirk Matthies im „Großstadtrevier“. Fast 30 Jahre lange war er Teil der Serie.
  • Im Jahr 2000 heiratete er seine Frau Marion.
  • Neben seiner Wohnung in Hamburg, die er bis zuletzt als „Junggesellenbude“ bezeichnete, besaß der Schauspieler auch ein Anwesen in Ecklak in Schleswig-Holstein.
  • 2012 wurde bei ihm die Vorstufe eines Mundhöhlenkarzinoms festgestellt. Den Krebs hat er besiegt, gestorben ist er laut Marion Fedder „am plötzlichen Herztod“ in seiner Wohnung in Hamburg.

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Andere halten davon gänzlich wenig, wie die Reaktionen auf den „Gaga-Grüne“-Facebook-Kommentar von Christoph de Vries zeigen. „Unfassbar! Die spinnen, die GrünInnen“, ist in der Kommentarspalte zu lesen, andere schreiben von „Schwachsinn“. Ein Leser hat MOIN.DE mit einem Augenzwinkern den Vorschlag „Jan-Fedders-Frau-Platz“ zukommen lassen.

Jan Fedder: Frist von zwei Jahren

Ob es eine Jan-Fedder-Promenade geben wird, entscheidet am Ende die zuständige Senatskommission. Mit Kultursenator Carsten Brosda als Vorsitzender hat der Vorschlag einen wichtigen Befürworter.

Bis zum endgültigen Beschluss ist etwas Geduld gefragt. Bei Straßenbenennungen gibt es eine Frist: Benennungen nach Verstorbenen sollen in der Regel frühestens zwei Jahre nach dem Tode vorgenommen werden.

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„Wenn alle mitmachen, könnte die formale Benennung unmittelbar zum zweiten Todestag von Jan Fedder und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt vorgenommen werden“, ließ sich Brosda in einer Mitteilung des Senats zitieren. Ab dem 30. Dezember 2021 könnte es in Hamburg also eine Jan-Fedder-Promenade geben. (kbm)