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Linda Zervakis: Damit brachte sie ihre Eltern zur Verzweiflung – „Wahnsinnig gemacht“

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Linda Zervakis brachte als Kind ihre Eltern zur Verzweiflung (Symbolbilid). Foto: imago images/Stefan Schmidbauer

In der neuesten Folge ihres Podcasts „Gute Deutsche“ hat Linda Zervakis die Moderatorin, DJane, Creative Producerin und Aktivistin Wana Limar zu Gast. Die Afghanin flüchtete Anfang der 1990er Jahre als Fünfjährige mit ihren Eltern nach Deutschland.

Schon früh lernte Limar daher auch die deutsche Sprache – im Gegensatz zu ihren Eltern. Ob das später zu Konflikten zu Hause führte und wann sie sich deshalb überfordert fühlte, erzählt sie im Gespräch mit Linda Zervakis.

Linda Zervakis: Ihr Gast berichtet von seiner Kindheit

Während Wana Limar mit ihren Eltern Dari (eine von zwei offiziellen Amtssprachen in Afghanistan) gesprochen hat, lernte sie im Asylbewerberheim und in der Vorschule Deutsch.

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„Ich kann mich erinnern, dass wir schon im Heim beide Sprachen konnten“, erzählt Limar – weil man sich so mit den anderen Kindern unterhalten konnte. Erst in der ersten Klasse habe sie dann eine leichte Überforderung gespürt.

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Das ist Linda Zervakis:

  • Linda Zervakis wurde am 25. Juli 1975 in Hamburg geboren
  • Ihre Eltern kamen als griechische Gastarbeiter nach Hamburg-Harburg
  • Da ihr Vater früh verstarb, arbeitete Linda Zervakis noch bis zu ihrem 28. Lebensjahr im familieneigenen Kiosk mit
  • Im Jahr 2001 begann die Journalistin ihre Arbeit beim NDR
  • Seit Mai 2013 steht sie für die „Tagesschau“ vor der Kamera
  • Linda Zervakis ist verheiratet und hat zwei Kinder

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„Zum Beispiel, wenn es so Wochentage gab und ich nicht wusste, was jetzt welcher Wochentag ist oder wenn ich meine Sportsachen nicht dabei hatte, weil ich nicht wusste, dass wir Sportunterricht haben und meine Eltern das anscheinend auch nicht auf dem Schirm hatten“, so Limar.

Linda Zervakis spricht mit ihrem Gast über ein großes Problem

Das große Problem: Im Gegensatz zu heute gab es damals noch keine verpflichtenden Deutschkurse. Und so sprechen ihre Eltern bis heute kein gutes Deutsch. Außerdem seien die Zugänge zu solchen Kursen damals sehr schwierig gewesen.

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„Ich weiß nicht, ob ihnen zu dem Zeitpunkt damals bewusst war, wie essenziell es gewesen wäre, diese Sprache richtig zu lernen“, sagt die Moderatorin. Ob es dadurch Konflikte zu Hause gab, will Linda Zervakis wissen.

Linda Zervakis berichtet aus der eigenen Kindheit

Dabei erzählt die „Tagesschau“-Sprecherin auch aus ihrer eigenen Kindheit. „Ich kann mich erinnern, meine Eltern haben immer Griechisch mit mir gesprochen, ich hab aber auf Deutsch geantwortet“, sagt sie.

Zwar habe sie ihre Eltern verstanden, aber sie sei zu faul gewesen auf Griechisch zu antworten. „Das hat sie wahnsinnig gemacht“, so Zervakis.

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Und dadurch hätten ihre Eltern auch Angst gehabt, dass sie ihr Kind „verlieren, weil sie sich nicht richtig integriert haben, weil sie die Sprache nicht gut gesprochen haben.“

Linda Zervakis: Kein Thema für ihren Gast

Bei Limar hingegen sei das überhaupt kein Thema gewesen, berichtet die Afghanin. „Wir haben das immer gut getrennt.“ So habe man zu Hause „die eine Sprache“ gesprochen und „draußen“ bzw. unter den Geschwistern eben Deutsch.

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Geprägt habe sie dabei auch ihre Anfangszeit im Asylbewerberheim, wo im Hof oder auf dem Spielplatz Deutsch gesprochen wurde, aber Zuhause die eigene Sprache – auch bei den anderen Kindern.

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Warum Limar schon als Kind eine starke politische Meinung entwickelte und was sie zu der westlich gesteuerten Berichterstattung über Afghanistan sagt, kannst du >> hier im Podcast mit Linda Zervakis hören. (mk)

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