Camping-Freunde am Boden zerstört – „Regelrecht verzweifelt“

Auf dem Camping-Platz in Bramsche (Niedersachsen) gibt es Ärger. (Symbolbild)
Auf dem Camping-Platz in Bramsche (Niedersachsen) gibt es Ärger. (Symbolbild)
Foto: IMAGO / Geisser

Die Bewohner des Camping-Platzes Waldwinkel in Bramsche (Niedersachsen) sind außer sich. Denn was hier passieren soll, ist für sie nicht nachvollziehbar. In den vergangenen Jahren haben hier mehr als 40 Menschen ihren Hauptwohnsitz angemeldet. Jetzt steht ihre Existenz auf dem Spiel.

Auf dem ehemalige Zeltplatz aus den 1960er-Jahren standen jahrzehntelang baufällige Hütten, der Camping-Platz war regelrecht vermüllt. Erst die heutigen Bewohner haben ihn zu dem gemacht, was er heute ist: eine Siedlung mit Tiny Houses. Doch die soll jetzt dem Erdboden gleichgemacht werden.

Camping-Fans haben sich in Bramsche ein Zuhause geschaffen

Denn die Stadt Bramsche hat einen Bebauungsplan für den Platz formuliert. Das Planungsziel ist, Dauerwohnen nicht zuzulassen. Auch Tiny Houses, die auf das Dauerwohnen ausgerichtet sind, sollen weg. Stattdessen sollen hier künftig große Häuser gebaut werden.

Für die Bewohner ein Schlag ins Gesicht. „Die ganz Alten trifft’s besonders hart, die sind regelrecht verzweifelt“, sagt Christian Conrad, einer der Bewohner in einer NDR Dokumentation.

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Er fügt hinzu: „Was die da vorhaben, ist im Grunde eine Vernichtung, es ist so ein kaltes Abwürgen. Ziel ist, dass hier irgendwann die Dauerbewohner weg sind.“

Stadt will nichts von Bebauung auf Camping-Platz gewusst haben

Aber wie konnte es dazu kommen? Heiner Pahlmann, Bürgermeister der Stadt Bramsche, rechtfertigt sich: „Wir wussten, dass da ein Campingplatz ist, aber wie jetzt einzelne Gebäude errichtet wurden, das wussten wir nicht.“

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Camping-Urlaub angesagt wie nie – das steckt dahinter:

  • Der Begriff Camping umfasst eine sehr breite Spanne von Aktivitäten.
  • Ihnen allen ist gemeinsam, nicht in Gebäuden zu übernachten, sondern in der Natur.
  • Die Urlauber schlafen in Zelten, Hängematten, Wohnwagen oder Wohnmobilen, in Dachzelten oder ausgebauten Vans.
  • Wird in Zelten gecampt, so spricht man auch von Zelten.
  • Camping wurde Anfang des 20. Jahrhunderts populär und ist mittlerweile eine weitverbreitete Urlaubs- und Reiseform.

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Erst durch eine Anzeige an die Stadt Bramsche im Jahr 2018 sei man darauf aufmerksam geworden. „Da ist mitgeteilt worden, dass auf diesem Campingplatz dort feste Gebäude errichtet werden“, sagt Pahlmann.

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Das ist jedoch schlecht vorstellbar. Denn: Im Jahr 2014 feierte der Platz 50-jähriges Jubiläum. Auf einem Zeitungsfoto dazu sind der ehemalige Landrat Michael Lübbersmann und der heutige stellvertretende Bürgermeister Karl-Georg Görtemöller auf dem Campingplatz zu sehen.

Haben die Camping-Fans gesetzwidrig gehandelt?

Der pensionierte Anwalt Robert Lorenz, der die Bewohner unterstützt, ärgert sich: „Wenn Repräsentanten der Stadt den Platz besuchen, wenn die Leute, die dort wohnen, sich anmelden bei der Stadt Bramsche mit erstem Wohnsitz, ja Herr Gott nochmal, was heißt das denn? Das heißt doch nur, dass die Stadt Bramsche Kenntnis davon hatte.“

Bürgermeister Heiner Pahlmann hingegen sagt: „Auch für eine Kommune geht es darum, dass sich diejenigen, die Häuser errichten, an geltendes Recht halten und dazu gehört einfach, dass man entweder einen Bebauungsplan benötigt oder eine Baugenehmigung“. Und die habe es zu keiner Zeit für die Tiny Houses gegeben.

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Das wurde auch so im Bebauungsplanentwurf festgehalten. Darin behauptet die Stadt, die Bewohner hätten bewusst gesetzwidrig gehandelt. Robert Lorenz hingegen sagt: „Dafür gibt es keinerlei Beleg. Die Leute glaubten, dass sie das dürften.“

In Bayern wurde ein Camping-Platz zum Tiny House-Dorf

Der pensionierte Anwalt ergänzt: „Es gibt jederzeit die Möglichkeit, die bestehende Situation in eine Rechtsform zu gießen und zu legalisieren. Das Baugesetzbuch erlaubt das seit 2017 und ich gehe eigentlich davon aus, dass diese Vorschrift der Stadt Bramsche auch bekannt ist.“

Zum Vergleich: Eine Gemeinde in Bayern hatte den Mut, das Thema politisch anzugehen. In Mehlmeisel im Fichtelgebirge ist auf einem alten Campingplatz ein Tiny House-Dorf entstanden – inklusive Dauerwohnrecht, mit voller Unterstützung der Gemeinde.

Camping-Fans in Bramsche hoffen auf mehr Verständnis

Franz Tauber, Bürgermeister von Mehlmeisel sagt: „Das muss man auch wollen. Da muss man ein bisschen offen dafür sein, sich mit der Lage befassen. Da kann man nicht einfach sagen: ‚Nein, das wollen wir nicht, wir wollen lieber, dass Leute große Häuser bauen.‘“

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Er erklärt: „Wenn es Menschen gibt, die darin wohnen wollen, warum soll ich denen nicht die Möglichkeit geben, hier eine Fläche zu schaffen, wo sie sich verwirklichen mit ihrer Wohnidee.“

Diesen Weitblick würden sich die Bewohner des Camping-Platzes Waldwinkel wohl auch wünschen – und vor allem mehr Verständnis für ihre Situation.

Die komplette Sendung gibt es >> hier beim NDR zu sehen. (mk)