Greifswald: SPD-Politiker entschuldigt sich auf Wahlplakat DAFÜR – „Es tut mir leid!“

Robin Grützmacher
Greifswald: Philipp Amthor (CDU, l.) liegt laut Prognosen in dem Wahlkreis hinter Erik von Malottki (SPD).
Greifswald: Philipp Amthor (CDU, l.) liegt laut Prognosen in dem Wahlkreis hinter Erik von Malottki (SPD).
Foto: picture alliance / Zoonar | Sergey Kohl / Jens Büttner /

Eigene Fehler erkennen, sie eingestehen oder korrigieren, das fällt vielen Menschen schwer. Sowohl im Privatleben als auch auf der Arbeit oder besonders auch in der Politik. Mit der Fehlerkultur haben es hier viele nicht so. Denn wer Fehler offen zugibt, der läuft Gefahr, Angriffsfläche zu bieten und Zuspruch zu verlieren. Ein positives Beispiel gibt es aber aus Greifswald, MOIN.DE hat mit dem Betroffenen gesprochen.

Erik von Malottki ist SPD-Politiker im Osten von Mecklenburg-Vorpommern (MV). In seinem Wahlkreis Mecklenburgische Seenplatte I - Vorpommern-Greifswald II hat er einen prominenten Gegner: MV-Spitzenkandidat Philipp Amthor (CDU). Die beiden gehen ins Duell um möglichst viele Erststimmen bei der Wahl am 26. September, um über ein Direktmandat in den Bundestag einzuziehen.

Greifswald: Chancen für SPDler stehen gut

Auch die AfD ist hier im Osten des Bundeslandes gut dabei, teilweise sogar stärkste Kraft (hier mehr dazu). Bei der Landtagswahl 2011 kam die NPD in Vorpommern-Greifswald II über zehn Prozent.

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Was dem SPDler Erik von Malottki derzeit besonders in die Karten spielt, ist der immer größer werdende Zuspruch für die SPD. Von Umfrage zu Umfrage steigen die Werte, zuletzt wurden beim Institut INSA für die Bundestagswahl in MV 38 Prozent für die Sozialdemokraten erreicht (hier mehr dazu), bundesweit sind es etwa 25 Prozent.

Philipp Amthor, der aktuell noch im Bundestag einen Sitz hat, muss deswegen um das Direktmandat in seiner Heimat zittern. In Umfragen verloren die Christdemokraten in Mecklenburg-Vorpommern zuletzt immer mehr an Zuspruch, bei INSA lagen sie in MV mit 14 Prozent nur noch auf Platz 3, bundesweit sind es derzeit etwa 22 Prozent.

Auch andere prominente Gesichter der CDU, die man aus den letzten Jahren wegen ihrer hohen Medienpräsenz kennt, könnten ein großes Stück an Bedeutung verlieren, indem sie in ihren Wahlkreisen scheitern und damit nicht in den Bundestag einziehen. Zu diesen CDU-Promis gehören Annegret Kramp-Karrenbauer, Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner.

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Philipp Amthor liegt laut Analyse von „Wahlkreisprognose“ derzeit hinter Erik von Malottki. Eine Möglichkeit hat der CDUler, genau wie seine Parteikollegen, dann nur noch über die Landesliste. Der 28-Jährige wurde auf Listenplatz 1 der CDU-Landesliste zur Wahl des Deutschen Bundestages gewählt und hätte somit auch ohne Direktmandat Chancen.

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Mehr zu Erik von Malottki:

  • Erik von Malottki wurde am 1. April 1986 in Grevesmühlen geboren.
  • Er ist verheiratet und hat einen Sohn.
  • Er studierte 2007 Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Greifswald.
  • Erik von Malottki ist seit 2014 in der Bürgerschaft in Greifswald aktiv.
  • Er kandidierte 2019 für das Amt des Vize-Landesvorsitzenden der SPD Mecklenburg-Vorpommern.

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Greifswald: Plakat sorgt für Aufsehen

Erik von Malottki, der Sozialdemokrat aus Greifswald, der laut eigenen Angaben in seiner Partei als SPD-Linker gilt, sorgte in seiner Heimat zuletzt mit einem Plakat für Aufsehen. Denn darauf entschuldigte er sich für die Politik seiner Partei. Ein eher seltener Vorgang. „Hartz IV und Leiharbeit. Es tut mir leid!“ ist zu lesen. In großen Teilen der SPD hat man sich mittlerweile von Hartz IV eher distanziert, trotzdem gibt es natürlich aber auch noch Anhänger der Maßnahme.

Gegenüber MOIN.DE begründet Erik von Malottki das Ganze so: „Mir war das Plakat zu Hartz IV und Leiharbeit sehr wichtig, denn die Agendapolitik unter Gerhard Schröder hat die SPD sehr viel Vertrauen gekostet. Die Arbeitsmarktreformen und die Einführung des Arbeitslosengeldes II haben den Sozialstaat in Deutschland massiv geschwächt und ein unwürdiges System geschaffen, das den Zweck der sozialen Absicherung verfehlt."

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Ihm sei es als SPD-Kandidat wichtig gewesen, deutlich zu machen, dass die damalige SPD-Regierung 2005 einen Fehler gemacht habe und diesen offen eingestehen und sich beiden Menschen entschuldigen müsse.

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Das ist Greifswald:

  • Greifswald ist die fünftgrößte Stadt in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 59.000 Menschen leben dort.
  • Die Stadt liegt an dem in die Ostsee mündenden Fluss Ryck am Greifswalder Bodden – zwischen den Inseln Usedom und Rügen.
  • Die Universität Greifswald wurde 1456 gegründet und gilt als eine der ältesten Universitäten der Welt. 12.000 Studenten und 6.000 Beschäftige zählt die Einrichtung.
  • Mehrere Schiffe sowohl der zivilen Schifffahrt als auch der Marine sind nach der Hafenstadt benannt, die einst Teil der Hanse war
  • Der bekannte Maler Capser David Friedrich stammt aus Greifswald. An dessen Geburtsstätte können Besucher heute das Caspar-David-Friedrich-Zentrum besichtigen
  • Die Universitätsstadt stand einst unter schwedischer Herrschaft – für fast zwei Jahrhunderte

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Greifswald: SPD will weg von ihrem Hartz IV

„Der Großteil der SPD-Mitglieder teilt meine Einschätzung und wir haben vor Ort parteiintern, aber auch darüber hinaus, positives Feedback zum Plakat erhalten. Auch in den sozialen Netzwerken war der Zuspruch zu dem Plakat groß. Mir ist bewusst, dass es für einen Kandidaten sehr ungewöhnlich ist, ein solches Plakat aufzuhängen und eine solche Form von Fehlerkultur offen zu kommunizieren", sagt Erik von Malottki.

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Mehr News zur Wahl in MV:

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Als Ersatz für Hartz IV schlägt die SPD in ihrem Wahlprogramm ein „Bürgergeld" vor und liegt damit nahe mit den Grünen beisammen. „Mir ist es wichtig, dass wir bei der Einführung des Bürgergeldes als Grundsicherung darauf achten, dass es keine Sanktionsmaßnahmen gibt, die entwürdigend sind und die Idee einer Grundsicherung konterkarieren. Stattdessen wollen wir den Menschen durch Weiterbildung die Möglichkeit geben, wieder eine Arbeit aufzunehmen", sagt Malottki.

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Konservative wie Armin Laschet sehen darin einen Knackpunkt. Im letzten Triell sagte der CDU-Kandidat, Hartz IV sei kein Beruf. „Das größte Problem von Armut ist, wenn Eltern keine Arbeit haben." Deswegen müsse die Bundesregierung alles tun, um Menschen in Arbeit zu bekommen. Letztlich müsse es aber beim Prinzip von Fördern und Fordern bleiben.